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Asiatischer Fleiß und deutsche Präzision: Orgelbaumeister Sang Ook No

Lebensläufe Asiatischer Fleiß und deutsche Präzision: Orgelbaumeister Sang Ook No

Ein junger Koreaner reist um die halbe Welt, um in Deutschland den Beruf des Orgelbauers zu erlernen. Inzwischen hat er sogar den Meisterbrief. Noch denkt er nicht an Rückkehr in die alte Heimat.

Der Koreaner Sang Ook No sitzt in Bautzen (Sachsen) in der Firma Hermann Eule Orgelbau an seiner selbstgebauten Hausorgel.

Quelle: dpa

Bautzen/Seoul. In sein erstes Meisterinstrument hat der Koreaner Sang Ook No die Namen seiner Frau und der beiden Söhne eingravieren lassen. No ist Orgelbauer, erst seit wenigen Tagen hat er seinen Meisterbrief in der Tasche. Die Prüfung bestand er mit Bravour, verkaufen will er sein Meisterstück nicht.

Später sollen seine Söhne einmal auf der Hausorgel spielen. Sie werden in diesem Jahr sieben und acht Jahre alt und bekommen bereits Klavierunterricht - aber nicht vom Vater. Denn: No räumt ein, gar nicht richtig spielen zu können, vielleicht ist dies aber auch nur asiatische Bescheidenheit.

In seiner Heimat Südkorea hat der heute 40-Jährige den Beruf eines Klavierstimmers gelernt, zur Orgel kam er eher durch Zufall. Während seiner Armeezeit spielte er in einer Militärkapelle Saxofon und Klarinette. „Da waren Hobbymusiker und Profis dabei. Einer hatte Kirchenmusik studiert, auch in Deutschland. Er hat mich auf die Idee gebracht, Orgelbauer zu werden“, erzählt Sang Ook No.

Als er 2004 ankam, konnte er kaum ein Wort Deutsch. „Er wusste nur, dass er in die Wilthener Straße 6 muss“, erzählt Anne-Christin Eule, Geschäftsführerin der in Bautzen ansässigen Firma Hermann Eule Orgelbau. Von Anfang an habe auch die Überlegung eine Rolle gespielt, dass ein Mitarbeiter mit asiatischen Wurzeln beim Gang auf einen überaus lukrativen Markt nützlich sein könnte, räumt die Chefin ein. Nirgendwo auf der Welt würden so viele Konzertsäle gebaut wie in Asien, nirgendwo entstünden so viele Musikschulen wie dort.

„Sie bauen Kirchen mit 14.000 Sitzplätzen, das ist für uns gar nicht vorstellbar.“ Deshalb sei es nur folgerichtig, die Fühler auch in diese Richtung auszustrecken. Nach China hat Eule im vergangenen Jahr bereits ein Instrument geliefert. Jetzt hofft man auf neue Aufträge.

Wenn man sich bei Kollegen nach Sang Ook No erkundigt, loben sie ihn in den höchsten Tönen. „Zuverlässig, freundlich, akribisch, detailgenau“, zählt Tischlermeister Markus Mihan Eigenschaften auf und fasst sie als „typisch asiatisch“ zusammen. No vollbringe handwerkliche Höchstleistungen.

Bei Anne-Christin Eule klingt es nicht viel anders: „Er ist unheimlich fleißig, extrem bescheiden und arbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Die Chefin lobt auch die menschliche Seite des Koreaners und seine große Hilfsbereitschaft: „Deshalb genießt er Respekt und Anerkennung im Kollegenkreis.“

Für No liegt die Faszination einer Orgel gar nicht so sehr in den technischen Feinheiten. „Es sind eher die klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes, all die Klangfarben, die man beim Spiel mischen kann“, sagt der Meister. Ein vergleichbares Instrument gebe es in der traditionellen koreanischen Musik nicht.

Dort seien bei den angeblasenen Instrumenten eher Flöten populär. Die Komplimente der Kollegen gibt der Koreaner gern zurück: „Was ich hier gelernt habe, ist auch Pünktlichkeit. Das ist bei uns ein wenig anders.“ An irgendwelche negativen Erlebnisse kann er sich nicht erinnern.

Vielleicht ist das aber auch nur asiatische Höflichkeit. Klar, sagt Sang Ook No, an das deutsche Essen habe er sich erst gewöhnen müssen. Inzwischen gebe es aber sogar eine Leibspeise: Kartoffelsalat mit Würstchen oder Knacker. Ganz ohne einheimische Kost kommt Familie No freilich nicht aus: Der Chinakohl wird ganz wie zu Hause zu Kimchi verarbeitet. Einige der Zutaten lässt sich Familie No aus der alten Heimat schicken, andere kauft sie in der neuen dazu. „Schmeckt nicht ganz so wie zu Hause, aber fast.“ Ein koreanisches Restaurant gibt es im Wohnort Kleinwelka nicht.

Möglicherweise ist das nicht das einzige, auf das Sang Ook No in Sachsen verzichten muss. Anne-Christin Eule wäre froh, wenn er noch möglichst lange in ihrem Unternehmen bliebe. Ein paar Jahre sollen es auf jeden Fall sein, sagt der frischgebackene Meister: „Ich möchte dem Unternehmen etwas zurückgeben.“ No ist sich sicher, dass Eule in Zukunft Instrumente für Südkorea bauen wird. „Auch wenn es bislang noch nicht geklappt hat. Irgendwann geht auch diese Tür auf.“

Von Jürg Schurig, dpa

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