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Wissen Stress durch Multitasking
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15:08 22.06.2017
Zur Person: Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert an dieser Stelle regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Multitasking – eine um die Jahrtausendwende gefeierte „Neuentdeckung“, wie wir unsere Effizienz im täglichen Tun steigern können. Nicht eine Tätigkeit nach der anderen, sondern mehrere Dinge quasi gleichzeitig bearbeiten, erledigen. Eine Methode, die immer mehr als Lösungsstrategie für steigende Anforderungen im Job und Privaten gesehen wird. Klingt ja auch verlockend: Während des Telefonats schon mal die E-Mails checken, ein kurzer Blick auf die sich meldende Kurznachricht. Ein Kollege kommt vorbei: „Nur ne kurze Frage, ...“, nebenbei noch eben ein Stück Schokolade reinschieben. Menschen, die als besonders multitaskingfähig erscheinen, gelten in der Arbeitswelt als besonders leistungsfähig und produktiv.

Doch der Schein trügt. Der Ulmer Neurowissenschaftler Manfred Spitzer beispielsweise hat in mehreren Studien Vergleiche zwischen ‚Nicht-Multitaskern’ und ausgeprägten ‚Medien-Multitaskern’ angestellt. Dabei zeigte sich, dass die ‚Nicht-Multitasker’ die Aufgaben besser lösten, aufmerksamer und schneller waren und sich weniger durch Störungen ablenken ließen. Spitzer meint, ‚Multitasker’ würden sich durch ihre Art der Mediennutzung Oberflächlichkeit und Ineffektivität geradezu angewöhnen. Mehr noch: Eine andauernde Reizüberflutung kann zu Stress und Hektik sowie zu Kopfschmerzen und Verspannungen führen.

Fehleranfälligkeit steigt bei Multitasking

Konzentrationsstörungen, bis hin zu reduziertem Kurzzeitgedächtnis können Folgen davon sein. Letztendlich kann in all dem eine Mitverantwortung liegen für Burnout und Depressionen. Mehrere Tätigkeiten zur gleichen Zeit oder abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten durchzuführen, ist nicht effizient. Wir sind wesentlich langsamer, wenn wir versuchen, alles gleichzeitig zu erledigen und machen mehr Fehler, wenn wir ständig zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herwechseln. Besser ist es, sich auf eine einzelne Aufgabe voll und ganz einzulassen und diese bewusst zu bearbeiten.

Wer das nachvollziehen kann oder sogar selbst erlebt hat, mag sich fragen, wie man von dieser Gewohnheit lassen kann. Die Antwort klingt banal und einfach: In dem man eines nach dem anderen macht. Die Voraussetzung allerdings ist erst mal, sich dessen bewusst zu werden, dass man sozusagen in einer Art Autopilotenmodus unterwegs ist und damit unbewusst einem Reiz-Reaktionsmuster folgt. Beispielsweise, wenn ich gerade an einem Artikel schreibe und reflexartig auf mein Handy schaue, weil sich eine SMS gemeldet hat. Und wie kann man das entwickeln, also eine Lücke oder Öffnung zwischen dem Reiz und der Reaktion schaffen, um sich bewusst zu entscheiden?

Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. ...

Nun, viele wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass die Kultivierung von Achtsamkeit dabei sehr helfen kann. Durch das Training von Achtsamkeit erlangt man wieder die Fähigkeit bewusst wahrzunehmen, was wir in jedem Moment erleben, also denken, sehen, fühlen, riechen, hören oder spüren.

Dieses Thema beschäftigt die Menschen seit Jahrtausenden, wie der folgende kleine Weisheitsdialog aus dem Buddhismus treffend belegt: Ein Schüler fragte einmal seinen Meister, warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne. Der Meister antwortete: “Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.“ Der Schüler fiel dem Meister ins Wort und sagte: „Aber das tue ich doch auch! Was machst du darüber hinaus?” Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor: „Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich…” Wieder sagte der Schüler: „Aber das tue ich doch auch!” „Nein”, sagte da der Meister. „Wenn du sitzt, dann stehst du schon. Wenn du stehst, dann gehst du schon. Wenn du gehst, dann bist du schon am Ziel.”

Die Gedanken sind immer woanders und nicht im Hier und Jetzt

Heutzutage würde ein Coach etwa sagen: “Sicher sitzt, gehst, isst und schläfst du, so wie jeder andere Mensch auch. Aber während du gehst, fragst du dich schon, was du zu Mittag essen wirst. Während du isst, lenkt dich schon das Handy, der PC oder der Fernseher ab und wenn du schlafen gehst, denkst du schon an die Herausforderungen des nächsten Tages. So sind deine Gedanken immer woanders und nicht da, wo sie eigentlich sein sollten, nämlich im Hier und Jetzt.

Das Leben findet aber nicht in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft statt. Lasse dich auf den jetzigen Augenblick ein und du hast die große Chance, wirklich in Frieden und Gelassenheit zu sein.“

Von Helmut Nowak/RND

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