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Eine Woche Mama, eine Woche Papa

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Im Jahr 2015 waren über 130 000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Bezieht man die unverheirateter Eltern mit ein, liegt die Zahl betroffener Kinder noch weitaus höher. Durch eine Trennung bzw. Scheidung mögen die Erwachsenen getrennte Wege gehen – Eltern bleiben sie ein Leben lang.

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Quelle: Archiv

Dresden. Etwa die Hälfte aller Ehescheidungen betrifft minderjährige Kinder. Im Jahr 2015 waren über 130 000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Bezieht man die unverheirateter Eltern mit ein, liegt die Zahl von einer Trennung betroffener Kinder noch weitaus höher. Durch eine Trennung bzw. Scheidung mögen die Erwachsenen als Paar nicht mehr funktionieren und getrennte Wege gehen – Eltern bleiben sie ein Leben lang.

Das typische Modell zur Betreuung der Kinder nach einer Trennung – das Kind lebt bei dem einen Elternteil und besucht den anderen Elternteil jedes zweite Wochenende – entspricht häufig nicht mehr dem zunehmenden Wunsch des nicht hauptsächlich betreuenden Elternteils, mehr Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Vermehrt wünschen sich die „Wochenendeltern“ eine Betreuung und Erziehung zu annähernd gleichen Teilen – das sogenannte Wechselmodell.

Bis vor kurzem war sich die Rechtsprechung uneinig, ob das Wechselmodell gerichtlich angeordnet werden kann, wenn dies einer der Elternteile ablehnt. Nunmehr hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann. Voraussetzung ist jedoch, dass dies dem Kindeswohl im konkreten Fall im Vergleich zu anderen Betreuungsmodellen am besten entspricht.

RAin Katrin Pursian-Woorth

RAin Katrin Pursian-Woorth

Quelle: Archiv

Aus der Perspektive der Erwachsenen mag das Wechselmodell einleuchtend sein. Die Eltern müssen sich jedoch bewusst sein, dass das Kind in diesem Fall auf längere Sicht zwischen zwei Lebensmittelpunkten pendelt. Die Anforderungen an das Kind sind entsprechend hoch, wenn es sich jede Woche auf einen anderen Haushalt einstellen muss. Viele Eltern können es sich für sich selbst nicht vorstellen, verlangen dies aber von ihrem Kind. Zwischen den Eltern besteht erhöhter Abstimmungs- und Kooperationsbedarf, was geeignete äußere Rahmenbedingungen, zum Beispiel eine gewisse Nähe der elterlichen Haushalte und die Erreichbarkeit von Schule und Betreuungsreinrichtungen, aber auch eine entsprechende Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit der Eltern voraussetzt. Beide Eltern sollten hinreichende Erziehungskompetenzen aufweisen und erkannt haben, dass eine kontinuierliche und verlässliche Kindererziehung der elterlichen Kooperation und eines Grundkonsens in wesentlichen Erziehungsfragen bedarf.

Entsprechend hat der Bundesgerichtshof klargestellt, dass das Wechselmodell bei bestehender hoher elterlicher Konfliktbelastung in der Regel nicht dem Kindeswohl entspricht, da das Kind durch vermehrte oder ausgedehnte Kontakte mit dem anderen Elternteil verstärkt mit dem elterlichen Streit konfrontiert wird und gegebenenfalls vermehrt in Loyalitätskonflikte gerät. In diesen Fällen scheint auch die Anordnung des Wechselmodells nicht geeignet, die im Konflikt belasteten Eltern dadurch zu einem harmonischen Zusammenwirken in der Betreuung und Erziehung des Kindes zu veranlassen.

Nur in Fällen, in denen die Eltern in der Lage sind, ihren persönlichen Konflikt von der gemeinsamen Wahrnehmung ihrer Elternrolle gegenüber dem Kind zu trennen und dieses von ihrem Streit zu verschonen, vermag das Wechselmodell auch zum Wohl des Kindes gelingen.

Verbreitet ist zudem die Auffassung, bei einem Wechselmodell bestünden keine Ansprüche auf Zahlung von Kindesunterhalt. Für viele Eltern mag dies ein ausschlaggebender Punkt in der Entscheidung sein, das Wohl ihres Kindes im Hinblick auf die Entscheidung zur Betreuung nach einer Trennung vom Partner aus dem Blick zu verlieren. Bei unterschiedlichen Einkommensverhältnissen kann nach der Rechtsprechung aber gleichwohl ein Anspruch auf Zahlung eines (wenn auch geringeren) Kindesunterhalts bestehen. Zu beachten ist hier immer, dass in diesem Fall beide Eltern einen erhöhten Mehraufwand durch die Betreuung zu gleichen Teilen haben.

Sollten Sie vor der Entscheidung stehen, welches Betreuungsmodell für Ihr Kind nach der Trennung von dem anderen Elternteil das Beste ist, verlieren Sie ihr Kind nicht aus dem Blick. Machen Sie die Betreuung nicht vom gegebenenfalls zu zahlenden Unterhalt abhängig und seien Sie ehrlich zu sich selbst: Können Sie die Betreuung absichern, können Sie konfliktfrei mit dem anderen Elternteil kommunizieren oder bei Konflikten diese zumindest vom Kind fernhalten?

Wünschen Sie eine Beratung oder benötigen Sie Unterstützung bei der Suche nach einem in Ihre Lebenssituation für alle Beteiligten passenden Betreuungsmodell, stehen Ihnen die Fachanwälte unserer Kanzlei gern zur Verfügung.

RAin Katrin Pursian-Woorth

Fachanwältin für Familienrecht

Rechtsanwälte Meyer-Götz, Oertel & Kollegen

Königstr. 5 a, 01097 Dresden

Tel.: 0351/808180

Fax: 0351/8081820

info@meyer-goetz-oertel.de

www.meyer-goetz-oertel.de

Von Rechtsanwältin Katrin Pursian-Woorth

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