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Im Herbst keinesfalls schneiden

Das Haar der Mutter Erde Im Herbst keinesfalls schneiden

„Gräser sind das Haar der Mutter Erde“, formulierte einst poetisch der berühmte Staudengärtner und -züchter Karl Foerster. Wie vielfältig Ziergräser im Garten verwendet werden können und was man in Sachen Pflege tun bzw. eher lassen sollte, verrät Staudengärtner Marko Thate aus Pirna-Graupa.

China-Schilf. In diesem Fall Miscanthus sinensis ’Rotsilber’.

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden. Beim leisesten Hauch wiegen sie sich anmutig im Wind, wispern, rascheln leise. Durch ihre Gestalt und Größe, ihre Färbung und die Formen ihrer Blüten- bzw. Fruchtstände können sie Akzente setzen bzw. für Struktur sorgen. Manche bleiben im Wuchs niedrig, füllen als Bodendecker Flächen, andere wirken im Beet zwischen Stauden als verbindendes Element: Ziergräser. „Gräser sind das Haar der Mutter Erde“, fand der berühmte Staudenzüchter und Garten-Philosoph Karl Förster (1874-1970) einen poetischen Vergleich.

Die Blätter sind grün, blaugrün, rot oder panaschiert. Die Fruchtstände bieten in Form und Färbung ebenfalls eine große Vielfalt. Fedrige oder Flaschenbürsten-Formen mit weiß-silbrigem Touch strahlen geradezu in der Sonne. Filigrane, perlenartige Strukturen wie bei der Rutenhirse kommen im sanften Gegenlicht der Abendsonne wunderbar zur Geltung.

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Ziergräser zaubern Anmut und Natürlichkeit in den Garten. Die Bildergalerie bietet einen kleinen Einblick in die große Auswahl an Arten und Sorten.

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Ziergräser haben jetzt in Gärten und Parks ihre Hoch-Zeit, die bis in den Winter andauert. Denn auch im vertrockneten Zustand bieten sie – zum Beispiel mit Raureif umhüllt oder weißen Schneehäubchen bedeckt – noch eine ganze Weile eine attraktive Optik. Doch das ist nur ein Grund, warum man Gräser im Herbst keinesfalls zurückschneidet, weiß Gartenbauingenieur Marko Thate.

Denn die vertrockneten Blätter und Blütenstände dienen den Gräsern als Winterschutz. „Schneidet man das alles im Spätherbst ab, kann viel leichter Wasser in die Horste eindringen. Sie faulen oder nehmen bei starken Frösten Schaden“, so der Staudengärtner aus Pirna-Graupa. Pampasgras (Cortaderia) – hierzulande nur bedingt winterhart – müsse sogar einen Winterschutz bekommen, wenn es im Garten überdauern soll.

„Geschnitten werden Gräser im Frühling, wenn sich im Horst die ersten grünen Spitzen zeigen. Und dann nimmt man die vertrockneten Blätter – wenn sie noch nicht abgebrochen sind – bis knapp über den grünen Spitzen weg. Verletzen sollte man das junge Grün möglichst nicht.“

Fast alle Ziergräser brauchen einen sonnigen Standort im Garten. „Ausnahmen bilden die Seggen (Carex) und die Simsen (Luzula), von denen es jeweils verschiedene Sorten gibt. Denn diese sind normalerweise in Waldsaumgebieten zu Hause, gedeihen also im Halbschatten besser“, weiß Thate. Ebenso gehört Gold-Flattergras (Milium) eher in den Halbschatten bis Schatten. Dieses fällt durch seine goldgelben Blätter, die diese Färbung schon im Austrieb haben – auf.

Knallrote Blätter treibt das schwach wachsende Japanische Blutgras (Imperata). Es mag Sonne und Wärme, kommt in unseren Breiten nur selten zur Blüte. Eine orange-rote Herbstfärbung hat das im Austrieb grüne Fasanenschwanzgras (Anemanthele), für das allerdings ein Winterschutz nötig ist. Ebenso bieten einige China-Schilf-Sorten (Miscanthus) eine schöne Herbstfärbung (’David’, ’Flammenmeer’, ’Kleine Silberspinne’, ’Roter Oktober’ zum Beispiel). Grau-grüne, bläuliche bis stahlblaue Blätter haben viele Schwingel-Sorten (Festuca) und einige Rutenhirse-Sorten (Panicum). Auffällig durch seine quer gestreiften grün-gelben Blätter ist das Zebragras (Miscanthus sinensis ‚Zebrinus’).

Wer einen Bodendecker sucht, wird bei den Gräsern ebenfalls fündig. Das bis zu 15 cm hohe Büffelgras (Buchloe) ist ein rasenbildendes Gras, das sogar gemäht werden kann. „Das langsam wachsende Japanische Berggras (Hakonechloa), das zwischen 40 und 60 cm hoch wird, gibt auf größeren Flächen ein schönes Bild“, nennt Thate ein zweites von vielen weiteren Beispielen.

Ziergräser sind sehr pflegeleicht, mögen es eher trocken. „Pfeifengras (Molinia) ist eine der wenigen Arten, die auch für feuchtere Standorte geeignet sind“, so Thate. „Staunässe vertragen Gräser nicht. In schweren Böden wäre es wichtig, dass man für eine Drainage sorgt, damit das Wasser nach unten weg kann“, erklärt der Staudengärtner. Er rät, Gräser beim Gießen im Garten lieber „zu vergessen“. Auch düngen sei nicht nötig.

„Manche Gräser wie Federgras (Stipa) gedeihen zudem besser in einem warmen Boden“, so die Erfahrung von Thate. Doch was ist ein „warmer Boden“? „Sand zum Beispiel. Lehm heizt sich viel weniger auf“, erklärt der Gartenexperte.

Wichtig ist, dass man sich bei der Anschaffung eines Grases nicht nur über Wuchshöhe und erforderlichen Pflanzabstand informiert, sondern auch, ob das jeweilige Gras unterirdisch besonders wuchsfreudig ist. Wenn ja, sollte man nicht versäumen, rund um das Gras eine Rhizom- bzw. Wurzelsperre (ist im Handel als Rollenware erhältlich) in den Boden zu graben. „50 cm Tiefe reichen da schon aus. Auch beim Bambus“, sagt Thate.

Von Catrin Steinbach

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