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Nachrichten Wissen Wie gut wirken Hausmittel bei einer Erkältung?
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14:16 02.12.2016
Bei einer Erkältung hilft vor allem eins: Bettruhe. Quelle: dpa
Hannover

Die Tage werden kürzer, die Temperatur sinkt und schon schnieft und hustet es aus allen Ecken Deutschlands. Dabei steht die Grippehochsaison erst noch bevor. Im Moment sind es mehrheitlich Erkältungsviren, die durch Husten, Schnupfen und Heiserkeit plagen. Pünktlich zu dieser Zeit werden deshalb im Internet Hausmittel zur Bekämpfung der ungeliebten Volkskrankheit vorgeschlagen. Die Wirksamkeit von Zwiebelsaft und Co. hat aber selten medizinische Gründe.

„Viele Hausmittel wirken als Placebo. Der Patient denkt, dass etwas hilft und fühlt sich deshalb besser“, sagt Prof. Dr. Martin Scherer von Universitätsklinikum Eppendorf. Dagegen sei gar nichts einzuwenden. Schließlich muss eine Erkältung nicht per se mit Medikamenten behandelt werden. „Jede Erkältung geht irgendwann wieder weg. Auch ohne Medikamente“, sagt Scherer, „Es geht nur darum, die Zeit bis zur Genesung zu überbrücken und die Beschwerden abzumildern.“ Dabei sei auch das persönliche Empfinden des Patienten entscheidend. Stört eher der Schnupfen oder der kratzige Hals?

Eine Erkältung kann zwischen fünf und zehn Tage dauern

„Die Anzahl der Hausmittel ist riesig. Da lerne ich von meinen Patienten noch dazu“, sagt Scherer. Als Arzt prüfe er, ob ein Hausmittel schädliche Wirkungen haben könnte. Wenn das nicht der Fall ist, ist fast alles erlaubt, was gut tut.

Wie lange eine Erkältung dauert, lässt sich ohnehin nicht beeinflussen - weder durch die Einnahme von Medikamente noch durch Hausmittel. Entscheidender sind Faktoren wie das Immunsystem oder die Art des Virus‘. Zwischen fünf und zehn Tagen können Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen einem den Schlaf rauben. Erst wenn Kreislaufschwierigkeiten, hohes Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl eintreten, müsse laut Scherer ein Arzt aufgesucht und ein anderer Behandlungsweg eingeschlagen werden.

Die einfachsten und laut Scherer wirksamsten Mittel gegen eine Erkältung kosten überhaupt nichts: Ruhe, Schlaf, ausreichend Flüssigkeit und frische Luft. Denn besonders die trockene Heizungsluft macht geplagten Schleimhäuten bei einer Erkältung zu schaffen. „Wer kein Fieber hat, sollte sich warm anziehen und nach draußen gehen“, sagt Scherer deshalb, „gerade wenn die Sonne scheint.“ Sonnenstrahlen laden den Vitamin D Haushalt auf und heben erwiesenermaßen die Stimmung. Und auch das schützt vor Erkältungen.

Schnupfen

Die Nase ist dich? Manchmal tut es anstatt des Nasensprays auch inhalieren. Quelle: dpa

Die Nase ist dicht. Da ist an erholsamen Schlaf nicht zu denken. Statt Nasensprays aus dem Handel, die die Schleimhäute austrocknen, soll Inhalieren helfen. Ein Dampfbad mit Kamillenblüten, Minzöl oder Thymian soll die Schleimhäute abschwellen und auch die Bronchien beruhigen. In eine Schüssel heißes Wasser wird eine Hand voll Blüten gegeben. Das Handtuch über dem Kopf sorgt dafür, dass der Dampf auch in der Nase und nicht nur in der Luft landet. Nun wird mit geschlossenen Augen tief durch die Nase eingeatmet.

Das sagt Prof. Scherer: Inhalieren befeuchtet die Schleimhäute und wird von einigen Patienten als wohltuend beschrieben. Andere hingegen mögen den Wasserdampf nicht und empfinden die Öle als unangenehm brennend in den Augen. Hier gilt es nach dem persönlichem Wohlbefinden zu urteilen. Wer sich dabei nicht wohlfühlt, sollte es lassen.

Husten

Zugegeben: Lecker ist der selbst gemachte Zwiebelsirup vielleicht nicht unbedingt. Aber er soll helfen: Ätherische Öle in der Zwiebel lösen den Husten, das enthaltene Vitamin C stärkt das Immunsystem. Den Wundersaft stellt man her, indem man eine mittelgroße Zwiebel fein würfelt, mit Zucker bestreut und mindestens eine Stunde lang zugedeckt stehen lässt. Mit einem Teelöffel kann nun der Saft, der sich gebildet hat, getrunken werden. Und immer daran denken: Nur Medizin, die schlecht schmeckt, hilft!

Das sagt Prof. Scherer: Die Zwiebel führt zur Sekretion. Sie regt also die Ausscheidung von Stoffen, wie zum Beispiel Tränenflüssigkeit an. Demnach wirkt das Gemüse nach dem Ähnlichkeitsprinzip, das aus der Homöopathie stammt. Diesem Grundsatz nach soll das Heilmittel beim Patienten ähnliche Symptome hervorrufen, wie die Krankheit. In diesem Falle die Absonderung von Flüssigkeit, Schleim oder ähnlichem. Hier gilt jedoch: Bewiesen ist nichts.

Ohrenschmerzen

Auch bei Ohrenschmerzen kommt das Gemüse zum Einsatz. Die fein gehackte Zwiebel wird auf zwei Stofftücher verteilt und angewärmt, bevor sie auf die Ohren gelegt wird. Mit einer Mütze oder einem Schal kann man die Zwiebelpäckchen am besten an den Ohren fixieren.

Das sagt Prof. Scherer: Eigentlich sind Insektenstiche die Zwiebeldomäne. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, warum ein Zwiebelpäckchen auf dem Ohr, die Beschwerden im Mittelohr, die bei einer Erkältung häufig auftreten, lindern sollte.

Fieber

Soll das Fieber runter, helfen Wadenwickel. Quelle: dpa

Fieber ist eine natürliche Reaktion des Körpers. Um Krankheitserreger abzutöten, steigt die Temperatur auf über 38 Grad. Werden die Beschwerden allerdings zu stark oder das Fieber zu hoch, sollte man gegensteuern. Beispielsweise mit Wadenwickeln. Dazu werden zwei Handtücher in kühles oder lauwarmes Wasser getaucht und um die Waden gelegt. Ein trockenes Frotteehandtuch verhindert, dass Bett oder Sofa nass werden. Ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten werden die Waden runtergekühlt. Zwei bis dreimal hintereinander kann und sollte gewickelt werden.

Das sagt Prof. Scherer: Die Wirkung von Wadenwickeln ist plausibel. Durch das Wasser am Körper wird die Temperatur reguliert. Dadurch kann das Fieber gesenkt werden. Ich selbst habe es noch nie gemacht, habe aber auch noch nie davon abgeraten.

Halsschmerzen

Kartoffeln können Wärme hervorragend speichern. Deshalb soll ein warmes Päckchen mit dem Erdapfel die Durchblutung fördern und Halsschmerzen lindern. Einfach 5 Kartoffeln mit Schale kochen, in ein Geschirrtuch wickeln und dem Nudelholz zerdrücken. Die Kartoffel-Wärmflasche bleibt bis zu zwei Stunden warm und passt sich perfekt an den Hals an.

Wer keine Kartoffeln zur Hand hat, kann Quarkwickel benutzen. 500 Gramm Quark werden auf Körpertemperatur angewärmt und in ein dünnes Tuch gegeben, das längst gefaltet und um den Hals gewickelt wird. Mit einem Schal oder einem Handtuch fixiert, kann der Quark einwirken, bis er getrocknet ist.

Das sagt Prof. Dr. Scherer: „Eine medizinische Wirkung haben weder Quark noch Kartoffeln“, sagt Scherer. Sie fungieren bei diesem Hausmittel nur als Wärmespeicher. Trotzdem: „Wenn mein Patient darauf schwört, dass es ich ihm hilft, ermuntere ich ihn dazu, weiter die Wickel anzuwenden.“

Kopfschmerzen

Ist Pfefferminzöl die Alternative zu Aspirin? Wer daran glaubt, dem wird es helfen, meint Prof. Scherer. Quelle: dpa

Statt Aspirin oder anderen Medikamenten soll auch Pfefferminzöl reichen. Einfach ein paar Tropfen auf Stirn und Schläfen reiben. Das Menthol regt die Kälterezeptoren an, hat eine betäubende Wirkung und hemmt den Schmerzbotenstoff Serotonin.

Das sagt Prof. Scherer: Auch die ayurvedische Medizin kennt Campher-Balsam, das auf die Stirn gerieben wird. Auch hier gilt: Der Glaube versetzt Berge. Wer von dem Prinzip überzeugt ist, kann das Hausmittel bedenkenlos anwenden, sofern er nicht empfindlich darauf reagiert.

Gliederschmerzen

Ein Wannenbad den Körper so richtig durch. Das soll bei Gliederschmerzen Linderung verschaffen. Wichtig: Baden sollte nur, wer kein Fieber hat. Zusätze mit Eukalyptusöl oder Menthol befreien zusätzlich die Atemwege und regen die Durchblutung noch mehr an. Länger als 20 Minuten sollte man sich in dem 35 bis 38 Grad warmen Wasser nicht aufhalten.

Das sagt Prof. Dr. Scherer: Ein warmes Wannenbad entspannt die Muskeln und kann die Schmerzen lindern. Hier gilt es, nach den persönlichen Präferenzen des Patienten zu urteilen. Manche Menschen baden sehr gerne, andere nicht. Daher muss das Bad im warmen Wasser nicht für jeden gleichermaßen entspannend sein.

Von RND/Kerstin Tietgen

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