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Hustenblocker am Steuer kann den Führerschein kosten

Achtung, Nebenwirkungen Hustenblocker am Steuer kann den Führerschein kosten

Besser den Beipackzettel lesen: Viele Medikamente schränken die Verkehrstüchtigkeit ein.

kw51 hustensaft

Quelle: Pixabay

Hannover. Winterzeit ist Erkältungszeit, und viele Menschen gehen deswegen nicht zum Arzt, sondern therapieren sich mehr oder weniger selbst. Doch Medikamente gegen Schnupfen, Husten oder Halsbeschwerden sind keineswegs ohne Nebenwirkungen. Vor allem, wenn sie Codein oder Alkohol enthalten, schränken sie die Fahrtüchtigkeit erheblich ein. So bringt Hustensaft nichts bei Führerscheinentzug, sondern befördert ihn im Zweifel. Diese Erfahrung musste ein Fahranfänger machen, der jüngst vor dem Verwaltungsgericht Neustadt in Rheinland-Pfalz vergeblich um seinen Führerschein gestritten hat.

Führerscheinentzug dank Hustensaft

Die Fahrerlaubnis war dem jungen Mann entzogen worden, weil bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle Codein in seinem Blut nachgewiesen wurde – ein Opiat. Die Polizei verdächtigte den Autofahrer, Betäubungsmittel konsumiert zu haben. Dieser erklärte wiederum, er habe lediglich aufgrund einer starken Bronchitis Hustensaft eingenommen und legte Widerspruch gegen den Führerscheinentzug ein. Ohne Erfolg.

Codein wird als Arzneistoff unter anderem zur Behandlung von Reizhusten angewendet und ist rezeptpflichtig. Der Antragsteller konnte jedoch weder eine Flasche des Hustensafts vorlegen noch ein Rezept nachweisen und behauptete, den Saft in Frankreich bekommen zu haben, wo er im freien Verkauf erhältlich sei.

Codein gilt als harte Droge

Die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Neustadt (Az. 1 L 871/17.NW) schenkte dem Mann keinen Glauben und attestierte ihm, er sei ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, da er mit Codein eine „harte Droge“ ohne ärztliches Rezept eingenommen und sich in diesem Zustand hinters Steuer gesetzt habe. Bei einem codeinhaltigen Hustenhaft handele es sich um eine unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Droge, die in Deutschland, aber wegen des massenweisen Missbrauchs vor allem durch junge Menschen mittlerweile auch in Frankreich, verschreibungspflichtig sei.

Selbst wenn der Fahrer ein Rezept hätte vorweisen können, hätte das durchaus den Führerscheinentzug zur Folge haben können. Denn Codein verlangsame das Reaktionsvermögen, insbesondere die Fähigkeit der Augen, sich auf wechselnde Lichtverhältnisse einzustellen, warnt die Deutsche Verkehrswacht. Für Mittel, die Opioide enthalten, gelte ein generelles Fahrverbot, heißt es beim ADAC. Ebenso wie nach Augenuntersuchungen, bei denen mittels Tropfen die Pupillen geweitet wurden, sowie in den ersten 24 Stunden nach einer Narkose.

Rezeptfreie Medikamente können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen

Es gibt jedoch kein Gesetz in Deutschland, das die Teilnahme am Straßenverkehr bei Einnahme von Medikamenten verbietet oder einschränkt. Jeder muss selbst vor Fahrantritt entscheiden, wie fit er sich fühlt und ob er entsprechende Warnhinweise zur Fahrtüchtigkeit auf dem Beipackzettel ignoriert. Kommt es zum Unfall, kann das jedoch schwerwiegende Konsequenzen haben: Wird in der Blutprobe beispielsweise ein Beruhigungsmittel nachgewiesen, erlischt womöglich die Kaskoversicherung und es drohen Geldstrafe und Fahrverbot.

Auch rezeptfreie Medikamente können die Fahrtüchtigkeit einschränken. Darüber hinaus sollte bei der Verwendung mehrerer Präparate auf Wechselwirkungen geachtet werden: Ein Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac in Kombination mit einem Benzodiazepin als Beruhigungsmittel etwa könne die Reaktionsfähigkeit so stark herabsetzen, dass man in der nächsten Kurve einfach weiter geradeaus fahre, warnt der ADAC.

Im Zweifel weiß der Arzt oder Apotheker Rat in Sachen Fahrtüchtigkeit – wenn nicht ohnehin das Bett im Krankheitsfall ein besserer Ort ist als das Auto.

Von Kerstin Hergt/RND

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