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Bildungsangebot für volljährige Flüchtlinge gefordert

Qualifikation Bildungsangebot für volljährige Flüchtlinge gefordert

Volljährige Flüchtlinge, die mit geringer Bildung nach Deutschland kommen, sind schwer zu integrieren. Unterliegen sie nicht mehr der Schulpflicht, ist ihnen der Weg zu einem Abschluss häufig verwehrt. Ein breites Bündnis setzt sich für gezielte Bildungsangebote ein.

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Flüchtlingsrat und Wohlfahrtsverbände in Sachsen haben bessere Bildungsmöglichkeiten für volljährige Flüchtlinge ohne Schulabschluss gefordert.

Quelle: dpa

Dresden. Flüchtlingsrat und Wohlfahrtsverbände in Sachsen haben bessere Bildungsmöglichkeiten für volljährige Flüchtlinge ohne Schulabschluss gefordert. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mahnten sie die Einrichtung eines landesweiten Bildungsprogramms für Geflüchtete an. Betroffen seien etwa 4000 bis 5000 Männer und Frauen, denen der Weg zu einer qualifizierten Berufsausbildung verwehrt bleibe, sagte Gesa Busche vom Flüchtlingsrat am Freitag in Dresden. Zu den 19 Unterstützern der Initiative zählen auch die Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie die Diakonie und der DGB Sachsen.

Den betroffenen 18- bis 27-Jährigen mit pädagogischer Betreuung, Fachunterricht und Deutsch als Fremdsprache am Ende einen Schulabschluss zu ermöglichen, würde laut Busche etwa 26 Millionen Euro kosten. „Eine solche Investition in Personen, in ein Programm, ist unserer Ansicht nach eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte Hendrik Kreuzberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Mit einem Hauptschulabschluss hätten die Flüchtlinge bessere Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt. In der Folge könnten Kosten, die durch Hartz IV oder andere öffentliche Leistungen entstünden, eingespart werden, sagte Kreuzberg. Auch vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkraftbedarfs dürfe dieses Potenzial nicht verschenkt werden.

„Uns ist das Problem bekannt“, sagte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Derzeit werde geprüft, inwieweit der Bund die Lücke im Bildungsweg der bis zu 27 Jährigen schließen könne. „Sollten die Maßnahmen des Bundes nicht ausreichen, wird die sächsische Staatsregierung prüfen, ob sie eigene Bildungsmaßnahmen anbietet“, versprach sie. Die Gespräche zwischen den zuständigen Häusern liefen bereits. „Noch im März wird es vermutlich eine Kabinettssitzung geben, in der das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen wird.“

Bis März vergangenen Jahres wurden auch jüngere Flüchtlinge, die nicht mehr der Schulpflicht unterlagen, in Sachsen noch an den Berufsschulzentren in sogenannten Vorbereitungsklassen Deutschkenntnisse vermittelt. Seit ihrem „Rauschmiss“ bleibe ihnen der Zugang zur Bildung verwehrt, sagte Busche. „Und die Zahl derjenigen, die hier in Sachsen ohne Schulabschluss leben, steigt beständig.“

Wie es funktionieren könne, zeige ein Modellprojekt an der Produktionsschule Moritzburg, wo junge Geflüchtete schon seit 2015 in zwei Klassen an den Schulabschluss herangeführt würden. Der 18-jährige Ali aus Afghanistan drückt dort die Schulbank: „Erst war ich in einer DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache), aber da habe ich nur Deutsch gelernt. In Moritzburg lerne ich jetzt auch andere Fächer.“ Jetzt hofft er auf einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zum Autolackierer.

David Meis, Geschäftsführer der Schule, betonte auch die Schwierigkeiten von jugendlichen Geflüchteten, die mit geringer schulischer Bildung nach Deutschland kommen, und kurz vor der Volljährigkeit stehen. „Ihnen bleibt im Regelschulsystem häufig nicht mehr die Zeit, die Bildung nachzuholen.“ In Moritzbug werde der Unterricht der Klassen fünf bis neun behandelt. „Wir fokussieren auf den Hauptschulabschluss.“ Die Motivation der Schüler sei hoch. Bislang hätten lediglich zwei oder drei ihre Ausbildung abgebrochen.

dpa

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