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Die neue Lust am Garten treibt Blüten - in Dresden gibt es jetzt schon 15 Gemeinschaftsgärten

Die neue Lust am Garten treibt Blüten - in Dresden gibt es jetzt schon 15 Gemeinschaftsgärten

Gemeinschaftsgärten sind ein weltweiter Trend. Auch Dresden hat er erfasst. 15 urbane Projekte auf zuvor ungenutzten kommunalen, aber auch privaten Grundstücken gibt es hier schon.

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Gesine Hildebrandt (l.) und Julia Mertens gehören zu den Gemeinschaftsgärtnern im "Kleinen Garten" Altstrehlen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Die Akteure sind überwiegend zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Erklärtes Ziel der meisten Initiativen ist jedoch, ein generationenübergreifendes Angebot zu machen. Nicht nur Kinder tummeln sich in den Gärten. Ausdrücklich sind auch die älteren Semester erwünscht, denn ihr Rat und ihre Erfahrung sind gefragt. Aber es herrscht Skepsis. Denn in den urbanen Gärten ist einiges anders.

Es gibt nicht die Ordnung eines Schrebergartens

"Es sind keine Schrebergärten und es gibt nicht die Ordnung eines Schrebergartens", bringt es Tobias Kaiser vom Ufer-Projekte Dresden e.V. auf den Punkt. Dieser Verein gründete 2011 den Bürgergarten Ecke Dürer-/Silbermannstraße - nach den Internationalen Gärten der zweite Gemeinschaftsgarten in Dresden. Heute gehören drei Gärten zum Ufer-Projekte-Verein. Zudem ist er Träger des Gartennetzwerkes, das alle Gemeinschaftsgarteninitiativen verknüpft, und Initiator des Bildungsprojektes "Seitentriebe". Tobias Kaiser macht ganz langsam einen Wandel im Denken der älteren Generation aus. "Wenn sie wirklich mal reingeschaut haben, finden sie es gar nicht so schlimm. Nähe braucht eben Zeit."

Einer der neuesten Gemeinschaftsgärten in Dresden ist der "Kleine Garten" in Altstrehlen am Kaitzbach. Seit Ende 2013 gärtnern dort junge Leute auf einem 800 Quadratmeter großen Grundstück, das in den vergangenen 20 Jahren einfach nur eines war: grün. Einige Pflanzen zeugten von einer früheren gärtnerischen Nutzung. Ansonsten wuchsen hier diverse Gehölze, Gräser und Kräuter so vor sich hin.

Do it yourself als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft

"Ich bin oft vorbei gelaufen und habe jedes Mal gedacht, wie schade es doch ist, dass dieses Stück Land niemand nutzt", erzählt Gesine Hildebrandt. Die Grafikdesignerin zog vor zwei Jahren von Hannover nach Dresden-Strehlen und liebäugelte mit einem Garten. "Ich komme vom Land, hatte Lust zu gärtnern, aber alleine einen Kleingarten zu bewirtschaften, das wäre mir zu viel gewesen", erzählt die 29-Jährige. "Das Prinzip der Stadtgärten gefiel mir gut." Beim Dresdner Umundu-Festival lernte Gesine Hildebrandt Gleichgesinnte aus ihrem Stadtteil kennen.

Gemeinsam nahm man Kontakt zur Immo Sax, dem Verwalter des privaten Grundstückes, auf. "Die waren super aufgeschlossen und wir haben uns ziemlich schnell geeinigt. Sie sparen sich den Gärtner, der immer die Wiese mähen muss, wir übernehmen die Grundsteuer und beackern das Land", freut sich die Grafikdesignerin. Organisatorisch ist der "Kleine Garten" unter das Dach des Ufer-Projekte e.V. geschlüpft.

Mittlerweile nutzen rund 30 Dresdner den "Kleinen Garten" in Altstrehlen. Zehn von ihnen gehören zum "harten Kern", die anderen kommen ab und zu. Dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr ist Gartenzeit. Ein fester Punkt in der Woche, wo man sich zwanglos trifft. Einmal monatlich findet ein Plenum statt, um die nächsten Projekte zu besprechen und gemeinsam anzupacken. Die ersten Beete und eine Kräuterspirale sind schon angelegt. Aus anderswo nicht mehr benötigten Schuppen wurde in mühevoller Handarbeit ein kleines Gerätehaus gezimmert. Bienenvölker haben hier ein Zuhause gefunden. Auch ein Gartenfest gab es schon. Als nächstes soll der verschlammte Brunnen auf dem Grundstück wieder in Gang gebracht und ein Beerenwald zur Befestigung des Uferbereiches des Kaitzbaches angelegt werden.

Doch woher kommt die neue Lust am Gärtnern - an dieser Art des Gärtnerns? "Ich glaube, es ist die Rückbesinnung auf die Natur. Die Leute wollen ihren Alltag entschleunigen. Und es gibt keinen Erfolgsdruck. Außerdem erfährt man eine Gemeinschaft, die viele heute nicht mehr haben. Es ist unheimlich einfach in unserer Gesellschaft allein zu sein", sagt Soziologiestudentin Julia. "Es hat auch was Politisches", ergänzt Gesine. "Die Rückbesinnung aufs Einfache. Do it yourself (Tu es selbst, die Red.) als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft. Es braucht kein Geld, um glücklich zu sein."

"Kleiner Garten" in Altstrehlen hofft auf viele Klicks beim Online-Voting

Ganz ohne Geld geht es aber dann doch nicht. Zum Beispiel, um den Brunnen wieder in einen Zustand zu versetzen, dass er Wasser spendet. "Wir haben uns am Wettbewerb für Zukunftsprojekte des Vereins Lokale Agenda 21 in Dresden beworben und sind für den Publikumspreis nominiert", freut sich Gesine Hildebrandt. Sie und ihre Mitstreiter hoffen nun auf ganz viele Klicks zu ihren Gunsten beim Online-Voting vom 15. bis 21. September unter www.dresdner-agenda21.de. Dem Sieger winken 1000 Euro Preisgeld.

Das Dresdner Amt für Stadtgrün steht den Gemeinschaftsgärten positiv gegenüber. "Sie sind eine gute Möglichkeit, ungenutzte Flächen wie z.B. Brachen zumindest temporär zu bewirtschaften und zusätzlich Erholungsflächen zu erschließen. Ebenso bedeutsam sind die sozialen und kulturellen Effekte. Sie sind Treffpunkt für Bürger generationsübergreifend in den Stadtteilen, fördern den Gemeinschaftssinn bei schöner Gartenarbeit und eigenen Veranstaltungen. Diese sind oftmals offen für alle aus dem Quartier. Besonders wertvoll sind die Angebote zur Umweltbildung", so Amtsleiter Detlef Thiel. Die Stadt unterstütze die Initiativen durch Beratung, Vermittlung von Flächen und Kontakten sowie Abschluss von Pachtverträgen.

Allerdings befindet sich derzeit die Mehrzahl der Projekte auf privaten Flächen, kommunale Flächen sind kaum verfügbar. Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft bereitete gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt und Finanzierung durch Städtebaufördermittel eine Fläche in Löbtau unter der Bezeichnung "Columbusgarten" vor. Das jüngste Projekt ist der "Apfelgarten" an der Teplitzer Straße.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2014

Catrin Steinbach

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