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Mitteldeutschland Bisher kaum Effekte durch Umwelt-Prämien für Elektro-Autos
Region Mitteldeutschland Bisher kaum Effekte durch Umwelt-Prämien für Elektro-Autos
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17:41 15.03.2019
Laden statt Tanken: In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überzeugt das bisher nur wenige Autokäufer – trotz Umweltprämie. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Trotz winkender Umweltprämie von bis zu 4000 Euro greifen Autofahrer in Mitteldeutschland weiterhin nur zaghaft zu Elektro-Autos oder PlugIn-Hybriden. Das hat eine Anfrage des Dresdner Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst (FDP) im Bundeswirtschaftsministerium ergeben. Der FDP-Politiker und Vertreter anderen Parteien kritisierten die Zulage am Freitag scharf – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Umweltprämien im Gesamtwert von 4,2 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr nach Mitteldeutschland ausgezahlt. In Sachsen honorierte die Bundesregierung damit genau 731 neue emissionsfreie Pkw, in Sachsen-Anhalt 330 und in Thüringen 885. Insgesamt waren das 1946 neue Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden in den drei Bundesländern auch 243.000 Pkw ohne Prämie, dafür mit Benzin- oder Dieselmotoren zugelassen. Die Elektro-Quote zwischen Magdeburg, Erfurt und Dresden liegt somit deutlich unter dem Bundesschnitt von zwei Prozent und weit unter der in Ländern wie Norwegen, USA oder China.

Für FDP-Politiker Torsten Herbst liegen die Gründe für die schleppende Nachfrage auf der Hand: „Die bisherigen Nachteile von reinen Batterieelektrofahrzeugen bei Preis, Reichweite und Alltagstauglichkeit können auch durch eine Kaufprämie nicht beseitigt werden“, sagte Herbst gegenüber der LVZ. Er sei zwar überzeugt, dass E-Fahrzeuge künftig im Mix verschiedener Antriebsarten eine Rolle spielen werden.

„Letztendlich kann die Akzeptanz einer Technologie durch teure staatliche Subventionen jedoch nicht erzwungen werden“, so Herbst weiter. Er forderte die Bundesregierung auf, stattdessen einen Ansatz zu verfolgen, „der neben modernen Verbrennungsmotoren alle alternativen Antriebstechnologien, wie etwa Hybrid-, Elektro-, Erdgas-, Wasserstoff- oder Flüssigerdgasantriebe berücksichtigt.“

Grüne: Spritschlucker sollen Prämie finanzieren

Für Stephan Kühn (Grüne), ebenfalls Bundestagsabgeordneter aus Dresden, ist die Prämie vor allem falsch gesetzt – weil sie letztlich alle Steuerzahlern belaste und nicht als Druckmittel auf Nutzer von Verbrennungsmotoren funktioniere. „Die Kaufprämie muss endlich durch ein Bonus-Malus-System in der Kfz-Steuer abgelöst werden, denn dann finanzieren klimaschädliche Spritschlucker die Prämie für saubere E-Autos“, sagte Kühn. Dadurch gebe es echte Anreize, um auf ein elektrisches Modell umzusteigen.

Zudem erneuerte Kühn seine Kritik, die bisher löchrige Lade-Infrastruktur endlich zu verbessern. (LVZ berichtete) „Seit zwei Jahren fördert das Bundesverkehrsministerium Ladesäulen, doch nur ein Bruchteil wurde bislang überhaupt gebaut“, sagte Kühn. Er rief Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dazu auf, das Förderprogramm aufstocken und von der Bürokratie befreien.

In dieselbe Kerbe hieb auch Andreas Nowak (CDU): „Die Zahlen sind klar zu niedrig. Das überrascht mich aber nicht. Die Kaufprämie halte ich für den falschen Anreiz. Statt dessen sollte der Bund klar in den Ausbau von Ladesäulen fördern. Die Reichweiten sind der Schlüssel für die Akzeptanz der Elektroautos“, sagte der Unionspolitiker.

Landtagsabgeordneter Marco Böhme (Linke) schlägt derweil vor, lieber den Öffentlichen Nahverkehr als noch mehr Autos zu fördern – um die Lebensqualität für alle zu erhöhen. „Es nützt wenig, beispielsweise in einer stark wachsenden Stadt wie Leipzig, die jährlich um bis zu 8000 neue Autos wächst, diese dann einfach nur elektrisch zu betreiben“, sagte Böhme. Das Geld der E-Auto-Prämien wäre sinnvoller angelegt, um Eisenbahnverbindungen zu erhalten, so der Linkenpolitiker weiter.

Dulig: Absatz steigt mit wachsendem Angebot

Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) will den Menschen nicht vorschreiben, welche Autos sie kaufen. „Dessen ungeachtet bin ich davon überzeugt, dass deutlich mehr Menschen sich für ein Fahrzeug mit elektrischem Antrieb entscheiden werden, wenn sich in naher Zukunft das Angebot an entsprechenden Fahrzeugen – vor allem aus sächsischer Produktion – enorm verbessern wird“, so Dulig am Freitag.

Neben den knapp 2000 Zulassungen von E-Fahrzeugen in Mitteldeutschland gab es im vergangenen Jahr bundesweit weitere 66.000. In China wurden 2018 eine Million neue E-Autos angemeldet. In den USA boomt Vorreiter Tesla trotz Lieferproblemen weiter, gingen zuletzt 360.000 neue E-Autos auf die Straßen. In Europa ist beim Thema niemand so konsequent wie die Norweger. Dort hatte zuletzt jeder zweite neu zugelassene Pkw ein Ladekabel – insgesamt 73.000 Fahrzeuge.

Von Matthias Puppe

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