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Mitteldeutschland Blutdrucksenker verunreinigt: Krebsgefahr durch das Medikament Valsartan
Region Mitteldeutschland Blutdrucksenker verunreinigt: Krebsgefahr durch das Medikament Valsartan
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22:48 18.07.2018
Wer regelmäßig den Blutsenker Valsartan einnimmt, sollte mit Hausarzt oder Apotheker klären, ob er womöglich von dem Rückruf betroffen ist. Quelle: Fotolia
Leipzig

In Sachsen und Thüringen wurden Medikamente gegen Bluthochdruck und Herzschwäche vertrieben, die Krebs erregende Substanzen enthalten. Die Barmer Krankenkasse schätzt, dass allein zwischen Leipzig und Görlitz rund 45 000 bis 50 000 Patienten vom Rückruf des verunreinigten Arzneimittels Valsartan betroffen sein könnten. Das Medikament an sich ist weltweit im Umlauf.

Der von zahlreichen Herstellern produzierte Wirkstoff werde zwar in einer Vielzahl von Medikamenten eingesetzt. „Von dem Rückruf betroffen sind Präparate, bei denen die wahrscheinlich verunreinigten Valsartan-Chargen eines chinesischen Wirkstoff-Herstellers zum Einsatz kamen“, so eine Barmer-Sprecherin. Dabei handelt es sich offenbar um die Firma Zhejiang Huahai Pharmaceutical und um die Krebs erregende Substanz N-Nitrosodimethylamin (NDMA). NDMA gilt nach Tierversuchen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbst in niedrigen Dosen bereits als krebserregend.

Rückruf bei 16 Firmen mit 106 Arzneimitteln

Anfang Juli informierten das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) über die Panne und kündigten einen Rückruf der Medikamente an. Dabei geht es um 16 Firmen mit 106 Arzneimitteln. Das Internetportal arznei-telegramm warnt allerdings: „Wenn es jedoch zutrifft, dass der chinesische Lieferant den Produktionsprozess bereits 2012 verändert hat und somit bedenkliche Ware möglicherweise bereits seit Jahren auf dem Markt ist, wirft dies Fragen nach der Zuverlässigkeit der Qualitätskontrollen beim Lohnhersteller sowie bei den verarbeitenden Generikafirmen auf.“ Auch könne die Tatsache, dass zum Teil alle oder viele im Handel befindlichen Chargen zurückgerufen werden, Indiz für eine bereits länger bestehende Verunreinigung sein.

Der Rückruf betrifft ausschließlich in den Apotheken vorrätige Ware. Rund 4800 Patienten der Barmer Thüringen sind beispielsweise mit den Präparaten Valsartan AbZ, Valsartan Heumann und Valsartan com. AbZ betroffen. Dagegen teilt die AOK mit: „Versicherte der AOK PLUS, die mit Präparaten von TAD Pharma versorgt wurden, können ihr Arzneimittel bedenkenlos weiterhin einnehmen.“ Ebenfalls nicht betroffen sind die Präparate von Novartis und Mylan (Valsartan dura, Valsartan/HCT Mylan). Fast 60 Prozent der Tagesdosen entfielen 2016 laut Arzneiverordnungsreport auf diese Hersteller. Offen ist nun aber, ob sie den Ausfall ihrer Wettbewerber ausgleichen können oder ob in den Apotheken Lieferengpässe drohen.

Patienten sollen ihren Artz aufsuchen

Mediziner raten Patienten, die Valsartan-haltige Arzneimittel einnehmen, sich dringend mit ihrem Arzt oder Apotheker in Verbindung zu setzen. Diese könnten dann abklären, ob es aus einer der zurückgerufenen Chargen stammt. Keinesfalls sollten die Arzneimittel ohne Rücksprache abgesetzt werden, da das gesundheitliche Risiko um ein Vielfaches höher liege als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung.

Für nicht von der Zuzahlung befreite Versicherte wird aber erneut eine Zuzahlung fällig. Die Apotheken müssen diese Zuzahlung in voller Höhe an die jeweilige Krankenkasse weiterleiten. Kassen wie die Barmer in Thüringen haben daher angekündigt, dass sie ihren Versicherten diese Zuzahlung zurückerstatten.

Laut Hochdruckliga sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Die Folgen können lebensgefährlich sein, dazu zählen auch Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Liste zum Rückruf unter www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Weitere/201807091.html

Von Roland Herold

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