Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Kreativ auf Knopfdruck?
Nachrichten Wissen Kreativ auf Knopfdruck?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:09 17.08.2017
Ohne Druck geht es am besten: Wer nach Ideen sucht, braucht Zeit und sollte offen sein für neue Wege. Quelle: Illustration: Patan
Hannover

Schon einmal mit leerem Schädel am Arbeitsplatz gesessen? Da sind Innovationen gefragt, die Vorgesetzten erwarten spritzige Ideen, doch im Kopf drehen sich die Gedanken im Kreis und die Fantasie streikt. „Ich bin einfach nicht kreativ“, mag da manch einer bei sich denken. Doch das lassen Experten nicht gelten.

„Das Gehirn ist einfach zu routiniert, zu träge“, sagt Peter Pakulat, der als Kreativcoach mit seiner Hamburger Agentur Freigeisterei regelmäßig Kreativitätstrainings und Inspirationstage für Unternehmen und Führungskräfte anbietet. Tatsächlich komme jeder Mensch mit einem recht beweglichen Gehirn auf die Welt. Doch durch Schulzeit, Studium und Arbeitsleben schlichen sich Routinen ein. „Die Kreativität, die Kinder noch haben, haben viele Erwachsene nicht mehr.“ Darum gelte es, das Gehirn zu trainieren: „Je öfter wir Routinen brechen, zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, obwohl er länger dauert, desto eher ist Ihr Gehirn gezwungen, neue Dinge zu kombinieren. Dadurch wird es einfach flexibler.“

Ideengeber und Challenger dazu holen

Claudia Nicolai ist akademische Leiterin der HPI School of Design Thinking in Potsdam. Tagtäglich arbeiten sie und ihre Studenten an kreativen Prozessen, denken über Problemlösungen nach und entwickeln Ideen, um bestimmte Produkte oder Abläufe zu verbessern. Um den Kopf auf Knopfdruck in Gang zu setzen, braucht es laut Nicolai bestimmte Voraussetzungen: „Bei uns sind die Möbel flexibel, wir arbeiten oft im Team im Stehen. Jeder soll sich den Raum so gestalten können, dass er sich wohlfühlt und kreativ werden kann.“ Ebenso wichtig sei es, nicht allein vor sich hin zu grübeln, sondern mit anderen im Team zu arbeiten: „Man sollte sich immer frühzeitig andere als Ideengeber und auch Challenger dazuholen.“ Diese könnten einerseits helfen, Ideen zu entwickeln, und andererseits dazu beitragen, sie noch weiter auszufeilen und zu verbessern.

„Gehen ist sehr gut“, empfiehlt auch Pakulat. Die Natur sei für viele sehr angenehm, weil sie beruhige und dadurch Platz geschaffen werde für neue Gedanken und Inspiration. „Beim Spaziergang bekommen Sie ständig neue Inspiration – allein durch den Ortswechsel.“ Das fördere auch gute Gespräche: „Sich mit jemandem unterhalten in einer angenehmen Atmosphäre, nicht gleich die Dinge des anderen kritisch bewerten, sondern zur Kenntnis nehmen und gucken, was man Besseres draus machen kann.“

Druck ist der Kreativitätskiller Nummer eins

Oft sind Brainstormings das erste Mittel der Wahl, um in der Gruppe nach guten Ideen zu fahnden. Doch nicht alle Methoden sind für jeden gleich gut geeignet. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass etwa in Asien Silent Brainstormings am besten funktionieren“, sagt Claudia Nicolai. Dabei schreibt jeder für sich Begriffe, die ihm einfallen, auf kleine Zettel. Ruhigere Menschen werden so nicht von lauteren übertönt und niemand muss befürchten, für seine Einfälle kritisiert oder ausgelacht zu werden. Nicolai hat es zudem oft erlebt, dass Gruppen letztendlich doch gut miteinander ins Gespräch kamen, nachdem der Chef den Raum verlassen hatte.

Denn auch das ist etwas, das die Arbeitsatmosphäre erschwert: „Druck ist der Kreativitätskiller Nummer eins“, betont Peter Pakulat. Das können sowohl der Druck durch Vorgesetzte, Zeitdruck als auch andere Vorgaben wie ein geringes Budget sein. „Erst wenn man viele Ideen hat, sollte man die Ideen auch bewerten“, so der Kreativitätscoach. „Dann kann man natürlich sagen: ‚Ist zu teuer, ist Quatsch, können wir nicht.‘ Aber nicht schon in der Findungsphase, da muss man sich was trauen.“

„Out of the box“ – Neues zulassen und ausprobieren

Als Einstieg in die kreative Phase empfiehlt er, Fremdes zu kombinieren: „Ich schlage ein Magazin auf und schaue mir Bilder an. Das, was man dort findet, versucht man eins zu eins oder im übertragenen Sinn mit seinem Thema zu verbinden.“ Ob Mode, der Stau auf der Autobahn, Politiker, Gebäude oder ein Glas Milch auf den Fotos zu sehen sind, ist dabei unwichtig: „Was dann funktioniert, ist hochoriginell, weil es überraschend irgendetwas kombiniert, worauf das Gehirn von alleine gar nicht gekommen wäre.“ Auch Claudia Nicolai ermutigt ihre Studenten immer wieder dazu, sich auf etwas Neues einzulassen und es auszuprobieren. Eine ihrer beliebtesten Methoden ist das Denken „out of the box“, das heißt, sich auf die Suche nach Analogien zu begeben. „Einmal haben wir darüber nachgedacht, wie die Organisation bei der Behandlung in der Notfallmedizin verbessert werden könnte“, so die Wissenschaftlerin. Also überlegte das Team, in welchen anderen Berufsfeldern ebenso großer Zeitdruck herrscht und ähnliche Absprachen notwendig sind. „Wir kamen auf den Reifenwechsel bei der Formel 1 und haben uns angeschaut, wie dort die Organisation funktioniert und was man davon auf unser Projekt übertragen kann.“

Unbedingt mal über den Tellerrand schauen

Ebenso gut könne man sich fragen, wie ein bestimmtes Problem in anderen Kulturkreisen behandelt werde, ob es zum Thema einen Science-Fiction-Roman gebe oder wie Superman, Google oder jemand ganz anderes an diese Fragestellung herangehen würde. Dieser Blick über den Tellerrand helfe häufig dabei, die Perspektive zu wechseln und ganz anders an die Problemlösung heranzugehen: „Wir suchen Anregung von woanders, gucken zum Beispiel in die Natur oder besuchen eine Produktionsstätte und sprechen dort mit Leuten, die mit einem bestimmten Produkt zu tun haben.“

Bei alldem gilt für Nicolai das Credo: Scheitern ist erlaubt. Niemand solle dabei eingeschränkt werden, seine Idee weiterzuentwickeln. Wichtig sei zudem, den theoretischen Gedanken auch tatsächlich in die Realität umzusetzen: „Gestaltung ist nicht nur eine Idee im Kopf. Man muss die Idee wirklich bauen und vor Augen haben, um zu sehen, ob sie funktioniert.“

Übungen gegen das Brett vorm Kopf

Gemeinsam eine Geschichte erfinden: Eine Person aus der Gruppe beginnt mit drei zusammenhängenden Worten wie „Letztes Jahr im“, die nächste fügt ebenfalls drei Worte an, zum Beispiel „Sommer, als ich“. So geht es der Reihe nach weiter. Die Gruppe erzählt gemeinsam eine Geschichte und lernt dadurch, auf Ideen der anderen aufzubauen.

Löschen, kopieren, einfügen: Bei einem beliebigen Gegenstand, etwa einem Haus, wird eine Funktion gelöscht, zum Beispiel die Tür. Stattdessen wird eine andere Funktion, beispielsweise eine Heizung eingefügt. Dann beginnt das Gedankenspiel: Was kann das bedeuten? Welchen Sinn könnte so ein Gebäude haben? Eine Übung, die jeder für sich oder auch in der Gruppe immer wieder mal ausprobieren kann, um die eigenen Gedanken auf Trab zu bringen und die Fantasie anzuregen.

Aus Farben Sätze bilden: Auf Zettel werden verschiedene Farben geschrieben, zum Beispiel BLAU. Danach versucht die Gruppe oder eine Person allein während einer vorgegebenen Zeit aus den Buchstaben möglichst viele sinnvolle Sätze zu bilden, etwa wie „Buben leben auch urig“ oder „Bären laufen am U-Bahnhof“.

Von Alena Hecker/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Viele Eltern kennen das: Sind die Kinder klein, bleiben oftmals eigene Hobbys – wie Sport – auf der Strecke: Doch das muss nicht sein. Gerade wenn es um Fitness geht, lassen sich viele Übungen auch wunderbar mit dem Elterndasein verbinden. Warum nicht gemeinsam sporteln?

17.08.2017

Wie viel Hygiene muss sein? So viel wie es nur geht, lautet wohl die Antwort deutscher Drogeriemarktkunden. Diese lassen mit ihrer Nachfrage nach Handdesinfektionsmittel die Kassen von DM und Co. klingeln. Doch wie sinnvoll sind diese Produkte für den normalen Verbraucher?

15.08.2017
Wissen Gentherapie als neue Hoffnung - Mit Immunzellen gegen Krebs

In den USA steht die erste Gentherapie zur Behandlung von Krebs vor der Zulassung. Auch in Deutschland dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis es soweit ist. Speziell im Kampf gegen Leukämie erwarten Forscher viel von der Behandlung – doch die Nebenwirkungen sind enorm.

15.08.2017