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19:01 06.07.2018
Abtauchen in andere Welten: Die Kindernachrichten und Radiogeschichten des NDR haben viele treue Fans – nicht nur unter den Kindern. Quelle: iStock
Hamburg

Leise schiebt Jörgpeter von Clarenau die Studiotür auf, begrüßt lächelnd die Damen von der Regie. Hinter der Glasscheibe rückt Moderator Tim Berendonk seine Schirmmütze zurecht und lauscht einem Beitrag. Gerade wird die „Mikado am Morgen“-Sendung für den nächsten Sonntag aufgezeichnet. Drei Kinder stellen ihre Heimatstadt Braunschweig vor. Im Moment erzählt ein Reporter über Heinrich den Löwen und den Dom. Ein zufriedenes Nicken, ein erhobener Daumen in Richtung Moderator und der große Mann mit der Halbglatze tritt wieder auf die Flure des Hauses 13 auf dem Hamburger NDR-Gelände. Nach mehr als 30 Jahren gehört von Clarenau hier quasi zum Inventar. Anfangs als Moderator bei „NDR2 am Vormittag“ und der Jugendsendung „Der Club“. Seit 1989 ist er als Redakteur für das Kinderprogramm „Mikado“ verantwortlich. „Ich werde wohl keinen anderen Job mehr machen“, sagt der 61-Jährige, ohne Wehmut in der tiefen Stimme. Kein Wunder: Der Hamburger lebt Kinderradio wie kaum ein anderer in diesem Funkhaus.

Hörspiele sind seine Leidenschaft: Jörgpeter von Clarenau gehört beim NDR fast schon zum Inventar. Seit drei Jahrzehnten verantwortet er dort das Kinderradioprogramm. Quelle: NDR/Jann Wilken

Der Sonntagnachmittag gehört den fantasievollen Geschichten

Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Kinderbücher, bunt gebastelte Hörerpost und dicke Hörspielskripte. Letzteren gilt seine größte Leidenschaft. Während bei „Mikado am Morgen“ eher Themen wie Taschengeld oder Plastikmüll kindgerecht aufgegriffen werden, mit jungen Studiogästen und Reportagen, gehört der Sonntagnachmittag vor allem den fantasievollen Geschichten. Mit großer Begeisterung erzählt von Clarenau von neu entdeckten Kindersprechern und der kribbeligen Aufregung nach Abschluss einer Hörspielproduktion. Gerade erst hat er ein besonders aufwendiges Projekt hinter sich gebracht – die ersten beiden Bände von „Thabo – Detektiv und Gentleman“. In der gleichnamigen Krimireihe von Bestsellerautorin Kirsten Boie macht der afrikanische Junge Thabo Jagd auf Wilderer. Aus den ersten beiden Büchern der Reihe machte von Clarenau gemeinsam mit Autorin Angela Gerrits zwei wirklich spannende Hörspiele für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren. Neben Nachwuchssprechern sind auch Schauspielurgesteine wie Katharina Matz und Peter Kaempfe zu hören. Fast zwei Monate harte Arbeit stecken in den 53 Minuten.

Sonntags ist Hörspielzeit

Mikado: Die Sendung richtet sich an junge Hörerinnen und Hörer zwischen sieben und 13 Jahren. Gesendet wird auf NDR Info: an jedem Sonntag und an Feiertagen am Morgen um 8 Uhr und am Mittag um 14 Uhr, jeweils eine Stunde. Regelmäßig werden neue Bücher, CDs und Spiele vorgestellt. Es gibt Sendungen rundum Kinderthemen und viele Hörspiele.

www.NDR.de/info/sendungen/mikado

„Thabo – Detektiv und Gentleman“: Der kleine afrikanische Junge Thabo will später Privatdetektiv (und Gentleman) werden. Als im angrenzenden Safaripark ein Nashorn getötet wird, ist ihm klar: Diesen Mordfall wird er aufklären. Zusammen mit seinen Freunden Sifiso und Emma nimmt er die Ermittlungen auf. Der NDR machte aus dem ersten und zweiten Buch der Krimireihe von Kirsten Boie spannende Hörspiele.

Hören kann man „Thabo“ ab Herbst auf CD (Verlag Jumbo Neue Medien) oder jetzt schon online unter www.NDR.de/Thabo.

„Der Kampf um die Aufmerksamkeit ist härter geworden“

Doch lohnt sich diese (durchaus teure) Liebesmüh in allzu digitalen Zeiten? „Natürlich ist der Kampf um die Aufmerksamkeit der Kinder in den letzten 30 Jahren härter geworden“, gibt der 61-Jährige zu. Neben dem Fernsehen drängen Netflix-Serien oder Apps auf Smartphone und Tablet in die Kinderzimmer. Für den Radiomacher ist das eher Ansporn als Abschreckung. „Belanglosigkeit und Langeweile werden von jungen Hörern knallhart bestraft. Wir wollen deshalb Radio auf Augenhöhe machen, ohne Erklärungen von oben, ohne grässlichen Verzückungston. Stattdessen mit Sendungen, die auch Erwachsene gerne hören“, sagt er. Wie gut dieser hohe Anspruch bei den Hörern ankommt, darüber gibt es keine Zahlen. Zielgruppenforschung betreibt der NDR nur bei Erwachsenen. So bleiben nur die Rückmeldungen der Kinder, liebevoll geschriebene und gebastelte Briefe und zunehmend auch E-Mails.

Reichlich Fanpost von den „Mikado“-Hörern

Auf den Postfächern vor seinem Büro, vom Schreibtisch aus gut sichtbar, steht eine besonders kunstvolle Einsendung – ein bunter, etwa kürbisgroßer Planet, gebastelt von einem Kind (und vermutlich seinen Eltern). „Das sagt doch viel über die Begeisterung unserer Hörer aus. Sicher hören uns keine Millionen von Kinder zu, aber es gibt ein treues Publikum“, sagt von Clarenau und lehnt sich auf seinem Bürostuhl zurück. Was ihn besonders freue: So mancher Hörer ist nicht nur mit „Mikado“ groß geworden, sondern inzwischen selbst Mutter oder Vater von begeisterten Nachwuchshörern.

„Kinder zu begeistern ist eine Herzensangelegenheit“

Nicht nur Eltern sorgen für neues Publikum, auch die Redaktion geht gezielt auf die Hörer von morgen zu: Bei der Aktion „Hörspiel in der Schule“, unterstützt von Programmdirektor Joachim Knuth, besucht ein NDR-Team Schulklassen im Sendegebiet und produziert kleine Hörspiele. Die Begeisterung der Lehrkräfte für dieses Projekt ist groß, fast täglich gehen neue Bewerbungen ein. Ein gutes Zeichen, wie von Clarenau findet: „Kinder früh für Bücher und Hörspiele zu begeistern ist eine Herzensangelegenheit. Wenn mir das in den letzten 30 Jahren einigermaßen gelungen ist, hat sich die lange Zeit im Sender absolut gelohnt“.

Von Birk Grüling /RND

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