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16:35 07.11.2018
2,9 Milliarden Euro kosteten Schäden durch Naturgewalten wie Sturm und Hagel im vergangenen Jahr. Quelle: dpa
Hannover

Innenräume verändern sich schnell. Da ziehen neue Familien ein, erwachsen gewordene Kinder aus, da wird neu tapeziert, neu gefliest oder sogar mal eine Wand durchbrochen. Das Äußere eines Hauses dagegen ist oft Jahrzehnte gleich. Vielleicht ist es mal nötig, das Dach zu erneuern oder eine Fensterscheibe zu ersetzen – doch im Großen und Ganzen bleibt das Äußere oft unverändert. Aber was ist, wenn sich die Bedingungen wandeln, wenn das Klima sich ganz anders verhält als zu der Zeit, zu der ein Haus gebaut wurde? Oder man heute ein Haus bauen möchte, das gut für die neuen Herausforderungen gerüstet ist?

Schutz vor Hagel

Schon 2017 entstanden durch Naturgewalten Schäden in Höhe von 2,9 Milliarden Euro – rund 90 Prozent davon gingen auf das Konto von Sturm und Hagel. Im Zuge des Klimawandels sollten Hausbesitzer ihr Haus daher gegen stärkere Hagelereignisse schützen, sagt Bernhard Fischer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Dachluken zum Beispiel sollten eine ausreichende Hagelwiderstandsfähigkeit haben – auch wenn das mehr kostet. „Denn sie nachher auszuwechseln ist natürlich ein Verlustgeschäft.“ Wer ein älteres Haus kauft, kann den Hagelschutz verbessern, indem er zum Beispiel die Dachkuppelfenster, die vielleicht sowieso nicht mehr so schön sind, gegen hagelsichere Fenster austauscht.

Auch normale Hausfassaden mit Styropordämmung und Putzschicht können durch Hagel zerstört werden. Beim Bauen und Sanieren sollte man darauf achten, dass unter anderem die Fassadenverkleidung eine ausreichende Schlagfestigkeit besitzt. Einen besseren Schutz hat auch eine Klinkerfassade. Und natürlich ist auch das Dach von Hagel betroffen: Große Hagelkörner können die Dachziegel durchschlagen. Eine gute Alternative kann hier ein begrüntes Dach sein – so wird es vor Hagelschäden geschützt und trägt dazu noch etwas zur Biodiversität bei. Automatische Systeme können dafür sorgen, dass bei einer Unwetterwarnung der Sonnenschutz eingefahren wird – und so unbeschadet bleibt. Ist der Hagel vorüber, fährt der Sonnenschutz wieder aus.

Schutz vor Sturm

Wenn es um das Thema Wind geht, sind vor allem die Böen gefährlich, die kurz und ruckartig wehen. Wenn sie von der einen Seite auf das Dach drücken, gibt es auf der gegenüberliegenden Seite einen Sog. Der kann die Ziegel anheben und so das Dach abdecken. Ab einer gewissen Neigung und wenn man zum Beispiel in einem Risikogebiet wohnt, hilft es deshalb, die Dachziegel mit Klammern festzuzurren. „Je flacher die Dachneigung ist, desto gefährdeter sind die Dachziegel bei Windböen“, erklärt Fischer. Wenn die Dachziegel dagegen steil auf dem Dachstuhl hängen – wie bei einem 45-Grad-Dach –, brauchen sie dagegen nicht extra mit Klammern gesichert werden. Das Klammern geht übrigens auch noch nachträglich: „Möchte man dabei aber nicht das ganze Dach abdecken, dann ist es auch möglich, nur die Randbereiche oder etwa jede dritte Reihe zu klammern“, sagt Fischer.

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Auch an die Fassade angebrachte Elemente wie Latten oder Stelen können durch Böen abgerissen werden. Deshalb sollte man überprüfen, ob sie auch bei höheren Windstärken noch gut gesichert sind. Außerdem zeigt sich wieder: Klinkerfassaden sind besser geschützt. „Da geschieht in der Regel wenig, es sei denn, etwas wird gegen die Fassade geschleudert“, sagt Fischer. Die Fenster kann man schützen, indem man zum Beispiel die Rollläden herunterlässt. Ein Windsensor kann dafür sorgen, dass die Jalousien automatisch hochgefahren werden.

Auch den Garten sollte man sturmsicher machen. Besonders wenn man ein Haus mit Baumbestand kauft – oder schon in einem wohnt –, gilt es zu überprüfen: Welche Bäume sind während eines Sturms sicher, welche könnten vielleicht umfallen? Gibt es morsche Äste, die abbrechen könnten? Plant man seinen Garten neu, sollte man daher auch den Abstand der Bäume zum Haus beachten.

Schutz vor Starkregen

Starkregen ist ein Problem, weil er sehr lokal fällt und sich im Gegensatz zum Hochwasser nicht langfristig ankündigt. In der Regel gibt es also keine Vorwarnzeit, um sich zu rüsten. Bis man Starkregen sehr genau vorhersagen kann, werde es noch dauern, sagt Fischer. Deshalb müsse man sich baulich darauf vorbereiten.

Bei Starkregen fließt das Wasser nicht geordnet durch die Kanalisation am Haus vorbei, sondern strömt wild an der Oberfläche darauf zu. Fischer empfiehlt Hausbauern und -besitzern, sich nicht nur zu fragen, durch welche Öffnungen Wasser ins Haus eindringen kann, sondern sich auch mit dem Gelände vertraut zu machen: Läuft es auf das Gebäude zu, wo sind mögliche Wasser-Fließwege? Wenn man das weiß, „dann gibt es schon einfache Schutzmechanismen“. Man kann zum Beispiel das Gelände ein bisschen erhöhen, damit man das Wasser am Haus vorbei in den Garten lenken kann. Hilfreich ist es auch, wenn um das Haus herum nicht alles asphaltiert ist, sondern es Sickerflächen gibt.

Am Haus selbst kann man zum Beispiel am außen liegenden Kellereingang oder den Lichtschächten eine kleine Erhebung installieren, die verhindert, dass Wasser vom Gehweg über die Treppe strömt. Kellereingänge und Lichtschächte sollten zudem einen Ablauf besitzen, der an die Drainage oder das Entwässerungsnetz angeschlossen ist. Lässt sich stehendes Wasser vor der Tür nicht verhindern, dann können druckdichte Türen das Wasser davon abhalten, ins Gebäude einzudringen. Die Außenwand lässt sich mit wasserdichtem Beton oder einer Bitumenabdichtung vor Wasser schützen. Daran sollte man aber schon beim Bauen denken – denn eine Nachrüstung ist zwar möglich, aber deutlich aufwendiger und teurer.

Eine einfache, effektive Vorkehrung und auch ein wichtiger Punkt bei der Versicherung ist eine Rückstauklappe. Wenn sie fehlt, kann Wasser aus der Kanalisation ins Haus strömen. „So entstehen sehr hohe Schäden im Kellerbereich“, sagt Fischer.

Schutz vor Hitze

Der Sommer 2018 hat gezeigt, dass hohe Temperaturen nicht nur Freude machen – vor allem wenn das Dach nicht isoliert ist und das Haus sich aufheizt. „Bei Dämmung geht man immer davon aus, dass wir uns gegen kalte Winter schützen müssen“, sagt Fischer. Aber tatsächlich könne Dämmung auch ein Hitzeschutz im Sommer sein. „Das lässt sich auch gut nachrüsten.“ Helle oder reflektierende Fassaden sind eine gute Möglichkeit, um zu verhindern, dass die Innenräume überhitzen. Auch eine Fassaden- und Dachbegrünung kann die Aufheizung der Wohnräume eindämmen. Ein außen angebrachter Sonnenschutz sorgt dafür, dass die Sonnenenergie gar nicht erst ins Haus eindringt.

Versicherungen schützen vorm finanziellen Fiasko

Bauliche Maßnahmen sind das eine, doch für den Fall der Fälle sollte man auch gut versichert sein. „Ganz wichtig ist, dass man sein Haus gegen die Naturgefahren schützt“, sagt eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Sie empfiehlt, die Wohngebäudeversicherung, bei der standardmäßig schon Sturm und Hagel abgedeckt sind, um andere Naturgefahren zu erweitern. Dazu gehören zum Beispiel Überschwemmungen durch Starkregen und Hochwasser, Schneedruck oder Erdrutsche. Hausbesitzer sollten sich daher mit ihrer Versicherung vertraut machen und prüfen, gegen welche Gefahren sie bereits versichert sind und ob eine fehlt. „Es geschieht vielleicht nicht jedes Jahr eine Katastrophe, aber die Abstände zwischen den schadensreichen Jahren werden kürzer.“

Von RND/Anna Schughart

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