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Ackerland als Spekulationsobjekt – auch in Deutschland

Ackerland kaufen? Ackerland als Spekulationsobjekt – auch in Deutschland

Investoren sind sehr kreativ, wenn es darum geht, Wege zur Vermehrung des Geldes zu finden. Grundstücke zählen da eher zu den üblichen Verdächtigen, aber seit geraumer Zeit zählt auch Ackerland dazu. Zunächst wurde auf anderen Kontinenten nach rentablen landwirtschaftlichen Flächen Ausschau gehalten, seit einigen Jahren suchen die Kapitalanleger auch in Europa.

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Dunkle Zeiten für die Landwirte? Die Preise für Grund und Boden in der Landwirtschaft haben eine bedrohliche Entwicklung genommen.

Quelle: Durk Talsma – 651538831 / Shutterstock.com

Die Zahl der Menschen steigt an und damit einhergehend offenkundig auch die benötigten Nahrungsmittel. Um den Bedarf zu decken, benötigt die industrielle Landwirtschaft immer mehr Flächen. Vor allem der Fleischverbrauch hat in der Vergangenheit stark zugenommen, wodurch nicht nur mehr Raum für die Haltung der Tiere, sondern vor allem für die Futtermittelversorgung benötigt wird.

Ostdeutschland hat besonders mit steigenden Preisen zu kämpfen

Dadurch entsteht natürlich eine Verschiebung von Angebot und Nachfrage. Das Land wird immer begehrter und die Preise steigen. In Deutschland betrifft dies laut dem Statistischen Bundesamt besonders die neuen Bundesländer. Im Vergleich zu Westdeutschland liegen die Preise zwar niedriger, jedoch ist der Anstieg deutlich stärker.

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Bauern beispielsweise das Dreifache für Ackerland zahlen als noch vor zehn Jahren. In Sachsen-Anhalt oder Brandenburg haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Das liegt natürlich auch an der erhöhten Zahl an Investoren.

„Zahlreiche Investoren aus dem Nicht-Agrarbereich, haben mittel- und ostdeutsche Ländereien als hochrentable Anlageobjekte entdeckt und zahlen die entsprechenden Preise“, so der Wirtschafts-Fachmann Mark Opitz und Projektleiter des Portals kreditvergleich.net. Der Run von Investoren auf das Ackerland wird auch als „Land Grabbing“ bezeichnet. Die Gründe dafür sind in erster Linie Geld:

  • Aufgrund von niedrigen Zinsen bei anderen Anlageobjekten zieht es die Investoren zum Ackerland, das höhere Renditen verspricht.
  • Die Agrarsubventionen werden hauptsächlich an der Größe der Fläche bemessen. Wer viel Land hat, erhält also mehr Geld vom Staat.
  • Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, die Hürden beim Kauf von Ackerland für nicht-landwirtschaftliche Investoren darstellen.
  • Die Förderung von Biotreibstoffen macht den Anbau lukrativer, so dass viele Flächen nicht für Nahrungsmittel genutzt werden.

„Wer bisher gedacht hat, Landgrabbing sei ein Problem Afrikas, der wird spätestens durch die vorgestellte EU-Studie eines Besseren belehrt. Dieser Prozess, hinter dem immer mehr Landwirtschafts-fremdes Kapital und Spekulanten stehen, mag sich derzeit noch überwiegend in osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Ungarn abspielen. Doch das ist nur der Anfang," erläutert Martin Häusling, agrar- und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion die GRÜNEN/EFA im Europaparlament.

Die Landwirte stellt dies vor ein Problem, wenn die Kosten nicht mehr tragbar werden. Landwirtschaftliche Flächen selbst zu besitzen wird für sie immer schwieriger, weil sie bei den Preisen, die gezahlt werden, nicht mehr mithalten können. Die Pachtpreise steigen natürlich auch entsprechend, so dass für neue Pachtverträge erheblich mehr gezahlt werden muss als in der Vergangenheit. Hier muss auch die Agrarpolitik der EU Lösungen finden.

Kleine Unternehmen am stärksten betroffen

Die höheren Ausgaben für den „Rohstoff“ Land bringen ein weiteres Problem mit sich. Die Betriebe werden ausgebremst, da ihnen Kapital zum Reinvestieren fehlt. Sie können sich keine neuen Maschinen oder innovative Entwicklungen leisten, so dass die Produktivität und damit die Wertschöpfung je Hektar kaum gesteigert werden kann.

Das setzt vor allem kleinere Betriebe unter Druck. Laut der im Auftrag des EU-Agrarausschusses erstellten Studie „Extent of the farmland grabbing in the EU“ ( PDF, englisch, 1,85 MB) gehören in Deutschland etwa 70 Prozent der bewirtschafteten Flächen nicht mehr den Bauern, sondern Investoren, die das Land verpachten.

Das führt dazu, dass die kleinen Landwirte vermehrt aus dem Markt gedrängt werden. Die hohen Kapitalkosten sind nicht mehr zu tragen und auch neue, aufstrebende Landwirte haben es schwer, am Markt zu partizipieren. Familienunternehmen werden zunehmend von großen Gesellschaften und überregionalen Investoren verdrängt.

Osten des Landes leidet besonders stark – Bund will eingreifen

In Ostdeutschland führte dies dazu, dass mittlerweile wenige Betriebe über das Gros der landwirtschaftlichen Fläche verfügen. Etwa 70 Prozent des Ackerlandes sind aufgeteilt auf Betriebe mit einer Fläche von 30.000 Hektar oder mehr. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland beträgt etwa 60 Hektar.

Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Unternehmen, in erster Linie kleine und Familienunternehmen, mussten daher schließen. Diese Entwicklung ist seit mehr als zwei Jahrzehnten erkennbar. Die Zahl der Höfe hat sich seit 1991 von 654.000 auf etwa 375.000 beinahe halbiert.

Verfügbare Flächen sind dabei in Deutschland nur noch wenig vorhanden. Ein Teil dieser Flächen gehört in den neuen Bundesländern noch der bundeseigenen Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG). Etwa noch 150.000 Hektar sollen bis 2030 noch an private Eigentümer und Investoren verkauft werden.

Die Politik versucht ihrerseits, Möglichkeiten zu finden, die regionalen Landwirte zu stärken. Der Verkauf von Ackerland an branchenfremde Investoren, die nur das Ziel einer hohen Rendite im Sinn haben, soll besser kontrolliert werden. Ebenfalls soll geklärt werden, ob Flächen, die sich noch im Besitz der BVVG befinden, an die Bundesländer übertragen werden können. Darüber hinaus könnten die Auflagen verschärft werden, die den Käufern von Ackerland auferlegt werden.

Weltweites Problem

Das Problem betrifft aber natürlich nicht nur Deutschland, sondern tritt weltweit auf den Plan. In Europa sind vor allem Rumänien, Estland, Litauen, Bulgarien und Ungarn betroffen. Begonnen hat das „Land Grabbing“ davor in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Auch wenn nicht jede Investition in diesen Gebieten als „Land Grabbing“ zu bezeichnen ist, werden häufig die Bevölkerungen in den Entwicklungsstaaten benachteiligt, geradezu systematisch übergangen. Es agieren eben nicht alle Investoren nach sozialen Standards.

Neben der Landverknappung hat die intensive Landwirtschaft aber noch eine weitere Folge: erhöhten Wasserverbrauch. Vom weltweit verbrauchten Wasser gehen etwa 70 Prozent auf die Produktion von Nahrungsmitteln zurück. Dabei wird gerade einmal ein Fünftel der globalen landwirtschaftlichen Fläche bewässert.

Versuchen Investoren nun ihre Produktivität in trockenen Gebieten durch Bewässerung zu steigern, fehlt Trinkwasser an anderen Stellen. Eine Unterversorgung der Bevölkerung kann hier die Folge sein. Vor allem Länder in Afrika haben mit der Trinkwasserversorgung erhebliche Probleme, die durch die Landwirtschaft verschärft werden können.

Die industrielle Landwirtschaft ist dennoch zwingend nötig, um den Nahrungsmittelbedarf der Weltbevölkerung zu decken. Dabei muss die Politik jedoch auf Armutsbekämpfung und eine gerechtere Vermögensverteilung achten. Der Erhalt der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft auch für kleine Landwirte gehört allerdings dazu.

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