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19:02 01.06.2018
Nicht bloß kuscheln in den Kissen: Auch ältere Menschen verspüren nach wie vor Lust auf Sex und haben Sehnsucht nach Körperlichkeit. Quelle: iStock
Hannover

Dumme Sprüche zum Thema gibt es genügend: „Hast du noch Sex oder spielst du schon Golf?“ – „Besser Hosenladen zu und Weinflasche auf!“ – „Essen ist der Sex des Alters.“ Dass auch Oma und Opa abends mehr wollen könnten, als mit ihrem Weinglas in der Hand brav nebeneinander auf der Couch zu sitzen, will wohl kaum ein Enkelkind so ganz genau wissen. Dabei ist längst bekannt, dass sexuelle Funktionen bei vielen Menschen bis ins hohe Alter erhalten bleiben und auch der Wunsch nach Sex nicht unbedingt nachlässt.

Erfülltes Sexualleben – erst recht im Alter

Die Universität Leipzig befragt seit 1994 regelmäßig Deutsche nach ihrer sexuellen Aktivität. Demnach haben gut drei Viertel der Männer und Frauen zwischen 60 und 70 Jahren regelmäßig Sex. Und noch etwas fällt auf: Die älteren Befragten ab 60, die in einer Partnerschaft leben, sind heutzutage sogar sexuell aktiver als alleinstehende 18- bis 30-Jährige. Dort spielt sich bei fast einem Drittel nichts oder nur wenig im Bett ab.

Vor allem Frauen zwischen 60 und 70 Jahren haben ein aktiveres Liebesleben als noch vor einigen Jahren. Während 1994 rund 31 Prozent von ihnen angaben, regelmäßig Sex zu haben, bezeichneten sich 2016 schon 42 Prozent als sexuell aktiv.

Die Lust, die eigene Lust neu zu entdecken

Viele von ihnen haben gerade in den Wechseljahren Lust, die eigene Sexualität neu zu entdecken und neue Erfahrungen zu sammeln. Selbst der Sex mit einem lang vertrauten Partner kann sich verändern. Paare, die offen miteinander umgehen und kommunizieren können, was ihnen wichtig ist, können auch im Alter beim Sex durchaus noch auf ihre Kosten kommen.

Verhütung bleibt auch in den Wechseljahren ein Thema

Was häufig vergessen wird: Selbst in den Wechseljahren ist eine Schwangerschaft nicht ausgeschlossen. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2015 in Deutschland 2268 Kinder von Frauen geboren, die 45 Jahre oder älter waren. Das entspricht 0,3 Prozent aller lebend geborenen Babys dieses Jahres.

Als beendet gilt die fruchtbare Lebensphase erst, wenn ein Jahr lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Um das zu überprüfen, müssen Frauen allerdings die Pille absetzen und zu anderen Verhütungsmethoden greifen. Denn durch die Pille kommt es jeden Monat in der Einnahmepause lediglich zu einer sogenannten Abbruchblutung, die mit dem natürlichen Zyklus nichts zu tun hat.

Was tun bei schwächelnder Libido?

Doch was, wenn die Libido im fortgeschrittenen Alter anfängt zu schwächeln? Männer beschäftigt dieses Thema meist im Alter zwischen 35 und 44 Jahren, bei Frauen sinkt das sexuelle Interesse etwas später im Alter von 55 bis 64 Jahren.

Beim Thema Unlust kann man sich auch von Medizinern helfen lassen. Quelle: Fotolia

Wenn sich der Körper verändert, kann das die Lust schwächen

Ein Mangel an Testosteron kann die sexuelle Lust bei Frauen wie auch bei Männern mindern. Tatsächlich scheinen Männer in einem bestimmten Alter eine ähnliche Phase zu durchlaufen wie Frauen in den Wechseljahren. Sie leiden an Antriebslosigkeit, Verstimmung, Gewichtszunahme am Bauch, sexueller Unlust. Der sinkende Östrogenspiegel im weiblichen Körper führt dazu, dass die Genitalschleimhaut nicht mehr ausreichend befeuchtet wird, sie wird dünner und empfindlicher. Viele Frauen leiden während der Wechseljahre unter genitaler Trockenheit, haben Schmerzen beim Sex. Das steigert das sexuelle Interesse nicht unbedingt – heißt jedoch im Umkehrschluss auch nicht, dass an der Unlust allein der Hormonmangel schuld ist. Gegen Scheidentrockenheit helfen schließlich Gleitgels und andere Präparate.

Männer und Frauen leider unter ihrer Unlust

Eine groß angelegte britische Studie hat sich mit den Gründen für die sexuelle Unlust befasst. Denn immerhin leiden rund 15 Prozent der Männer unter ihrem sexuellen Desinteresse, bei den Frauen sind es sogar mehr als ein Drittel. Das Ergebnis: Für die Lust auf Sex sind meistens vor allem seelische Faktoren verantwortlich. Ob jemand erregt ist, hat mit den Hormonen kaum zu tun. Stattdessen sind es der Studie zufolge bei beiden Geschlechtern Krankheiten, Kommunikationsprobleme mit dem Partner, Stress oder Schwierigkeiten, die die Lust auf Sex mindern. Umgekehrt verspüren diejenigen Befragten die meiste Lust auf Sex, die regelmäßig mit ihrem Partner sprechen – auch über Sex.

Sex ist gesund für Frauen

Schöner Nebeneffekt: Frauen ab 60, die häufig befriedigenden Sex haben, tun ihrer Gesundheit offenbar etwas Gutes. Wissenschaftler der Universität Michigan untersuchten in den Jahren 2005 und 2006 sowie zehn Jahre später rund 2000 Frauen und Männer, die zu Beginn der Studie zwischen 57 und 85 Jahre alt waren. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass befriedigender Sex bei älteren Frauen das Risiko von Bluthochdruck deutlich verringert. Die Forscher vermuten, dass dies auf das beim weiblichen Orgasmus frei werdende Sexualhormon zurückzuführen ist.

Zugleich steigt bei sexuell aktiven Männern gleichen Alters der Studie zufolge das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkten. Die Autoren der Studie führen das auf den Stress zurück, dem Männer beim Sex ausgesetzt sind. Sie hätten weniger körperliche Energie und oft Probleme, eine Erektion oder gar einen Orgasmus zu bekommen. Zudem trage neben dem Rückgang des männlichen Sexualhormons Testosteron auch die Einnahme von Medikamenten gegen Erektionsstörungen zum erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Männern bei.

Von solchen Ergebnissen sollte sich jedoch niemand entmutigen lassen. Wer sich sportlich fit hält, den Kopf trainiert und auf die Ernährung achtet, fühlt sich in der eigenen Haut wohler und wird auch im Alter noch genügend Energie haben für die schönste Sache der Welt.

Tipps für guten Sex – auch im Alter

Nehmen Sie sich Zeit: Während es bei älteren Männer länger dauert, eine Erektion zu bekommen, brauchen Frauen mehr Zeit, bis sie erregt und feucht genug sind. Gehen Sie es darum in Ruhe an und begegnen Sie sich mit Humor und Offenheit.

Probieren Sie etwas Neues aus: Routinen zu durchbrechen und Kleinigkeiten zu verändern – und sei es nur, woanders zu essen oder die Plätze beim Fernsehen zu tauschen – kann neuen Schwung in die Beziehung bringen und damit auch die Lust aufeinander neu entfachen.

Reden Sie miteinander. Körper verändern sich: Manches, was früher schön war, funktioniert so nicht mehr. Leiden Sie nicht im Stillen, sondern gehen Sie in Ihrer Partnerschaft offen mit Problemen und Erwartungen um. Nur so können Sie aufeinander eingehen.

Von Alena Hecker/RND

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