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Mitteldeutschland 25 000 Burgen? Ein Verein zählt nach
Region Mitteldeutschland 25 000 Burgen? Ein Verein zählt nach
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09:30 22.01.2018
Deutschland ist reich an Burgen und Schlössern. Zu den bekanntesten im Osten zählt das Dresdner Schloss Pillnitz Quelle: dpa

Wie viele Burgen hat Deutschland? Wo steht der höchste Bergfried? Welche ist die älteste Burg? Die Angaben darüber gehen auseinander. Das Europäische Burgen-Institut (EBI) will das ändern. Die Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung (DBV) in Braubach bei Koblenz zählt mittelalterliche Wehrbauten in der frei zugänglichen Internet-Datenbank EBIDAT.

„Die bekannten Burgen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Saarland sind schon vollständig erfasst“, sagt EBI-Leiter Reinhard Friedrich. „Auch in Niedersachsen sind wir fast fertig.“ Wegen der langwierigen Finanzierung und des begrenzten Personals werde es aber wohl noch zehn Jahre dauern, bis alle bekannten Burgen in Deutschland gezählt seien. Schätzungen gehen von 25 000 aus.

Für Sachsen gehen die Historiker Heins Müller und Gerhard Billig (Autoren des vielbeachteten Buchs „Burgen: Zeugen sächsischer Geschichte“) von 821 sicher nachweisbaren Anlagen aus, darunter etwa 150 Wehranlagen, die als „castrum, munitio, sloss, Feste“ oder „hus“ direkt historisch erwähnt sind. Über 90 Objekte gelten als touristisch interessant. Die bekanntesten sind sicher die Albrechtsburg Meißen, der Dresdner Zwinger, die Moritzburg im Landkreis Meißen, Burg Kriebstein und Schloss Rochlitz im Landkreis Mittelsachsen, Pillnitz in Dresden, Schloss Wildeck in Zschopau (Erzgebirgskreis) oder das Barockschloss Rammenau im Landkreis Bautzen. Wundervolle Anlagen sind zudem auch Schloss Weesenstein im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge oder Schloss Nossen im Landkreis Meißen. Mitteldeutschland ist generell reich an weithin bekannten Schlössern und Burgen. Allen voran zu nennen sind die Wartburg in Eisenach, das Wittenberger Schloss oder die Burg Querfurt.

Mittelalterliche Burgen sind heute als Ausflugsziele, Hochzeitsstätten, Hotels und Restaurants beliebt. Als Kulturzeugnisse fallen Burgen in die Hoheit der Bundesländer. Diese führen eigene digitale Statistiken. DBV-Ehrenpräsident Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn sagt zur Datenbank EBIDAT: „Unser Vorteil war, dass wir uns gleich bundesweit ausgerichtet hatten und damit konzeptionell überlegen waren.“

Zwar gibt es längst andere deutschlandweite Burgenlisten im Internet. Laut EBI-Chef Friedrich werden sie auch oft mit viel Herzblut erstellt. Aber es fehle ihnen die flächendeckende wissenschaftliche Basis. Bei EBIDAT dagegen erfassen nach seinen Worten fachlich geschulte Bearbeiter mit einem Formblatt zahlreiche Daten zu jeder Burg. Sie müssen diese Wehrbauten auch von meist später gebauten Schlössern und Festungen abgrenzen.

In der Philippsburg, dem Sitz des EBI in Braubach nahe dem Rhein, durchläuft alles eine kritische Schlussredaktion. Ihr Historiker Jens Friedhoff erklärt: „Wir überprüfen die Fachliteratur zu den Burgen. Wir wollen auch eine einheitliche Linie bei den Einträgen bekommen.“ Hilfreich ist in der Philippsburg dafür die laut Friedrich vermutlich weltweit größte Burgenfachbibliothek mit fast 40 000 Bänden.

Ort, Datierung, Burgentyp, Funktion, Besitz- und Baugeschichte, Bausubstanz, Grundriss, Fotos, heutige Nutzung, Zugänglichkeit, Öffnungszeiten, wissenschaftliche Nachweise – all dies erfassen Experten wie zum Beispiel Doktoranden der Geschichte und Archäologie. Sie knöpfen sich einen Landkreis nach dem anderen vor.

Zahlreiche Burgen in EBIDAT sind längst „abgegangen“, wie die Experten sagen – also verschwunden. In Literatur und Quellen finden sich aber noch Belege. Ein Beispiel ist laut Friedrich die Burg Worringen bei Köln, die 1288 eine Schlacht ausgelöst und noch im selben Jahr ihre Zerstörung erlebt hat. Heute ist nicht einmal ihr genauer Standort bekannt. Der EBI-Chef schätzt, dass bundesweit 20 Prozent der Burgen noch „unter Dach“ sind und 40 Prozent als Ruinen überlebt haben. Die restlichen 40 Prozent seien nur als „Bodendenkmal“ in ihren Fundamenten erhalten – oder verschwunden. Der Historiker Friedhoff erläutert: „Oft war die Unterhaltung zu teuer. Viele Burgen sind aufgegeben oder auf Abbruch versteigert worden.“

In Hessen fehlten den Forschern nur noch sechs Landkreise. In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen laufe derzeit die Erfassung. Geld dafür stammt zum Beispiel von Stiftungen und aus dem EU-Kulturprogramm. „Pro Landkreis reichen etwa 2000 bis 5000 Euro“, heißt es.

Von Jens Albes

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