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19:03 06.06.2018
Bezauberndes Naturschauspiel: Glühwürmchen fliegen in Nanjing, China, in der Nähe des Linggu- Tempels. Quelle: dpa
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Elkmont

Die ersten Besucher kommen am Morgen. Sie stellen Campingstühle auf, breiten Decken zum Draufsetzen aus. Im Lauf des Nachmittags werden es immer mehr. Am frühen Abend gibt es kaum mehr Platz auf der Forststraße von Elkmont im Great Smoky Mountains Nationalpark im US-Bundesstaat Tennessee. Shuttlebusse haben die Menschen in das Waldstück gekarrt. Jetzt stehen Familien, verliebte Pärchen, Touristen und Locals in der Dunkelheit. Allmählich werden die Menschen leiser, dann geht es los, ein Blinken hier, ein Licht da. Als dann Zehntausende Glühwürmchen zur gleichen Zeit pulsierend leuchten, brandet Beifall auf.

Die sanften Stars der Sommernächte

Im Nationalpark in Tennessee nahmen vergangenes Jahr 22.000 Menschen an einer Lotterie um 1800 Zufahrtsberechtigungen teil, um die seltenen synchron leuchtenden Tiere im Wald zu bewundern. Im thailändischen Amphawa gibt es Flussrundfahrten zu den besten Glühwürmchen-Spots, Japaner feiern Festivals zu Ehren der Insekten, und in Wuhan in China hat vor drei Jahren der erste Glühwürmchen-Themenpark eröffnet.

Schwirrende Licher: Glühwürmchen lassen sich in Nanjing, China, in der Nähe des Linggu Tempels entdecken. Quelle: picture alliance

Lichtmaschinen im Bauch

Die blinkenden Wundertiere haben Lichtmaschinen im Bauch, sind exzellente Schleimspurdetektive und präzise Sturzkampfbomber. Sie nutzen eine Art Dating-App für Insekten, sind Energieeffizienz-Meister und sterben nach nur einer Woche. Doch der Reihe nach.

Können Würmer fliegen?

Natürlich fliegen Würmer nicht. Glühwürmchen sind auch keine Würmer, sondern Käfer. Eigentlich heißen Glühwürmchen nämlich Leuchtkäfer oder Johanniskäfer, Experten sprechen von Lampyridae.

Glühwürmchen werden die Insekten wohl genannt, weil die Larven oder die flügellosen Weibchen an Würmer erinnerten.

Weltweit existieren mehr als 2000 Arten, drei davon in Deutschland: der Kleine Leuchtkäfer, der Große Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer.

Leuchten Glühwürmchen wirklich oder spiegeln sie nur andere Lichter wider?

Leuchtkäfer erzeugen selbst Licht. Diese Fähigkeit, Licht zu produzieren, heißt Biolumineszenz. Am Hinterleib der Glühwürmchen befinden sich ihre Lichtmaschinen, die Leuchtzellen, genannt „Laternen“. In ihnen läuft eine chemische Reaktion ab. Der Stoff Luciferin reagiert unter dem Einfluss des Enzyms Luciferase mit Sauerstoff, dabei wird Energie in Form von Licht frei.

Luciferin kommt aus dem Lateinischen, von lux (Licht) und ferre (tragen, bringen). Luciferin ist also der „Lichtträgerstoff“. Interessanterweise sind die Laternen aufgebaut wie ein Autoscheinwerfer: eine durchsichtige Gewebeschicht (das „Glas“), die lichtgebenden Zellen (die „Glühbirne“) und eine Zellschicht bestehend aus Harnsäurekristallen (der „Spiegel“, der das Licht nach außen reflektiert).

Warum leuchten sie?

Die Insekten senden Leuchtsignale aus, damit sich Männchen und Weibchen zur Paarung finden. Das romantische Blinken ist also wie eine optische Dating-App. Die Männchen erkennen die Weibchen ihrer Spezies an deren Leuchtmuster, also der Helligkeit, der Lichtfarbe, der Pulslänge, der Länge der Intervalle oder auch der Form des Leuchtkörpers. Das am hellsten leuchtende Weibchen lockt die meisten Männchen an. Diese fliegen in zwei bis drei Metern Höhe und lassen sich senkrecht auf ein Weibchen fallen, wenn sie eines entdeckt haben. Es ist ein Rennen gegen die Zeit: können Weibchen keine Männchen anlocken, wird das Leuchten schwächer und schwächer, bis die Laterne erlischt. Wenige Weibchen haben genug Energie, um länger als etwa zehn Tage zu leuchten. Klappt es mit der Paarung, stirbt das Männchen unmittelbar nach dem Akt, das Weibchen schaltet in der Regel sein Licht ab und beginnt wenige Tage darauf mit der Eiablage.

Wie lange leben sie?

Die fliegenden Leuchtkäfer leben nur etwa sieben bis zehn Tage in dieser Form. Ihre Larven bereiten sich zwei bis drei Jahre auf diese wenigen Tage vor. Das heißt, dass die Glühwürmchen weit weniger als ein Prozent ihrer Lebenszeit leuchten. Die Larven schlüpfen im August und ernähren sich von Schnecken. Nach zwei oder drei Wintern verpuppen sich die Larven im späten Frühjahr oder Frühsommer. Nach zehn Tagen verlassen sie als Käfer die Puppe. Dann folgt die „Blinkphase“ und die Paarungszeit.

Wovon ernähren sich Glühwürmchen?

Wenn wir Leuchtkäfer fliegen sehen, sind sie in der Fastenzeit. Viele der Leuchtkäferarten haben nicht einmal Beißwerkzeuge, da sie ohnehin nichts zu sich nehmen müssen. Sie leben von Luft und Liebe. Nur die Larven der Käfer fressen – und zwar reichlich. Ihre Leibspeise: Nackt- und Gehäuseschnecken aller Art. Da die Larven praktisch blind sind, folgen sie dem abgesonderten Schneckenschleim, auf dem sich Schnecken fortbewegen. Versuche ergaben, dass die Larven auch dreißig Stunden, nachdem eine Schnecke einen Weg genommen hat, die Schneckenspur als Fährte nutzen konnten.

Können alle Glühwürmchen fliegen?

In Europa können nur die Männchen fliegen und blinken, die Weibchen haben nicht einmal Flügel. Während der Paarungszeit sitzen die Weibchen leuchtend im Gras oder auf Büschen, die Männchen tanzen blinkend durch die Luft und halten Ausschau nach ihren Partnerinnen.

Glühwürmchen sind viel mehr Käfer denn Würmchen. Quelle: soupstock/stock.adobe.com

Wo finde ich Glühwürmchen?

In unseren Breitengraden halten sie sich gerne an Waldrändern und in lichten Gebüschen auf, in Wiesen, Parks und Gärten, an Böschungen und Bahndämmen. Sie lieben die Nähe zu offenem Wasser.

Wie hell ist das Leuchten?

Nicht sehr hell, eine Kerze ist etwa tausendmal heller als ein mitteleuropäischer Leuchtkäfer. Stärker leuchten die Tiere in anderen Erdteilen. Der Naturforscher Alexander von Humboldt soll sich auf einer seiner Amerikaexpeditionen eine Leselampe gebastelt haben, indem er einen Kürbis aushöhlte, mit Löchern versah und Leuchtkäfer darin einsperrte.

Wie kann ich den Tieren helfen?

Weil die Tiere ihre Partner über die Leuchtsignale der Weibchen finden, behindern „Störlichter“ im Garten die Tiere bei der Fortpflanzung. Es hilft, die Zahl der künstlichen Lichtquellen zu verringern. Verzichten Sie auf den Einsatz von Insektiziden und Schneckenmitteln. Diese Mittel gefährden die Larven und die Leuchtkäfer und töten deren Nahrungsgrundlage, die Schnecken. Fördern Sie die Ansiedlung von Glühwürmchen, indem Sie Laub-, Stein- oder Asthaufen liegen lassen. Trockenmauern, Streifen mit Wildkräutern oder Hecken bieten den Tieren Verstecke.

Wann kann ich sie sehen?

Gewöhnlich sind die Monate Juni und Juli in Mitteleuropa die Hoch-Zeit der Käfer. Höhepunkt ist häufig um den Johannistag (2018 ist das der 24. Juni), deshalb werden die Insekten auch als Johanniskäfer bezeichnet. Generell beginnen die Käfer in der späten Dämmerung zu leuchten. 22 Uhr etwa ist also die optimale Zeit, gegen Mitternacht hört das Blinken meist auf. Haben Sie die Tiere aufgespürt, gibt es nur eines: innehalten, beobachten, genießen. Schließlich stehen die Tiere für die längsten Tage des Jahres, für die Liebe und für das Glück. Selbst, wenn man mit 1500 Gleichgesinnten an einem Waldrand in Tennessee steht.

Von Stefan Wagner/RND

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