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Besserer Bautenschutz soll Radon-Strahlung aus Häusern verbannen

Neues Gesetz Besserer Bautenschutz soll Radon-Strahlung aus Häusern verbannen

Es riecht nicht, schmeckt nicht, ist unsichtbar. Und doch ist es da. „Radon gibt es überall in Deutschland“, sagt Benjamin Klein. Der Spezialist fasste beim sächsischen Radontag in Dresden zusammen, auf welche neuen Regeln sich der Bund und die Länder geeinigt haben, um die Bevölkerung wirksamer vor den schädlichen Wirkungen zu schützen.

Es riecht nicht, schmeckt nicht, ist unsichtbar. Und doch ist es da. Radon gibt es überall in Deutschland.

Quelle: dpa

Dresden. Es riecht nicht, schmeckt nicht, ist unsichtbar. Und doch ist es da. „Radon gibt es überall in Deutschland“, sagt Benjamin Klein. Der promovierte Spezialist vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fasste beim sächsischen Radontag in der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft zusammen, auf welche neuen Regeln sich der Bund und die Länder geeinigt haben, um die Bevölkerung wirksamer vor den schädlichen Wirkungen des natürlichen Edelgases zu schützen.

Denn immerhin macht das im Boden, in Gesteinen und Gewässern vorkommende Gas fast die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung der Bevölkerung aus. Jährlich fast 2000 Fälle von Lungenkrebserkrankungen führt das Bundesamt für Strahlenschutz auf die schädlichen Langzeitfolgen des Gases zurück. Im neuen deutschen Strahlenschutzgesetz, das im Juli erstmals verkündet wurde und in Notfällen schon ab Oktober dieses Jahres, jedenfalls ab Ende des nächsten Jahres gelten soll, wird dem radonsicheren Bauen deshalb hohe Priorität eingeräumt. „Dazu gehören eine Dosimeter-Messpflicht an Arbeitsplätzen, strengere Vorschriften für Neubauten und die Ausweisung von Radonvorsorgegebieten“, sagte Klein.

Gemeint sind Regionen, in denen eine beträchtliche Zahl von Aufenthaltsräumen alarmierende Strahlungswerte (mehr als 300 Bequerel pro Kubikmeter Atemluft) aufweisen. Die durchschnittliche Radonstrahlung liegt sechs Mal niedriger als der festgelegte Referenzwert. Nach der sächsischen Radonkarte kommen dafür vor allem ehemalige Bergbaugebiete im Erzgebirge und in der Freitaler Region infrage.

„In Einzelfällen kann es aber auch in unauffälligen Gegenden zu hohen Konzentrationen kommen, die auf Dauer gesundheitsschädlich sind“, warnt Walter-Reinhold Uhlig. Der im Frühjahr emeritierte Professor leitet das vor zwölf Jahren in Dresden gegründete Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum radonsicheren Bauen und Sanieren. Zwar gelten die neuen gesetzlichen Regelungen nur für Neubauten, doch hält Uhlig eine Radonberatung „auch für Bestandsbauten immer für sinnvoll“. Auf die Frage, worauf sich Hauseigentümer finanziell gefasst machen sollten, um gefährliche Strahlung aus ihren Häusern zu verbannen, konnte er keine konkrete Summe nennen: „Das kann je nach Gebäudebeschaffenheit und geologischen Verhältnissen bei einigen Hundert Euro losgehen und bei einigen Zehntausend Euro enden.“ Risse im Mauerwerk, undichte Rohre oder fehlende Kellerabdichtung lassen das Gas ins Haus eindringen. Bei ungenügender Lüftung können die Konzentrationen und die damit einhergehende Alphastrahlung zur Gefahr für Leib und Leben werden.

Uhlig forderte auch verbindliche Regeln für Bestandsbauten, um „substanziellen Gesundheitsschutz für alle zu erreichen“. Er und andere Experten widersprachen der im Gesetz festgeschriebenen Regel, wonach sich Eigentümer und Mieter dann keine Sorgen machen müssten, wenn ihr Haus nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik gegen Feuchtigkeit geschützt ist. „Das ist genau so ein Unsinn wie die Radonvorsorgegebiete“, sprang ihm die Bausachverständige Karin Leicht aus dem unterfränkischen Zell am Main zur Seite: „Jedes Haus ist ein Unikat. Da haben sie einen ganzen Regenbogen an Möglichkeiten, wo Radon durchflutschen kann.“ Als Beispiele aus ihrer Praxis nannte sie Setzungen des Bodens, defekte Dichtungen und Risse im Keller. „Den Leuten von zentraler Warte allgemeine Regeln überzustülpen, ist naturwissenschaftlicher Blödsinn“, monierte sie.

Allen Widersprüchen zum Trotz lobte Sachsens Umweltstaatssekretär Herbert Wolff das neue Strahlenschutzgesetz als „vernünftigen Kompromiss, um die Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen zu regeln. Für die bevorstehende Ausweisung von Gebieten mit besonders hoher Radonbelastung ist der Freistaat auf einem guten Weg“, so Wolff. Seit sechs Jahren gebe es Karten mit hoher Genauigkeit. Nun müsse sachlich über Risiken aufgeklärt, die tatsächliche Gebäudebelastung gemessen und über effiziente Sanierungsmethoden beraten werden.

350 Landkreise, Kommunen, aber auch Privatpersonen haben mit Hilfe des Freistaates kostenlose Messungen durchführen lassen. „Gesundheitliche Belastungen, die durch Radon entstehen können, sind ernst zu nehmen“, unterstrich der Politiker und sprach von einer Aufbruchstimmung. Die Risiken seien laut Wolff beherrschbar, wenn das nötige Wissen vermittelt wird.

Von Winfried Mahr

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