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Wissen Schaumbad, Blockflöten und Bier: Was Jahres- und Gedenktage bringen
Nachrichten Wissen Schaumbad, Blockflöten und Bier: Was Jahres- und Gedenktage bringen
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15:53 07.01.2019
Mal abtauchen: Am Dienstag ist der Tag des Schaumbades. Quelle: jump Fotoagentur
Bonn/Bayreuth

Am Dienstag sollten Sie einfach mal abtauchen. Am besten in einer Badewanne mit ordentlich viel Badezusatz drin. Am 8. Januar findet nämlich mehr oder weniger offiziell der Tag des Schaumbads statt. Er ist, klar, eine amerikanische Erfindung und nennt sich im Original „Bubble Bath Day“ oder sogar „National Bubble Bath Day“. Inzwischen ist der Ehrentag auch nach Deutschland geschwappt, die ersten Drogerien nutzen ihn für PR-Zwecke.

Kuriose Ehrentage boomen, und im Jahreskalender wird es langsam eng. Nehmen wir nur mal die zweite Woche im Januar: Die beginnt mit dem Tag des alten Gesteins (7. Januar), es folgt der Tag des Schaumbades und der Männerbeobachtungstag (8. Januar), der Spiele-Gott-Tag (9. Januar), der Tag der Blockflöte und der Ehrentag der Zimmerpflanze (10. Januar), und endet am Wochenende mit den, nun ja, eher sinnentleerten Aktionstagen wie dem Spring-in-eine-Pfütze-und-bespritze-deine-Freunde-Tag oder dem Festtag der fabelhaften wilden Männer.

Jeder kann Gedenktage ausrufen

Bis Ende des Monats sind es dann noch gut 20 Gedenk- und Aktionstage, bis Ende des Jahres viele Hundert. Zuständig für die ehrwürdigen Termine ist weder eine Behörde noch eine Kommission oder sonst eine Sammelstelle, die festlegt, an was gedacht werden sollte. Neben weltweiten Organisationen sowie Staaten und Kirchen kann jeder Verband, jede Firma, jede Privatperson Aktionstage ausrufen und entsprechend platzieren – in der Hoffnung, dass sie irgendwann die Öffentlichkeit erreichen.

Eine gewisses Anerkennung haben nur die Vereinten Nationen, deren Sammlung Internationaler Gedenktage gut 150 Einträge umfasst. Darunter sind einmal begangene Spezialitäten neben der Liste wiederkehrender Internationaler Tage, Wochen, Jahre und Dekaden. Den jüngsten Gedenktag hat die UN-Generalversammlung erst Anfang Dezember beschlossen: Fortan ist der 24. Januar Internationaler Tag der Bildung.

Einen einmaligen Ehrentag erhalten in diesem Jahr Clara Schumann und Alexander von Humboldt. Für den 13. und 14. September 2019 hat die Unesco-Generalkonferenz Gedenktage zum 200. Geburtstag der Pianistin und zum 250. Geburtstag des Naturforschers angesetzt. Weitere Gedenktage der Unesco sind unter anderem: Welttag der Poesie (21. März), Weltlehrertag (5. Oktober), Tag des audiovisuellen Erbes (27. Oktober).

Gedenktage sollen an Leistungen erinnern

Sowohl Mitgliedstaaten als auch UN-Organe können Gedenktage oder Internationale Tage vorschlagen. Voraussetzung sei nur eine gewisse Relevanz, erklärt Isabel Hofstätter vom regionalen UN-Informationszentrum für Westeuropa. Verbindlich seien diese nicht. „Die Festschreibung eines Gedenktages oder einer Dekade per Resolution hat keine verbindlichen Auswirkungen auf Staaten oder UN-Organisationen“, so Hofstätter. „Vielmehr ist sie eine Einladung und Empfehlung für Staaten und UN-Organisationen, diesen Tag zu begehen.“

Bei der Unesco klingt das etwas staatstragender: „Sie erinnern an Leistungen der Völkergemeinschaft, geben Anlass zur Reflexion über weltweite Probleme, lenken die Aufmerksamkeit auf wichtige Zukunftsthemen und motivieren Menschen zu mehr Engagement.“ Messen lassen sich die Erfolge aber kaum. Katja Römer von der Deutschen Unesco-Kommission erklärt: „Der Erfolg bestimmt sich weitestgehend durch die Aufmerksamkeit, die auf das jeweilige Thema durch die Begehung eines Welttages fällt.“ Auch politisch Verantwortliche nähmen diese Tage als Anlass, sich zu äußern und Themen noch einmal stärker auf die politische Agenda zu heben.

Missstände und Aufklärung

Oft weisen Internationale Tage auf Missstände hin. So soll der Welttoilettentag (19. November) auf das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäranlagen in vielen Teilen der Welt aufmerksam machen. Ähnlich bekannt ist der Welt-Aids-Tag (1. Dezember). An manchen Daten drängt es sich. So ist der 21. März Welttag des Down-Syndroms, Internationaler Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung, Welttag der Poesie, Internationaler Tag der Wälder und Internationaler Nouruz-Tag, anlässlich des Neujahrs- und Frühlingsfestes im iranischen Kulturraum.

Für Unternehmen und Verbände sind Kalendertage gute Werbeträger. Ein erfolgreiches Beispiel ist der Tag des Bieres (23. April), den die Deutschen Bierbrauer 1994 festlegten – Anlass war der Erlass des bayerischen Reinheitsgebots im Jahr 1516. Seitdem sprudeln die hefelastigen Aktionen an diesem Tag: Es werden Brauereifeste, Bier-Verkostungen und Bier-Königinnen-Wahlen begangen. International einträgliche Beispiele sind der Valentinstag und der Muttertag. Ernsthaften Themen widmen sich die Aktionstage der Gesundheitsverbände; Gedenktage gibt es nahezu für jede Krankheit und jedes Organ.

Kritik an Beliebigkeit

Aus Sicht des Soziologen Georg Kamphausen von der Uni Bayreuth ist die „Veralltäglichung von Feiertagen ein massiver Angriff auf unser Bedürfnis auf Ordnung“. Kirchliche Feiertage seien früher ein Anlass gewesen, innezuhalten, zur Ruhe zu kommen. Das sei verbunden gewesen mit einer Ritualisierung samt festen Handlungen und in der Kirche sogar festgelegten Farben, die Priester etwa an Ostern tragen. „Beim Volkstrauertag funktioniert das noch“, sagt Kamphausen. „Die Feuerwehrkapelle zieht auf, ein Kranz wird niedergelegt. Alle sind gut gekleidet und machen ein betroffenes Gesicht.“

Wenn aber jeder Tag gewissermaßen zum Festtag werde, entstehe eine Beliebigkeit, sagt der Professor für Politische Soziologie. „Wir können sagen, wir haben uns um das Problem gekümmert. Das bleibt aber unverbindlich.“ Das menschliche Bedürfnis, etwas Wichtiges zu verankern, werde durch die Vielzahl der Gedenktage hinfällig.

Anlass für ein bisschen Spaß

Ad absurdum geführt werden die durchaus ernsten Anliegen durch zahlreiche von Vereinen, PR-Beauftragten oder Privatleuten erfundenen Gedenk- und Aktionstage. So listet die Internetseite kleiner-kalender.de etwa einen Verehre-Dein-Werkzeug-Tag (11. März) und Ohne-Hosen-Tag (3. Mai) oder Sprich-wie-ein-Pirat-Tag (19. September) und Nimm-deinen-Hund-mit-zur-Arbeit-Tag (23. Juni). Meist geht es den Erfindern wohl eher darum, etwas Spaß zu versprühen.

Von Sonja Fröhlich/RND/dpa

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