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Mitteldeutschland Banken bitten Sachsens Firmen am häufigsten zur Kasse
Region Mitteldeutschland Banken bitten Sachsens Firmen am häufigsten zur Kasse
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08:32 21.08.2017
Banken bitten Sachsens Firmen am häufigsten zur Kasse Quelle: Archiv

Strafzinsen aufs Ersparte zahlen? Die meisten Privatkunden bleiben davon noch verschont. Bei Firmen wächst jedoch der Druck. Viele werden von ihrer Hausbank für hohe Guthaben bereits zur Kasse gebeten – in Sachsen sogar besonders oft. Zu diesem Ergebnis kommt das Münchener Ifo-Institut in einer aktuellen Studie.

In keinem anderen Bundesland werden den Unternehmen so oft Minuszinsen für ihre Einlagen angedroht wie im Freistaat. „In Sachsen gab knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen an, von Negativzinsen betroffen zu sein“, berichtet Studienautorin Christa Hainz. Das war nicht nur über dem Bundesdurchschnitt, sondern auch der höchste Wert bundesweit. Erst mit deutlichem Abstand folgen Bayern mit 23 Prozent und Thüringen mit gut 21 Prozent. Bundesweit waren es im Schnitt knapp 19 Prozent.

Wieso ist gerade Sachsen so stark betroffen? Als mögliche Erklärung sieht Ifo-Expertin Hainz nicht zuletzt die Geschäftspolitik der hiesigen Banken. Gerade die Volksbanken und Sparkassen im Freistaat gelten beim Thema bundesweit als Vorreiter. Die hiesigen Sparkassen bitten fast flächendeckend Geschäftskunden zur Kasse, einige Volksbanken kassieren sogar bei privaten Sparern, die von den Sparkassen bisher noch verschont werden.

Fällig wird das Entgelt aber überall erst bei sehr hohen Kontoständen: Die Ostsächsische Sparkasse Dresden kassiert seit September 2016 ab einer Million Euro auf dem Geschäftskonto. Die Sparkasse Leipzig zog im Januar nach, kassiert ab 500 000 Euro. Das gleiche gilt seit April bei der Sparkasse Muldental. Zinssatz überall: minus 0,4 Prozent. Damit reichen die Institute exakt den Zinssatz weiter, den sie selbst bei der Europäischen Zentralbank zahlen müssen.

Für die Unternehmen im Freistaat könnte das nun zum Problem werden. „Höhere Kosten sind immer ein Nachteil gegenüber Wettbewerbern an anderen Standorten“, warnt Lars Schaller, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Sachsen. Das sollten sich die hiesigen Unternehmer nicht gefallen lassen, fügt Alexander Lohse, Geschäftsführer des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft in Leipzig, hinzu. „Negativzinsen werden nur für diejenigen zu einem Standortnachteil, die sich den Banken wehrlos ergeben.“ Notfalls sollten Betroffene das Geldhaus wechseln, rät er.

Das wird von den meisten beherzigt. „Die Unternehmen versuchen mehrheitlich, die Negativzinsen zu umgehen“, bestätigt Ifo-Frau Hainz. Und häufig seien sie erfolgreich: Ein Drittel wechselte die Bank, ein weiteres Drittel schichte zumindest Geld um, andere konnten die Sanktion im Gespräch mit der Bank abwenden. Wirklich berappen müssen die Strafzinsen nur wenige. Nur jedes elfte Unternehmen, dem der Strafzins angedroht wurde, zahlt ihn am Ende auch.

Das bestätigen die hiesigen Sparkassen: In Leipzig sind weniger als ein Prozent der 34 000 Geschäftskunden betroffen, also keine 400. Im Muldental sind es 34 von insgesamt 5000 Unternehmenskunden. In Dresden trifft es „weniger als 200“ der 40 000 Geschäftskunden. Zunächst habe man aber in der Tat deutlich mehr Kunden angeschrieben, bestätigt Dresdens Sparkassen-Sprecher Andreas Rieger. „Wir hatten dann Mittelabflüsse zu verzeichnen. Aber wir haben nicht einen einzigen Kunden verloren.“

Von Frank Johannsen

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