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10:40 02.08.2017
Christian Hemschemeier ist Paartherapeut und schildert an dieser Stelle regelmäßig Fälle aus seiner Praxis. Quelle: gpt
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Hannover

Eigentlich handelt es sich natürlich um eine ganz normale Beziehung und es gelten die gleichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Es gibt eine Datingphase, in der man sich langsam kennenlernen sollte, und dann die eigentliche Beziehung. Vorsichtig sein sollte man aber, wenn man weiß, dass man in Beziehungen eher unsicher oder mit Verlustängsten agiert. Eine Fernbeziehung fördert diese Unklarheiten schnell, und man kann sich nicht eben mal treffen und in den Arm nehmen.

In der Datingphase sollte man unbedingt darauf achten, dass Verbindungen im echten Leben geschaffen werden und nicht über E-Mails oder SMS. Insbesondere, wenn der Kontakt online geschlossen wurde sollte man sich zügig treffen.

Gefühle bauen sich in der Distanzphase auf

Man kann sich über virtuelle Kommunikation jemandem sehr nahe fühlen – und dann sieht man sich real und alles zerplatzt wie eine Seifenblase, weil einfach die Chemie nicht stimmt. Gleichzeitig kann man eine beginnende Romanze auch „tottexten“. Gerade in der ersten Phase bauen sich die Gefühle in der Distanzphase auf, die nicht auftritt, wenn man sich jeden Tag 100 SMS schreibt.

Falls reale Treffen, also Dates, nicht möglich sind, kann man eine Videoverabredung vereinbaren. Diese ist immer noch kein echtes Treffen, aber immerhin besser als nur Telefon.

In der eigentlichen Beziehung ist es wichtig, sich genügend zu sehen und auch genügend oft Raum zu geben für emotionale Nähe – zumindest durch gute Gespräche. Man sollte auch überprüfen, ob die eigenen Beziehungsziele tatsächlich erreicht werden – etwa ein gewisses Maß an Nähe – oder die räumliche Distanz einfach eine Beziehung, wie man sie sich wünscht, nicht möglich macht.

Meist leidet irgendwann zumindest ein Partner

Ich empfehle, sich schon frühzeitig in die Augen zu sehen und zu überlegen, ob die Beziehung nicht ein Ziel braucht – und dieses heißt in der Regel, irgendwann die Fernbeziehung aus der Ferne zu holen.

Es gibt sicherlich Partnerschaften, in denen beide mit einer dünneren Beziehung auf Dauer zufrieden sind. Aber in der Regel leidet irgendwann zumindest ein Partner. Man sollte frühzeitig abklopfen ob ein Zusammenkommen an einem Ort möglich ist und auch die grundsätzliche Bereitschaft dazu da ist.

Wenn man dann tatsächlich irgendwann vielleicht zusammenziehen will, kann man dies sicher mal für ein paar Wochen testen. Wenn man es dann ganz tut, kann man sich oft auf eine turbulente Zeit einstellen. Immer wenn am „Grundvertrag“ des Zusammenseins gerüttelt wird, muss sich das Paar wieder neu koordinieren.

Oft klappt es besser, wenn die Frau zum Mann zieht

Doch wie regelt man Zeiten zu zweit und allein? Vor allem hat man vielleicht zum ersten Mal einen wirklichen „Alltag“ zu verkraften. Wer zieht zu wem? Am besten zieht derjenige um, der sowieso gern in der Stadt des anderen leben möchte. Man weiß nie, ob es gut geht, und wenn man nur wegen der Liebe umzieht und vielleicht dazu einen guten Job, Freunde und Wohnung verliert, kann das schon sehr hart sein. Mein Eindruck aus meiner Praxis ist, dass es oft besser klappt, wenn die Frau zum Mann zieht, aber das muss man im Einzelfall aushandeln.

Hat eine Fernbeziehung auch Vorteile? Ja, für manche Paare kann es erst mal eine Entlastung sein, sich am Anfang nicht noch um Nähe- und Distanzfragen kümmern zu müssen, weil von außen ein – unter Umständen erst mal gesunder – Rhythmus vorgegeben wird.

Der Autor ist zu erreichen unter www.eheberatung.info und www.liebeschip.de.

Von Christian Hemschemeier/RND

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