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Wissen Spermien: So lässt sich die Qualität steigern
Nachrichten Wissen Spermien: So lässt sich die Qualität steigern
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13:54 09.04.2019
Laut Experten nimmt die Spermienqualität weltweit immer weiter ab. Quelle: TanyaJoy - stock.adobe.com
Hamburg

Bei Frauen ist ständig von der biologischen Uhr die Rede. Um Eizellen in bester Qualität zu erhalten, lassen sie manche sogar einfrieren. Doch in gut der Hälfte aller Fälle liegt es am Mann, wenn ein Paar gemeinsam kein Kind zeugen kann. Und Experten beobachten einen Trend: „Die Spermienqualität nimmt weltweit immer mehr ab“, sagt Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und An­drologie am Universitätsklinikum Gießen. Diskutiert würden etliche Ursachen: von hormonell wirksamen Weichmachern im Plastik, bis zu einer insgesamt ungesünderen Lebensweise, sagt der Professor. „Wahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen.“

Spermienqualität: Fruchtbarkeit steigern

Die eigene Spermienqualität kann man jedoch – zumindest teilweise – selbst beeinflussen. Männer, die ihre Fruchtbarkeit steigern wollen, sollten im Alltag einige Dinge vermeiden. „Sicher ist, dass Wärme den Hoden nicht guttut. Ihre optimale Betriebstemperatur liegt etwa zwei Grad unter der des Körpers“, sagt Wagenlehner. Kein Gerücht sei es daher, dass zu enge Hosen und Slips die Spermienproduktion beeinträchtigen können. Besser sind normal geschnittene Jeans und Boxershorts.

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Handy in der Hosentasche: Schädliche Erwärmung der Hoden?

Stimmt es aber, dass schon das Handy in der Hosentasche zu einer schädlichen Erwärmung führen kann? Das sei bisher nicht belegt. Auch wer täglich radelt, müsse sich entgegen anders lautender Gerüchte keine Sorgen um seine Fruchtbarkeit machen. „Wenn man das extrem betreibt und am Tag 200 Kilometer fährt, kann es allerdings zu Erektionsstörungen kommen.“ Auch Rauchen sollte man „eher lassen und es mit dem Alkohol nicht übertreiben“, warnt Wagenlehner.

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Manche Medikamente hemmen Spermienproduktion

Zudem könnten bestimmte Medikamente die Spermienproduktion behindern: sogenannte Alpha-Rezeptorenblocker, die eingesetzt werden, um den Blutdruck zu senken. Wagenlehner empfiehlt Männern mit Kinderwunsch außerdem – genau wie Frauen – nicht allzu lange damit zu warten. Denn tendenziell sinkt die Spermienqualität auch mit dem Alter.

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Je älter, desto mehr Komplikationen

Mit dem Alter steigt das Risiko von Komplikationen bei einer Schwangerschaft. Anders als oft gedacht gibt es diesen Zusammenhang aber nicht nur bei Frauen – sondern auch bei Männern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen bei Kind und Mutter messbar höher, wenn der Vater schon etwas älter ist. So zeigen Studien zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen dem Alter des Vaters und Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie beim Kind. Mit einem Partner jenseits der 45 steigt für die Frau auch das Risiko, Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Und für das Kind steigt das Risiko einer Frühgeburt, wenn der Vater älter als 45 ist.

Einer der Gründe dafür: Die Stammzellen, die für die Produktion von Spermien zuständig sind, werden im Lauf des Lebens immer wieder erneuert – kopiert quasi. „Und mit jeder Kopie sinkt die Qualität und steigt die Chance auf Fehler“, erklärt Professor Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster.

Allerdings sind diese Zusammenhänge nicht so stark wie zwischen dem Alter der Mutter und Komplikationen wie dem Downsyndrom. Und: Entscheidend für das Komplikationsrisiko ist nicht allein das Alter, sondern auch die generelle Gesundheit des Mannes. „Je gesünder ein Mann, desto gesünder seine Spermien“, sagt Schlatt. Ein topfitter 60-Jähriger muss sich also eventuell weniger Gedanken machen als ein 45-Jähriger, der sein Leben lang geraucht hat.

Sexualhormon: Keine Fruchtbarkeits-Steigerung durch künstliches Testosteron

Sicher gut für die Fertilität sei ein allgemein gesunder Lebensstil mit Bewegung und ausgewogener Ernährung. Als „eher nutzlos“ bewertet der Experte hingegen Vitaminkuren und Nahrungsergänzungsmittel, die über Online-Apotheken verkauft werden und die angeblich die Fruchtbarkeit steigern sollen: „Da ist der wissenschaftliche Hintergrund nicht sehr hoch.“

Ein verbreiteter Irrtum sei auch, dass das männliche Sexualhormon Testosteron die Fruchtbarkeit steigern kann, wenn man es künstlich zu sich nimmt, wie etwa im Bodybuilding verbreitet. „Das ist komplett kontraproduktiv und Gift für die Reproduktion“, warnt der Professor. Als körpereigenes Hormon fördert es zwar die Spermienreifung. Führt man es aber von außen zu, hört der Organismus auf, selber in den Hoden Testosteron zu produzieren – so erreicht man das Gegenteil vom Gewünschten. Tatsächlich wird Testosteron derzeit als Wirkstoff einer Verhütungspille für Männer getestet.

Häufiger Sex: Zeugungsfähigkeit wird nicht beeinträchtigt

Ein Mythos sei auch, dass zu häufiger Sex die Zeugungsfähigkeit nennenswert beeinträchtigen könne. Zwar kann die Konzentration von Spermien im Ejakulat dadurch vorübergehend sinken. Grund zur Zurückhaltung sei das aber nicht, sagt Wagenlehner: „Häufiger Geschlechtsverkehr erhöht schließlich die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung.“

Spermiogramm: Anzahl und Gesundheit der Spermien

Häufig könnten Paare Schwächen bei der Fruchtbarkeit gegenseitig ausgleichen – ist die Frau zum Beispiel schon etwas älter, gibt es trotzdem kein Problem, wenn der Mann noch eine gute Fertilität hat. Eine junge Frau hingegen kann auch mit einem weniger zeugungsfähigen Mann ein Kind bekommen.

Bei ungewollter Kinderlosigkeit – davon geht man frühestens nach einem Jahr aus, in dem ein Paar versucht hat, Kinder zu bekommen – rät der Professor, dass auch der Mann sich untersuchen lässt. Ein Androloge erstellt dann ein sogenanntes Spermiogramm, wertet Beweglichkeit, Anzahl und Form der Samenzellen aus. Im Universitätsklinikum Gießen werden Männer auch auf eine unbemerkte Infektion mit sexuell übertragbaren Chlamydien-Bakterien untersucht. Diese können nicht nur bei Frauen die Fruchtbarkeit mindern, sondern auch die Spermienqualität verschlechtern.

Krampfadern an den Hoden können unfruchtbar machen

Zudem können Krampfadern an den Hoden oder eine Verstopfung der gut fünf Meter langen, aufgewundenen Nebenhodengänge einen Mann unfruchtbar machen – beides lässt sich operativ beheben. „Überhaupt gibt es für die meisten Fälle eine medizinische Lösung“, sagt Wagenlehner. Selbst wenn sich gar keine verwertbaren Spermien finden, kann man diese zum Beispiel meist operativ aus dem Hoden entnehmen und zur künstlichen Befruchtung nutzen.

Wichtig sei, dass der Mann überhaupt den Weg zum Arzt findet. „Mangelnde Fertilität ist immer noch ein Tabu und wird leider oft gleichgesetzt mit Unmännlichkeit. Dann heißt es einfach ‚An mir kann es nicht liegen.‘ Damit vertun Männer leider eine wichtige Chance, sich helfen zu lassen.“

Von RND / Irene Habich

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