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Mitteldeutschland Achtung, Ausflügler: Der 1. Mai ist Großkampftag in der Unfallchirurgie
Region Mitteldeutschland Achtung, Ausflügler: Der 1. Mai ist Großkampftag in der Unfallchirurgie
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23:34 09.09.2015

Die Daten stammen aus dem Trauma-Register der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Die Unfallforschung der Versicherer beziffert den Anteil von Schwerstverletzten an den in der Unfallstatistik aufgeführten Schwerverletzten auf zehn Prozent.

Uni-Statistiker Rolf Lefering erklärt sich das so: "Unsere Vermutung ist, dass da mehrere Faktoren zusammenkommen: Der 1. Mai ist ein bundesweiter Feiertag. Da verabreden sich viele." Außerdem passierten an Wochenenden ohnehin mehr Unfälle als in der Woche, im Sommer etwa doppelt so viele wie im Winter. Lefering weiter: "Dazu kommen die vielen Motorradfahrer, die in die Saison starten. Und in der Gruppe verhält man sich anders, als wenn man allein unterwegs ist." Vielleicht spiele auch Alkohol am Tag nach der Walpurgisnacht eine Rolle. Darüber aber könne nur gemutmaßt werden.

Unter den Top Ten ist auch der Tag der Deutschen Einheit, der 3. Oktober. Christi Himmelfahrt und Ostern dagegen, deren Daten wechseln, waren in der Untersuchung in der Unfallhäufigkeit zwar auch erhöht, aber längst nicht so stark. Nachmittags zwischen 17 und 19 Uhr passieren doppelt so viele Unfälle wie morgens. Und in den Nächten zum Sonnabend und zum Sonntag ereigneten sich nach Partys und Diskothekenbesuchen wiederum dreimal so viele Unfälle wie an den übrigen Tagen.

Am sichersten auf Deutschlands Straßen ist es zwischen Weihnachten und Neujahr. Am 28. Dezember passieren die wenigsten Unfälle, gefolgt vom 25. und 26. Dezember. Nur ein Viertel im Vergleich zu den Spitzentagen. "An diesen Tagen haben viele Urlaub, sind zu Hause oder haben die Familie an Bord", so Lefering. In Unfälle werden vor allem Männer verwickelt - 70 Prozent gegenüber 30 Prozent Frauen. "Paradoxerweise ist das schon so bei Unfallopfern ab einem Alter von drei bis vier Jahren. Das gleicht sich erst mit 75 bis 80 an, weil es dann mehr Frauen als Männer gibt." Dieser Trend wird auch in Australien, den USA, Kanada oder Großbritannien beobachtet.Die Unfallzahlen schnellen ab 16 Jahren in die Höhe, wenn der Moped-Schein gemacht werden kann, dann noch einmal ab 18 mit dem Autoführerschein und mit 23 bis 25 gehen sie wieder zurück.

Wie kann man sich nun aber am 1. Mai schützen? Lefering rät: "Wenn man relativ ungeschützt als Fußgänger, Fahrradfahrer oder Motorradfahrer unterwegs ist, muss man immer damit rechnen, dass andere einen nicht rechtzeitig erkennen. Dieses Bewusstsein hilft vielleicht, die eine oder andere kritische Situation zu entschärfen." Der Automobilclub von Europa (ACE) appelliert in diesem Zusammenhang an die Verkehrsteilnehmer, "überbordenden Frühlingsgefühlen nicht durch den verstärkten Druck auf Gaspedal oder Gasgriff Ausdruck zu verleihen". Ein Helm für Zweiradfahrer könne zudem helfen, Schädelbrüche und Hirnverletzungen zu verhüten oder wenigstens deren Folgen zu mindern.

Wenn jemand dann aber doch am 1. Mai verunglückt, gibt es von Unfallforscher Lefering zumindest einen kleinen Trost. "Wir haben herausgefunden, dass es egal ist, ob man nachmittags oder nachts ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Behandlung ist genauso gut wie vormittags oder mittags." Notfallambulanzen seien in der Regel auf solche Anstiege vorbereitet. "Wir haben zum Glück ein hochentwickeltes Rettungssystem in Deutschland."

Die mitteldeutschen Krankenhäuser werden am 1. Mai tatsächlich nicht in Panik verfallen. Ein Sprecher des Leipziger Klinikums St. Georg versichert: "Wir halten unserem Versorgungsauftrag entsprechend 24 Stunden an 365 Tagen die Möglichkeiten für die Parallelversorgung von zwei Schwerverletzten vor." Schwerpunkttage seien aber eher Himmelfahrt und Silvester.

Aus dem Dresdner Uniklinikum Carl Gustav Carus verlautet, dass am 1. Mai zwar schon mehr Patienten registriert, jedoch die Gründe für eine Aufnahme in die Notaufnahme nicht dokumentiert würden.

Das Leipziger Uniklinikum verzeichnet am 1. Mai nach eigenen Angaben in der Regel ein leicht erhöhtes Patientenaufkommen in der Zentralen Notaufnahme, das zwischen 11 und 17 Prozent liege. Dies sei aber auch an anderen Feiertagen sowie nach einem Wintereinbruch oder bei Glatteis der Fall, so eine Sprecherin.

Die durchschnittliche Zahl der Patienten am 1. Mai entspreche in etwa einem Wochenendtag im Sommer, heißt es aus dem Klinikum Chemnitz. Aus diesem Grund sei die Besetzung auf zwei Unfallchirurgen über 24 Stunden in der Zentralen Notaufnahme erhöht, so der Chefarzt der Orthopädie, Unfall- und Gelenkchirurgie des Klinikums, Ludwig Schütz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2015

Roland Herold

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