Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Bund warnt vor schweren Nebenwirkungen bei bestimmten Antibiotika
Region Mitteldeutschland Bund warnt vor schweren Nebenwirkungen bei bestimmten Antibiotika
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 30.11.2018
Medikamente mit der Endung „-floxacin“ können schwere und dauerhafte Nebenwirkungen verursachen. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Seit Jahren klagen Patienten über zum Teil schwere und dauerhafte Nebenwirkungen nach der Einnahme bestimmter Antibiotika. Präparate, die zur Gruppe der sogenannten Fluorchinolone gehören und im Handel häufig mit der Endung „-floxacin“ vertrieben werden, können unterschiedlichste Organe schädigen, heißt es. Seit Jahren sind diese Medikamente öffentlich auch umstritten – und führen nicht nur in sozialen Netzwerken zu hitzigen Diskussionen. Nun ist das Ergebnis einer neuen europäischen Studie veröffentlicht worden, das sich auch als Warnung lesen lässt.

Wie das Bundesinstitut für Arznei und Medizinprodukte (BfArM) mitteilte, wurden bei der Studie der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) tatsächlich mögliche Schädigungen von Sehnen, Muskeln, Gelenken und sogar des Nervensystems durch die Medikamente nachgewiesen. „Schwierigkeiten beim Gehen, Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln, brennende Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Probleme beim Sehen oder Hören, veränderter Geschmacks- und Geruchssinn“ werden in der Untersuchung als Symptome genannt. Zum Teil könnten die Nachwirkungen der Behandlung auch erst einige Monate später auftreten.

Einsatz bei Resistenzen gegen andere Antibiotika

Ein generelles Verbot steht nicht zur Debatte, auch wenn einige Präparate seit Jahren zumindest in Deutschland nicht zugelassen sind. Bei den anderen, verbliebenen fluorchinolonhaltigen Produkten machen die Behörden nun aber klare Einschränkungen im Gebrauch. Diese sollten keinesfalls zur Vorbeugung von Krankheiten wie Entzündungen im Hals und auch nicht beim Ausbruch leichter oder mittelschwerer Infektionen angewendet werden – sofern es dafür anderen Optionen gibt, erklärte BfArM-Sprecher Maik Pommer am Freitag gegenüber der LVZ.

 In Fällen, in denen andere Medikamente nicht mehr möglich seien, sollten die Betroffenen immer sensibel mit der Antibiotika umgehen. „Den Patienten wird geraten, die Behandlung bei ersten Anzeichen von Nebenwirkungen, die die Muskeln, Sehnen oder Gelenke beziehungsweise das Nervensystem betreffen, zu beenden“, sagte Pommer. Grundsätzlich sollten ältere Patienten, jene mit Nierenfunktionsstörungen und die bereits eine Organtransplantation hatten mit besonderer Vorsicht bei der Einnahme vorgehen.

Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig

Laut Yvonne Remane, Leiterin der Apotheke im Leipziger Uniklinikum, wirkt dieser Antibiotika-Typ gegen ein breites Spektrum von möglichen Krankheitserregern und kann sowohl im Krankenhaus über Infusionen, als auch zu Hause über Tabletten und Säfte eingenommen werden. Das unterscheidet ihn von vielen anderen. In der Regel kommen Fluorchinolonantibiotika bei Haut- und Weichteilinfektionen, Lungenentzündung und komplizierte Harnwegsinfekte in Frage. „Allerdings sollten die Medikamente keineswegs erste Wahl sein. Hier bedarf es immer einer Nutzen-Risiko-Abwägung“, sagte Remane am Freitag und fügte an: „Im Prinzip sollte diese Antibiotika nur angewendet werden, wenn der Körper bereits Resistenzen gegen andere Antibiotika entwickelt hat.“

Diese Einsatzmöglichkeit, wenn andere Optionen bereits aufgegeben haben, macht die Medikamente aber weiterhin notwendig – trotz aller möglichen Nebenwirkungen. „Fluorchinolone sind eine wichtige Behandlungsoption gegen verschiedene Infektionserkrankungen, darunter einige lebensbedrohliche, bei denen andere Antibiotika nicht ausreichend wirksam sind“, heißt es aus dem Bundesinstitut für Arznei und Medizinprodukte.

Dazu gehören allerdings nicht Medikamente mit den Wirkstoffen Cinoxacin, Flumequin, Nalidinsäure und Pipemidinsäure, über die oftmals im Zusammenhang mit Fluorchinolonantibiotika ebenfalls berichtet wird. Deren Zulassung sollte nun auch nach EU-Reglement künftig überall ruhen, so der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP), der die Ergebnisse der neuen Studie ausgewertet hat. In Deutschland waren diese Medikamente allerdings ohnehin noch nie beziehungsweise seit längerer Zeit nicht mehr zugelassen, heißt es dazu aus dem BfArM.

Von Matthias Puppe

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die sächsische Union habe aus der Wahl-Niederlage von 2017 einiges gelernt, sagt CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (31). Am Sonnabend findet in Leipzig der Landesparteitag statt – dabei treffen auch die drei Kandidaten um den Bundesvorsitz aufeinander.

30.11.2018

Die Zahl der Überstunden in Sachsen hat 2017 einen Höchstwert erreicht. Rund 58,4 Millionen Überstunden bedeuten einen Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

30.11.2018

Seit etwa drei Jahren betreibt Norma Austinat mit ihrem Mann die Köhlerei Eisenhammer bei Bad Düben. Nachdem ihre Existenzgrundlage zuletzt durch den ansässigen Biber bedroht wurde, soll ein Weihnachtsmarkt das Jahr zu einem guten Abschluss bringen.

30.11.2018