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Wissen Happy Slapping - was steckt hinter dem Prügeltrend?
Nachrichten Wissen Happy Slapping - was steckt hinter dem Prügeltrend?
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16:05 18.10.2017
Quelle: @ diego_cervo - depositphotos.com
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Beim Happy Slapping handelt es sich um eine Form des Cybermobbings. Das Opfer wird dabei nicht nur verbal oder auch körperlich attackiert, sondern nach der Tat zusätzlich durch das währenddessen aufgenommene Video gedemütigt. Die Täter laden dieses beispielsweise auf Plattformen wie YouTube hoch oder verbreiten es in beliebten sozialen Netzwerken wie Instagram oder Snapchat. Was für das Opfer aufgrund der großen medialen Aufmerksamkeit besonders unangenehm und demütigend ist, verschafft den Tätern Anerkennung – so zumindest das offenbare Empfinden.

Der Trend des Happy Slapping hat erst mit der größeren Verbreitung des Handys Fahrt aufgenommen. Nahezu jeder Jugendliche und ebenso ein Großteil jüngerer Kinder sind heutzutage im Besitz eines Smartphones, die meisten Geräte sind internetfähig und ermöglichen eine schnelle Kommunikation via InstantMessenger, Video oder sozialen Medien. Gerade die enormen technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre machen es mittlerweile möglich, dass eine Videoaufnahme schnell und bequem über einen einzigen Klick erfolgt. Genauso einfach: Der Upload auf das Videoportal der Wahl.

Happy Slapping ist strafbar

Wie bei jeder Androhung oder Ausführung von Gewalt handelt es sich auch beim Happy Slapping keineswegs um ein Kavaliersdelikt, sondern eine ernste Straftat mit Folgen. Je nach Vorfall machen sich die Täter unterschiedlicher Vergehen schuldig, beispielsweise schwerer Körperverletzung oder Verbreitung bzw. öffentlicher Zurschaustellung der Aufnahme. Kompliziert wird ein solcher Fall, wenn die Täter noch nicht strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können. Grundsätzlich gilt, dass jede Person ab 14 Jahren schuldfähig ist. Kinder unter 14 Jahren sind demnach strafunmündig und können nicht strafrechtlich verfolgt oder zur Verantwortung gezogen werden. Liegt eine Anzeige gegen Kinder unter 14 Jahren vor, dann prüft die Polizei einen solchen Fall aber dennoch, meist in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Daraus können zwar keine Strafen resultieren, wohl aber verschiedene Sanktionen gegenüber dem kindlichen Täter – etwa soziale Trainingskurse, Gruppenarbeiten oder sogar kurzzeitige Unterbringung in Erziehungseinrichtungen.

Sind die Täter hingegen 14 Jahre oder älter, sind sie für ihr Handeln strafrechtlich verantwortlich. Bis zum Alter von einschließlich 17 Jahren greift hier das Jugendstrafrecht. Im Strafprozess kann der Richter beispielsweise Erziehungsmaßnahmen wie Trainingskurse oder Arbeitsstunden verordnen, aber auch Jugendstrafen und Bewährungszeiten sind durchaus üblich je nach Schwere der Tat.

Prävention als wichtigste Maßnahme gegen Happy Slapping

Gerade jungen Menschen sind die mitunter sehr ernsten und langfristigen Folgen von Gewalttaten nicht immer klar. Umso wichtiger sind daher Präventivmaßnahmen – zum Beispiel an Schulen –,  um Kinder und Teenager frühzeitig über die moralischen Aspekte von Happy Slapping aufzuklären. Sinnvoll wären beispielsweise konkrete Regelungen bezüglich der Handhabung des Smartphones auf dem Schulgelände, ebenso müssen mögliche Sanktionen klar kommuniziert und bei Bedarf auch konsequent ausgeführt werden. Viele Aspekte wie Gewaltverherrlichung, Extremismus oder auch Pornografie spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und sollten pädagogisch aufbereitet werden. Ebenfalls denkbar sind Elternabende, um den Umgang mit neuen Medien gemeinsam im Kreise der Erziehungsberechtigten zu besprechen.

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