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Mitteldeutschland Aids-Neuinfektionen in Sachsen auf hohem Niveau
Region Mitteldeutschland Aids-Neuinfektionen in Sachsen auf hohem Niveau
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09:29 16.08.2017
Die rote Schleife ist das Zeichen für die Unterstützung von HIV-Infizierten und Aids-Kranken. Quelle: dpa
Leipzig

Keine Entwarnung bei Aids und HIV in Sachsen: Trotz Rückgangs liegt die Zahl der HIV-Neuinfektionen mit dem Immunschwächevirus weiter auf hohem Niveau. Im Vorjahr wurden im Freistaat 145 Neuerkrankungen gemeldet – weniger als im Jahr davor mit dem bisherigen Höchstwert von 190 Neuinfektionen und auch weniger als 2014 (168), aber über dem Wert von 2013 (139). Das geht aus Zahlen der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen in Dresden hervor. Sachsen liegt damit im nationalen Trend. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin haben sich im Vorjahr bundesweit 3415 Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Ein Jahr davor waren es 3694.

Laut RKI-Angaben hat Deutschland im internationalen Vergleich mit 4,2 Neu-Diagnosen pro 100 000 Einwohner relativ niedrige HIV-Raten. Sachsen liegt mit einem Wert von 3,6 etwas darunter. Nach Schätzungen des Instituts leben in der Bundesrepublik 84 700 Personen mit HIV/Aids, in Sachsen sind es 2200. Seit Ausbruch der Epidemie bis Ende 2015 starben bundesweit 28100 Infizierte, in Sachsen 160.

Zuletzt sei es gelungen, die Therapie für HIV-Infizierte weiter zu verbessern, sodass inzwischen bei vielen der Ausbruch von Aids verhindert werden könne, hieß es. Das sei allerdings der Grund dafür, dass HIV weniger als Bedrohung wahrgenommen werde als früher, was leider zu einem sorgloserem Verhalten führe. Nach einem ungeschützten Risikokontakt wird geraten, möglichst bald den HIV-Status prüfen zu lassen. Dies ist nicht nur wichtig, um rechtzeitig mit der Therapie beginnen zu können. Die fehlende Kenntnis des HIV-Status ist auch ein wesentlicher Grund für die Ausbreitung der Infektion. Das RKI schätzt, dass 12 600 Deutsche noch nichts von ihrer Infektion wissen und nicht behandelt werden.

„Auch wenn HIV und Aids kein Todesurteil mehr ist, die Krankheit muss weiter im öffentlichen Bewusstsein bleiben“, sagt Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). „Wir müssen weiter aufklären und unsere Anstrengungen im Bereich Prävention, Diagnostik und Therapie fortsetzen.“ Das Sozialministerium unterstütze daher auch weiterhin die vier sächsischen Aids-Hilfen mit 375 000 Euro für die psycho­sozialen Beratungsstellen und ihre Projekte. „Dazu kommen noch 55 000 Euro für Präventionsprojekte der Gesundheitsämter“, so Klepsch weiter.

In Sachsen entfallen weiterhin die meisten Erstdiagnosen auf die Städte Leipzig und Dresden. Ostdeutschlandweit gilt Leipzig nach Berlin als HIV-Hochburg. In der Stadt mit ihrer ausgeprägten Schwulenszene registrierte man im Vorjahr ein Drittel aller Neuinfektionen, in Dresden 24,1 Prozent und in Chemnitz 16,6 Prozent. Zwei Drittel der Infektionen entfielen auf Männer, die Sex mit Männern haben. Auf heterosexuellem Weg infizierten sich 16,1 Prozent der Männer und Frauen (ein leichter Anstieg zum Jahr davor). Durch intravenösen Drogenkonsum kam es in 3,1 Prozent der Fälle zur Ansteckung. Im Zeitraum von 2001 bis 2016 waren ­87 Prozent der HIV-positiv Getesteten Männer.

Stark zurückgegangen ist die Routinetestung von Asylbewerbern bei Erst­aufnahme-Untersuchungen, teilt Mi­nisterin Klepsch mit. Und zwar um 60 Prozent. Laut neuer Verwaltungsvorschrift werden nicht mehr alle Asylbewerber auf HIV hin untersucht, sondern nur noch risiko­bezogen mit angepasster Beratung vor dem Test und bei der Befundaus­wertung.

Von Andreas Dunte

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