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13:37 17.08.2017
Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Auch der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg hat dies in seiner frühen Jugend am eigenen Leibe schmerzhaft erfahren. Sehr prägend waren seine Erlebnisse in den Vierzigerjahren, als er mit seinen Eltern nach Detroit gezogen war, wo Rassenkonflikte an der Tagesordnung waren. Als seine Mitschüler erfuhren, dass er jüdischer Abstammung war, wurde er von ihnen gedemütigt, beleidigt und geschlagen – wieder und wieder.

Seit dieser Zeit beschäftigte ihn die Frage: Wie kommt es, dass Menschen sich Leid antun, und was hält Menschen davon ab, menschlich und miteinander in Verbindung zu sein, also einem Bedürfnis nachzugehen, welches bei allen Menschen von zentraler Bedeutung ist. Während seines Psychologiestudiums und später als Psychiater erkannte er die Wirkung des sprachlichen Ausdrucks und die Wichtigkeit unseres Einfühlungsvermögens in uns selbst und in den anderen. Außerdem wurde ihm klar, dass alle Menschen immer versuchen, ihre Bedürfnisse zu nähren, und dass alle Menschen prinzipiell die gleichen Bedürfnisse haben. Weiterhin beobachtete er, dass den meisten Menschen, mit denen er zu tun hatte, fundamentalen Fehlannahmen unterliegen. Eine Fehlannahme liegt darin, dass, wenn einer etwas tut oder sagt, was beim anderen negative Gefühle zur Folge hat, wir meist der Überzeugung sind, dass dieser die Ursache für unsere unangenehmen Gefühle ist. Das führt dann schnell zu gegenseitigen Vorwürfen, Anklagen oder Bestrafung, ja manchmal bis hin zum Krieg. Rosenberg hat erkannt, dass das, was einer sagt, sehr wohl der Auslöser für unsere Gefühle ist, aber nie die Ursache.

Unser Bedürfnis ist ursächlich für unsere Gefühle

Unsere Gefühle entstehen aus unerfüllten Bedürfnissen und Erwartungen in der aktuellen Situation und nicht, weil jemand sich so oder so verhalten hat oder dies oder jenes gesagt hat. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Meine Freundin kommt reichlich zu spät zu einer Verabredung. Falls ich eine Bestätigung brauche, dass ich ihr etwas bedeute und diese scheinbar durch ihr Zuspätkommen nicht erfüllt wird, fühle ich mich möglicherweise verletzt. Für den Fall, dass mir daran liegt, meine Zeit für andere wichtige Dinge zu nutzen, bin ich vielleicht frustriert. Bin ich selbst spät dran, abgehetzt und habe das Bedürfnis, danach zur Ruhe kommen, bin ich eventuell froh über die Verspätung meiner Freundin.

Hier zeigt sich also, dass nicht das Verhalten anderer Menschen Ursache unserer Gefühle ist, sondern unser Bedürfnis, welches gerade im Mangel ist und genährt werden möge. So hat Marshall Rosenberg es treffend formuliert: „Die Gefühle sind die Duftspuren zu unseren Bedürfnissen.“ Daher sind Gefühle auch nicht negativ, sondern als Orientierungshelfer zu unserem Wohlergehen zu achten, weil sie uns helfen, unsere Bedürfnislage zu erkennen.

Eine weitere Fehlannahme besteht darin, dass im Mangel befindliche Bedürfnisse von nur einer bestimmten Person behoben werden können, beispielsweise von der Person, die Auslöser für meine unangenehmen Gefühle ist. Das mag so sein, muss aber nicht. Diese Erkenntnis macht uns frei vom Verhalten des anderen und verhilft der Freiheit des anderen, weil er nicht mehr einem Erwartungsdruck ausgesetzt ist.

Aus automatisierten Verhaltensmustern aussteigen

Damit wird uns ein anderer Weg offenbar, mit unliebsamen Gefühlen umzugehen, als der, anderen eine Schuld zuzuweisen oder anzuklagen: Mit Selbstempathie meine Gefühle und Bedürfnisse erkennen, fremdempathisch hinter dem Verhalten des anderen seine Gefühle und Bedürfnisse erspüren, um dann allein und zusammen nach geeigneten Handlungen oder Strategien zu suchen, die zur Erfüllung unserer Bedürfnisse beitragen.

Dies erfordert natürlich einige Übung, wobei die Methode der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auf Grundlage der oben genannten Erkenntnisse außerordentlich hilfreich ist. Eine Frage mag an dieser Stelle vielleicht auftauchen: Wie kommt man denn aus den alten dysfunktionalen Kommunikationsmustern raus? Antwort: Durch die Kultivierung von Achtsamkeit, einer sehr wirksamen Methode, um aus gewohnten automatisierten Verhaltensmustern auszusteigen.

Der Autor ist zu erreichen unter: www.achtsamkeit-und-co.de

Von Helmut Nowak/RND

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