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Mitteldeutschland Chemnitz: Zehntausende wollen zu Konzert gegen Rechts
Region Mitteldeutschland Chemnitz: Zehntausende wollen zu Konzert gegen Rechts
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22:29 02.09.2018
Nach den Kundgebungen am Wochenende werden am Montag Tausende zum Konzert „#wirsindmehr“ erwartet. Quelle: dpa
Chemnitz

Mit einem spektakulären Gratis-Konzert wollen sich mehrere Bands und Künstler am Montag ab 17 Uhr in Chemnitz gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt positionieren. Unter dem Motto „#wirsindmehr“ spielen unter anderem die Toten Hosen, K.I.Z., Marteria & Casper und Feine Sahne Fischfilet. Auch die Lokalmatadoren Kraftklub und Trettmann haben sich angekündigt. Erwartet werden viele Tausend Zuschauer. Bei Facebook hatten am Sonntagabend bereits mehr als 30.000 Menschen zugesagt, rund 120.000 klickten auf „Interessiert“.

Wegen großer Nachfrage wurde das Open-Air-Event innerhalb der Stadt verlegt – vom Platz vor dem Karl-Marx-Monument auf den Parkplatz an der Johanniskirche. „Wir sind überwältigt von dem ganzen Zuspruch und Feedback“, teilten die Organisatoren am Samstag mit. Die Bühne werde nun zwischen Hauptbahnhof, Marx-Denkmal und Rathaus aufgebaut, damit alle dabei sein könnten. Die Adresse lautet Bahnhofstraße / Ecke Augustusburger Straße. Dort fand am Samstag bereits die Gegendemo statt, bei der die Bands Madsen und Egotronic spielten.

Mehr als 30.000 wollen kommen – 3Sat berichtet live

Bundesweit haben politische und nichtpolitische Organisationen, Verbände und Vereine Fahrten nach Chemnitz organisiert, um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme an dem Konzert zu ermöglichen.Für alle, die nicht dabei sein können, berichtet der Sender 3Sat am Montag ab 19.20 Uhr live von dem Konzert.

Auch Künstler wie der Leipziger Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel oder BAP riefen dazu auf, sich gegen Rechts zu stellen. Der Erfurter Musiker Clueso zeigte sich empört über die Ausschreitungen der letzten Tage in Chemnitz. „Ich wünsche mir, dass wir alle wieder zusammenfinden, auf einen Grundkonsens kommen, zu einer Haltung, einem gemeinsamen Verständnis, das uns alle, die wir hier leben, verbindet“, sagte der 38-Jährige der „Welt am Sonntag“. Demokratie sei auch Arbeit, „viel Arbeit an etwas, das immens wichtig ist und uns alle zusammenhält“.

Es gibt vor dem Konzert aber auch kritische Stimmen. Der sächsische Buchautor Lukas Rietzschel fürchtet, dass die Spaltung der Gesellschaft dadurch noch verstärkt wird. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte er: „Da reist die aufgeklärte urbane Szene an, und solch ein solidarisches Zeichen der Zivilgesellschaft ist schon fantastisch. Allerdings bestätigt es den Eindruck der Enttäuschten, dass die Künstler nur das System unterstützen.“

Schweigeminute für Daniel H.

„Wir sind dort nicht, um irgendein Festival oder eine Party zu feiern, sondern um uns mit all den Menschen solidarisch zu zeigen, die von den Neonazis angegriffen wurden. Um unsere Abscheu darüber auszudrücken, dass Menschen so einen Mord instrumentalisieren, um ihren Rassismus freien Lauf zu lassen“, schrieben die Veranstalter in ihrer Ankündigung auf Facebook. Zu Beginn werde es eine Schweigeminute für Daniel H., geben, der am 26. August bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden war. Zwei Begleiter des 35-jährigen Deutsch-Kubaners wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.

In Chemnitz gibt es seit Tagen fremdenfeindliche Demos und Gegenproteste. Bei Kundgebungen am Samstag waren nach Polizeiangaben insgesamt mehr als 11.000 Menschen auf die Straße gegangen. 8000 Demonstranten waren es bei den Kundgebungen von AfD, Pro Chemnitz sowie der ausländer- und islamfeindlichen Pegida. Rund 3000 Menschen zählte die Polizei bei den Gegenkundgebungen.

Von LVZ

Am Rand der Kundgebungen in Chemnitz sind am Sonnabend 18 Personen verletzt worden. Gegen einen Afghanen erfolgte ein Übergriff. Der Liveticker von LVZ.de zum Nachlesen.

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