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Aufschwung flaut ab in Sachsen

ifo Dresden Aufschwung flaut ab in Sachsen

Die Konjunktur in Sachsen wird sich abkühlen, prognostiziert ifo Dresden: Statt mit 1,7 % wie 2016 rechnet ifo für 2017 mit nur noch 1,4 % Wachstum.

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Jochaim Ragnitz

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden. Der fremdenfeindliche Schatten, der durch Pegida & Co. auf Sachsens Ruf in Deutschland gefallen ist, hat bislang die Investitionsbereitschaft externer Unternehmen nicht spürbar gedämpft. Das hat Prof. Joachim Ragnitz von der Dresdner Niederlassung des ifo-Instituts auf DNN-Anfrage eingeschätzt.

Zwar seien die negativen Effekte für den Tourismus in Ostsachsen deutlich, betonte der Wirtschaftsforscher. Doch seien ihm nur Einzelfälle bekannt geworden, in denen Investoren Projekte im Freistaat unter Verweis auf das verschlechterte Image von Sachsen und Dresden abgeblasen hätten. „Viele Unternehmen investieren langfristig hier und dies vor allem, weil die Standortbedingungen gut sind.“ Allerdings dürfe man die jüngeren Image-Probleme von Ostsachsen auch nicht kleinreden: Vor allem Dresden müsse an seinem Ruf arbeiten, um die touristischen Einbußen auszubügeln.

Insgesamt aber werde sich die Konjunktur im Freistaat im kommenden Jahr tatsächlich abkühlen, prognostizieren Ragnitz und seine ifo-Kollegen: Statt mit 1,7 Prozent wie in diesem Jahr rechnen sie für 2017 mit nur noch 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum in Sachsen. Zum Vergleich: Die gesamte ostdeutsche Wirtschaft wird demnach mit einer Rate von 1,3 Prozent leicht unter dem Sachsen-Wert liegen, Deutschland insgesamt mit 1,5 Prozent leicht darüber. Auch die Impulse am Arbeitsmarkt werden sich laut ifo-Dresden-Prognose abschwächen: Legte die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen in diesem Jahr um etwa ein Prozent zu, ist für 2017 nur noch mit einem zarten Plus von 0,6 Prozent zu rechnen.

Verantwortlich für diese abflauende Konjunktur sind aber nicht so sehr lokale Effekte wie der Zorn vieler Auswärtiger über Pegida und fremdenfeindliche Vorkommnisse in Ostsachsen. Vereinfacht gesagt, ziehen vor allem der Populist Donald Trump, der Brexit des Vereinigten Königreichs aus der EU, die Lage in Italien und andere weltpolitische Entwicklungen Sachsen mit „herunter“.

Dabei spielt Psychologie eine große Rolle: Viele Unternehmer sind unsicher, welche Politik der neue US-Präsident einschlägt, wie es mit EU und Euro weitergeht. Sie zögern daher, in ihre Fabriken zu investieren. Dies aber bremst die sächsische Industrie aus. Denn die ist – für ostdeutsche Maßstäbe – recht stark darin, Investitionsgüter herzustellen.

Insbesondere die Brexit-Sorgen müsse man auch ernst nehmen, meint Ragnitz: „In Sachsen wird zwar immer viel erzählt, wie sehr uns das Russland-Embargo schade. Aber das sind nur 2,4 Prozent aller sächsischen Ausfuhren.“ Dagegen sei Großbritannien mit einem Anteil von 5,7 Prozent eines der wichtigsten Zielländer für sächsische Exporte, vor allem der Automobilindustrie.

Der wiederum trauen die ifo-Ökonomen nun wieder stützende Effekte für die sächsische Wirtschaft zu: Hatte die Automobil-Branche im Freistaat in diesem Jahr vor allem durch das Embargo von VW-Zulieferern und durch den Abgas-Skandals zeitweise dramatische Umsatzeinbußen hinnehmen müssen (Juni 2016: minus 44 % zum Vorjahresmonat!), schätzt Ragnitz die Aussichten für 2017 eher optimistisch ein. Nicht zuletzt auch die hohen Investitionen von Daimler in das Batteriewerk in Kamenz und der Neustart für die VW-Manufaktur in Dresden werden seiner Meinung nach bald die Autobranche und damit auch große Teile der Nachbarindustrien in Sachsen beleben.

Auf Talfahrt war 2016 auch die sächsische Mikroelektronik, die vor allem im Dresden konzentriert ist: Fast jeder zehnte Euro Umsatz ging bis zum Herbst in der Chipbranche im Freistaat verloren. Wie es hier weitergeht, ist noch schwer abzuschätzen.

Derweil hält Ragnitz aber die weitverbreitete Schwarzmalerei über die Zukunft der Lausitz für überzogen: Zwar sei absehbar, dass die Braunkohle-Verstromung in naher Zukunft begrenzt werde – mit negativen Wirkungen für die Tagebaue und Kraftwerke in der Region. Dies werde indes die brandenburgische Lausitz viel härter treffen als die sächsische: „Die Wirtschaft in der südlichen Lausitz hat sich inzwischen gut diversifiziert und nach Dresden ausgerichtet“, sagte Ragnitz. „Deshalb bin ich für die sächsische Lausitz gar nicht so pessimistisch.“

Von Heiko Weckbrodt

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