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„Bewegung ist für mich Lebensqualität“ – Heike Drechsler im Interview

Auf Stippvisite in Dresden „Bewegung ist für mich Lebensqualität“ – Heike Drechsler im Interview

Weltmeisterin im Weitsprung mit 18 Jahren, zahlreiche Goldmedaillen und zweifache Olympiasiegerin: Heike Drechsler ist eine der berühmtesten deutschen Leichtathletinnen. Heute ist sie Gesundheitsbotschafterin der Barmer Gesundheitskasse und als Referentin für Sport, Ernährung und betriebliches Gesundheitsmanagement unterwegs. Wir haben sie in Dresden getroffen.

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Heike Drechsler ist eine der berühmtesten deutschen Leichtathletinnen.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Weltmeisterin im Weitsprung mit 18 Jahren, zahlreiche Goldmedaillen und zweifache Olympiasiegerin: Heike Drechsler ist eine der berühmtesten deutschen Leichtathletinnen. Heute ist die 52-Jährige Gesundheitsbotschafterin der Barmer Gesundheitskasse und als Referentin für Sport, Ernährung und betriebliches Gesundheitsmanagement unterwegs. Wir haben sie in Dresden getroffen.

Frage: Was verbindet Sie mit Dresden?

Heike Drechsler: Wer Kultur liebt und die Geschichte von Dresden, der muss einfach hier schon gewesen sein. Ich kenne Dresden natürlich von Anfang an aus der sportlichen Sicht: Im Steyer-Stadion hatten wir immer unsere großen Meisterschaften - das sind natürlich Erinnerungen, die mich mit Dresden verbinden.

Von der Spitzensportlerin zur Gesundheitsmanagerin: Worum geht es Ihnen dabei?

Das Thema Gesundheit ist in aller Munde. Mir geht es darum, zu vermitteln, dass man sich mit den einfachsten Mitteln gesund erhalten kann. Dazu gehört natürlich auch ein Stück Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation hat gesagt, dass sich Menschen allgemein zu wenig bewegen. 30 Minuten Bewegung am Tag reichen schon aus, um fit zu sein. Dabei geht es vor allem um die Alltagsbewegungen wie zum Beispiel Treppen steigen statt Fahrstuhl usw. Als Gesundheitsmanagerin und ehemalige Sportlerin möchte ich den Spaß an Bewegung vermitteln und Leute sensibilisieren, die noch nicht so richtig zum Sport gefunden haben und ihnen zeigen, welche Angebote es in der Region gibt. Ich begleite außerdem auch viele Gruppen in Laufworkshops.

Wie hat sich Ihr Alltag denn verändert?

Ich lebe das Thema Bewegung nach wie vor sehr aktiv. Ansonsten habe ich auch mal Büro-Alltag, das gehört dazu. Wenn man mit Vorträgen in die Firmen geht, muss man gut vorbereitet sein. Dann hat man natürlich auch Präsenz im Büro. Zudem bin ich deutschlandweit viel mit unseren Kampagnen der Barmer unterwegs. Eine Kampagne ist zum Beispiel“ Deutschland bewegt“ sich. Diese Aktion war im letzten Jahr eingebetet mit dem Tag der deutschen Einheit. Mein Ziel ist es mit meinen Erfahrungen als Sportlerin viele Menschen für das Thema Bewegung, Ernährung und Entspannung zu begeistern. Ich gebe Wissen weiter und berate - aber am Ende muss natürlich jeder selber zu diesen Thema aktiv werden. Man kann ja nix erzwingen.

Wie würden Sie einen Bewegungsmuffel zum Sport motivieren?

Als erstes sollte man sich Prioritäten setzen und überlegen: „Was ist wirklich wichtig für mich?“. Gesundheit sollte immer wichtig sein. Und zum Thema Gesundheit gehört einfach Bewegung. Wichtig ist es außerdem, etwas zu tun, was einem Spaß macht. Man kann sich Gleichgesinnte suchen und in einer Gruppe gemeinsam aktiv werden. So kommt etwas Regelmäßigkeit in die ganze Sache und der innere Schweinehund, kommt gar nicht erst an. Klar, der erste Schritt ist immer schwer... Wenn ich mal lange krank war, dann fällt es mir auch nicht leicht, wieder einzusteigen.

Sie haben also auch manchmal Schwierigkeiten, sich zu motivieren?

Ja, natürlich, nicht jeder Tag ist gleich, aber die Gruppen helfen mir dann meinen Rhythmus wieder zu finden.

Sie referieren auch zu den Themen Zeit-, Stress- und Krisenmanagement. Können Sie bei diesen Themen auch aus eigener Erfahrung schöpfen?

Ich denke, man sollte Stress von dieser negativen Ansichtsweise befreien. Denn Stress ist grundsätzlich etwas Positives. Ich glaube, wenn ich am Anlauf ohne Spannung gestanden hätte, wäre ich nie so weit gesprungen. Eine gewisse Aufregung gehört einfach dazu. Man muss nur darauf achten, das Anspannung und Entspannung immer im Gleichgewicht stehen. Sprich: Wenn man sehr aktive Tage hat, an denen man stark gefordert wird - dann braucht man zwischendurch Tage der Entspannung. Das kann auch aktive Erholung sein. Für mich ist es zum Beispiel immer sehr gut, wenn ich nach einem anstrengenden Tag in den Garten gehe. Ich liebe es, im Garten rumzubuddeln - das bringt mich runter auf ein normales Level. Jeder sollte etwas finden, bei dem er sich entspannen kann, Nichts ist schlimmer, als täglich Stress und Belastung ausgesetzt zu sein. Irgendwann reagiert der Körper und es kann zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Wir gehen ein paar Jahre zurück in die Vergangenheit: Wie haben Sie damals, auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere, Sport und Familienleben unter einen Hut bekommen?

Ich würde sagen, das war gutes Management. Es war nicht ganz so einfach, ich war in der Zeit nach der Wende noch im Studium - aber ich habe meine Familie sehr eng bei mir gehabt. Wir haben alles um den Kleinen drum herum organisiert. Meine damalige Schwiegermutter hatte den Kleinen in der Zeit, wenn ich auf dem Platz war. Sie war immer mit dabei, das war perfekt. Mein Trainer war mein Schwiegervater, es war also alles in der Familie organisiert. Ich glaube nicht, dass mein Sohn in irgendeiner Form einen Nachteil hatte. Auf dem Sportplatz waren meist auch andere Kinder dabei, er hat sich immer sehr wohl gefühlt. Jetzt ist er 27, hat seinen Master gemacht und ist im Berufsleben angekommen. Da hat man wohl auch etwas richtig gemacht in der Erziehung. Und sportlich ist er auch.

Schauen Sie manchmal ein wenig wehmütig zurück?

Ach, eigentlich nicht. Es freut mich natürlich, dass wir wieder sehr gute deutsche Springerinnen haben – aber es ist schön alles von der anderen Seite zu erleben. Man ist immer irgendwie dabei. Nach 27 Jahren Leistungssport - einem ständigen Auf und Ab - bin ich glücklich über meinen jetzigen Beruf als Gesundheitsbotschafterin der Barmer. Sie war immer ein Unterstützer und Förderer für mich, jetzt kann ich auch mal was zurück geben.

Was sind ihre persönlichen Tipps, sich gesund und fit zu halten?

Es ist ganz wichtig, sich die Lebensfreude zu erhalten. Die Dinge, die man tut, sollten auch Spaß machen. Ich habe zum Beispiel viel Spaß daran, mich auszuprobieren. Nach der Beendigung meiner Karriere bin ich zum Laufen gekommen. Klar, einen Marathon kann ich noch nicht mitlaufen - aber auf Strecken von, sagen wir mal, 10 bis 15 Kilometern fühle ich mich sehr wohl. Im Winter sind wir immer auf den Skiern unterwegs. Früher war das ja wegen der enormen Verletzungsgefahr für Leichtathleten verboten. Bewegung ist für mich ein Stück Lebensqualität. Wenn ich mich nicht bewegen kann, dann fühle ich mich nicht gut. Ich kann aber auch ganz toll entspannen, um zum Beispiel mal in die Semperoper zu gehen, ein Theater zu besuchen oder mal ein schönes Buch zu lesen.

Wo geht es denn für Sie in Zukunft hin – sowohl beruflich als auch persönlich?

Im Gesundheitsbereich entwickelt sich sehr viel, da muss man immer am Ball bleiben.Ich freue mich immer, wenn die Leute, die meine Kurse besuchen, auch beim Sport bleiben. Für mich persönlich: Ich möchte Sprachen lernen. Mein jetziger Freund ist Finne, das ist eine unheimliche Herausforderung, seine Sprache zu lernen.

Von Juliane Weigt

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