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Mitteldeutschland Am Anfang stand ein „Favorit“
Region Mitteldeutschland Am Anfang stand ein „Favorit“
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06:00 26.07.2018
Vor 25 Jahren startet der Teilauto-Carsharing-Verein mit einem Skoda „Favorit“ und zwei Dutzend Mitgliedern. Heute hat die GmbH 33 000 Nutzer. Quelle: Falk Wenzel
Leipzig

33 000 Mitglieder, 970 Fahrzeuge, 540 Stationen, 18 Städte in drei Bundesländern – zum 25. Geburtstag kann das mitteldeutsche Carsharing-Unternehmen Teilauto auf eine beeindruckende Bilanz verweisen. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte vor einem Vierteljahrhundert praktisch in einer Garage.

Das erste Objekt der (fahrenden) Begierde war Weinrot. „Ein ,Skoda Favorit’“, wie sich der Hallenser Achim Haufe erinnert, der sich im Häuflein von knapp einem Dutzend Gleichgesinnter als erster ehrenamtlicher Autochef im eigens dazu gegründeten Verein engagierte. „Ich hatte einfach nie Lust, mich um ein eigenes Auto mit all dem Versicherungskram, notwendigen Werkstattbesuchen und laufenden Kosten zu kümmern“, schildert Haufe einen seiner Beweggründe, sich mit anderen Nutzern Autos zu teilen.

Zweimal jährlich in die Werkstatt

Für die Gemeinschaft kümmerte er sich indes gern um das eher hausbacken daherkommende Automobil. „Das war eine sinnvolle Sache und der Aufwand überschaubar“, so der 62-Jährige mit der Mitgliedsnummer 18. Zweimal jährlich in die Werkstatt, Luftdruck und Öl prüfen, den Verbandskasten kontrollieren – das war’s. Heute genieße er den Luxus, auf viele verschiedene Modelle zurückgreifen zu können und sich um nichts mehr kümmern zu müssen.

Die spannende Anfangszeit mit 500 D-Mark Einlage pro Kopf (heute nicht mehr fällig) und ohne Angestellte ist längst passé, aktuell nutzen „allein in Leipzig 13 000 sowie in Dresden 10 000 Privat- und Geschäftskunden unsere Fahrzeuge“, weiß Michael Creutzer, seit der Umwandlung des Vereins in eine GmbH einer von zwei Geschäftsführern. Allein in den letzten fünf Jahren habe es eine Verdoppelung der Mitgliederanzahl gegeben. Mit aktuell 20 festen Mitarbeitern erwirtschafte das Unternehmen einen Jahresumsatz von etwa 9,8 Millionen Euro. Mitteldeutsches Carsharing in absehbarer Zeit also flächendeckend? „Nein, in Städten unter 100 000 Einwohnern ist es schwierig und dort oft nur über Partnervereine zu organisieren“, erläutert der Leipziger. 21 Autos benötige man in einer Stadt, damit sich die Teilerei rentiere.

Der Hallenser Achim Haufe ist Gründungsmitglied von Teilauto und war der erste ehrenamtliche Autochef. Quelle: Martin Pelzl

Haufe, der Autochef der ersten Stunde, hat zusammengezählt, was er in den vergangenen 25 Jahren verfahren hat: „Rund 30 000 Euro, wobei ich ein eher sporadischer Nutzer bin.“ Schmunzelnd erinnert er sich, dass es in der Anfangszeit sogar Lastenfahrräder, einen Camptourist (ausklappbares Wohnzelt auf Rädern), diverse Anhänger und sogar ein Teilauto-Mobiltelefon zur Leihe gegeben hat. „Und einmal konnte ich es mir nicht verkneifen, das damals verfügbare Rover-M 6-Cabrio auszuleihen und einfach mal nur eine Spritztour durchs Saaletal zu unternehmen, um in Wettin einen Kaffee zu trinken“, erzählt er. Wichtig ist Haufe als Bootsbesitzer stets das Thema Anhängerkupplung.

Alles in allem also eine Erfolgsgeschichte? „Ja, absolut. Ein großer Schachzug war die Kooperation mit der Deutschen Bahn und deren Carsharing-Angeboten, so dass jedes Mitglied auch in anderen Städten mobil ist und deutschlandweit rund 4000 Autos nutzen kann“, so der technische Leiter des halleschen Händel-Hauses. Hinzu komme, dass man schon sehr zeitig auf moderne wie einfache Zugangstechnik zu den Fahrzeugen per Chipkarte sowie auf die Möglichkeit der Internetbuchung gesetzt habe und seit Jahren mit den Studentenräten zusammenarbeite.

So funktioniert’s

Neue Kunden können sich im Internet oder telefonisch anmelden.

Einmalig ist ein Startpreis von 25 Euro zu zahlen. Die Kaution von 100 Euro gibt’s beim Austritt zurück.

Drei Monatstarife stehen zur Verfügung – Start, Normal und Vielfahrer. Sie kosten 0, 9 oder 30 Euro, der kombinierte Zeit-Kilometer-Preis richtet sich danach. Optional gibt es ein Sicherheitspaket (90 Euro/Jahr).

Die Buchung der Fahrzeuge – nur für eine Stunde oder für mehrere Tage – erfolgt per Internet, App oder telefonisch. Der Bordcomputer erfasst Zeit und gefahrene Kilometer. Das betreffende Auto kann per App oder Kundenkarte geöffnet werden.

Getankt werden muss nur, wenn die Anzeige weniger als ein Viertel ausweist. Dafür gibt es im Auto eine Tankkarte fürs bargeldlose Bezahlen.

www.teilauto.net; 0345 445000

Von Martin Pelzl

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