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Wissen Yoga mit Ommmm und ganz viel Kind
Nachrichten Wissen Yoga mit Ommmm und ganz viel Kind
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09:00 21.01.2018
Die Bloggerin, Poetry-Slammerin und Moderatorin Ninia LaGrande schreibt an dieser Stelle regelmäßig über die herausfordernden Momente des Mutter-Daseins. Quelle: gpt
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Hannover

Puh, endlich wieder Sport“, denke ich. Nein, das ist gelogen. Ich denke so was nicht. Aber ich merke, dass mir ein bisschen Sport guttun würde. Einfach mal wieder andere Bewegungen machen, als das Kind zu tragen, zu schaukeln oder zu wickeln. Also melde ich mich und es zu einem „Mama-Kind-Yoga“-Kurs an. Yoga kann ich. Vor der Schwangerschaft war ich fast so beweglich wie eine Schlangenfrau. Fast. In der Schwangerschaft war ich dann so beweglich wie eine Frau aus Stein. Ich hockte in Yoga-Kursen für Schwangere und atmete. Das war alles, was ich tat. Manchmal schloss ich meine Hände dazu über meinem Kopf oder vor meiner Brust. Aber auch nur, wenn ich richtig Lust auf Bewegung hatte. Ich bin also völlig eingerostet. Alles tut mir weh. Die Kursinformation verspricht, die Kinder würden entweder fröhlich spielen oder sich auf einer Matte ausruhen. Ich lese dem Kind diesen Satz mehrmals laut und langsam vor, damit es weiß, wie es sich im Kurs zu verhalten hat. Die Worte fröhlich und ausruhen betone ich dabei extrem. Das Kind antwortet mit unverständlichem Gebrabbel und strahlt mich zahnlos an.

Ich will ganz entspannt sein

In der ersten Stunde spüre ich Muskeln, von denen ich das letzte Mal vor eineinhalb Jahren etwas gemerkt habe. Ich dehne, drehe und spanne an. Ich atme. Das Kind versucht meine lackierten Fußnägel zu fangen. Die Yoga-Lehrerin ist sehr bemüht, sich um die Kinder zu kümmern, damit die Mütter wenigstens eine Übung voll auskosten können. Sie trägt es weg und legt es auf die Matte, wo klapperndes Spielzeug wartet. Als ich das nächste Mal zum Kind blicke, isst es gerade die Visitenkarten der Lehrerin. Ich denke: „Ommmm!“ und lege meinen Kopf auf die Stirn. Es scheint dabei zumindest fröhlich und ausgeruht zu sein, denke ich vorbildlich positiv. Als ich etwas später Geräusche höre, die danach klingen, als würde das Kind irgendetwas Wichtiges zerstören, gucke ich einfach nicht hin. „Om, om, om!“, sage ich ganz schnell. Ich will ganz entspannt sein. Ich bin das Gegenteil. Als ich mich umdrehe, sitzt das Kind mit einem neuen Kumpel vorm Rollo und gemeinsam zerrupfen sie die Lamellen. Sie sehen sehr fröhlich und entspannt aus dabei. Immerhin, denke ich und gehe in den herabschauenden Hund.

Von Ninia LaGrande/RND

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