Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Gibt es das Single-Gen?
Nachrichten Wissen Gibt es das Single-Gen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:04 05.05.2017
Und sie ist wieder allein, allein. Manche Menschen scheinen einfach immer nur Pech in der Liebe zu haben. Quelle: Unsplash / Henry
Berlin

In Liebesdingen scheinen manche Menschen das Glück gepachtet zu haben. Sie sind immer in einer tollen Beziehung. Andere scheinbar genauso nette und attraktive Menschen sind ewig Single. Eins ist klar, für das Scheitern oder den Erfolg einer Beziehung gibt es alle möglichen Gründe. Zum Teil mag sogar das Schicksal darüber entscheiden, wann eine Liebe gelingt. Ob wir ein gutes Händchen für Beziehungen haben oder nicht, wird aber offenbar auch von den Genen beeinflusst.

Zum einen liegt das daran, dass unser Charakter von den Genen mitgeformt wird. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass bis zu 50 Prozent einer Persönlichkeit vererbbar sind. Und die kann es uns leichter oder schwerer machen, eine Beziehung zu führen.

So fanden chinesische Forscher heraus, dass Studenten mit einer bestimmten Genvariante, dem sogenannten 5-HT1A-Gen, häufiger Single waren als andere. Bei den Singles lag häufiger die Ausprägung eines Gens vor, die zu einem niedrigen Spiegel des Hormons Serotonin im Gehirn führte. Die Erklärung der Forscher: Träger der Genvariante neigen stärker dazu, neurotische Persönlichkeiten zu sein und psychische Probleme zu haben. Das wiederum könne Beziehungen scheitern lassen und es erschweren, Partner überhaupt erst kennenzulernen.

Kuschelhormon sorgt für Vertrauen

Thomas Plieger empfiehlt allerdings, diese Studie nicht zu überbewerten. Er ist Mitglied eines Teams der Uni Bonn, das die Zusammenhänge zwischen Genen und Persönlichkeit erforscht. Zwar hinge der Charakter durchaus mit dem Erbgut zusammen. Ob jemand Eigenschaften hat, die sich eher gut oder eher schlecht auf eine Beziehung auswirken, werde aber nicht von einem, sondern von vielen verschiedenen Genen beeinflusst, sagt Plieger. „Ein einzelnes Single-Gen, das zum Alleinsein verdammt, wird es niemals geben.“ Dafür, wie Gene die Beziehungsfähigkeit steuern können, gebe es aber bessere Beispiele: „Unser Erbgut entscheidet nämlich darüber mit, was Bindungshormone wie Oxytocin im Körper bewirken.“

Der auch als Kuschelhormon bezeichnete Botenstoff wird bei körperlicher Nähe ausgeschüttet und sorgt dafür, dass wir anderen Menschen vertrauen und uns ihnen dauerhaft verbunden fühlen. Er stärkt die Mutter-Kind-Bindung genauso wie die zwischen Paaren. Sex und Zärtlichkeit lassen den Oxytocin-Spiegel in die Höhe schnellen, ebenso das Stillen eines Babys. Frauen mit einer bestimmten Genvariante, die schwächer auf das Hormon reagieren, scheinen weniger bindungsfähig zu sein. Einer Studie des Stockholmer Karolinska-Instituts zufolge heirateten diese seltener. Wenn sie es taten, hatten sie häufiger Ehekrisen.

Wühlmäuse verhalten sich unterschiedlich

Etwas weniger bekannt als Oxytocin, aber für das Entstehen von emotionaler Verbundenheit womöglich genauso wichtig, ist der Botenstoff Vasopressin. Er erfüllt unterschiedliche Funktionen im Körper und steuert zum Beispiel den Wasserhaushalt. Darüber hinaus wirkt sich das Hormon auf die Psyche aus. Auch hier stellten Forscher des Karolinska-Instituts einen Zusammenhang zum Bindungsverhalten fest. Männer mit einer speziellen Genvariante, bei denen Vasopressin anders verarbeitet wurde, waren seltener verheiratet und hatten deutlich öfter Beziehungsprobleme.

Bei Wühlmäusen scheint Vasopressin sogar die Treue zu fördern. In einer Studie hatten monogam lebende Mäuse mehr Rezeptoren für das Hormon als Mäuse, die sich beliebiger paarten. Verpflanzte man Rezeptoren, die sensibler für Vasopressin machten, in das Gehirn der sich wahllos paarenden Mäuse, steigerte das auch bei denen die Treue. In einer Studie reagierten außerdem Rattenmütter mit einem bestimmten Gen stärker auf Vasopressin – und waren infolge besonders fürsorglich zu ihren Jungen. Blockierten Wissenschaftler die Wirkung des Hormons, nahm die Zuwendung deutlich ab.

Zuwendung der Eltern spielt große Rolle

Sollte man in Zukunft also einen Gentest vom Liebsten anfordern, bevor man sich ernsthafter einlässt? Oder versuchen, einen möglichen Gendefekt auszugleichen – und den Partner mit Oxytocin zu besprühen, bevor er alleine ausgeht? Ein entsprechendes Präparat mit dem Namen „Liquid Trust“ ist bereits online erhältlich. Diskutiert wird auch, Bindungshormone wie Oxytocin in der Paartherapie einzusetzen – wenn die Ausschüttung des Hormons nach Jahren nachlässt.

Thomas Plieger warnt, wir sollten trotz allem den Einfluss der Gene nicht überschätzen, wenn es um Beziehungen geht. Ob jemand fremdgeht oder nicht, hänge doch eher von anderen Dingen ab. Vom Miteinander in der Beziehung zum Beispiel, und natürlich auch davon, wie glücklich man in ihr ist. Und für die Bindungsfähigkeit seien auch Erlebnisse in der frühen Kindheit entscheidend. Die Zuwendung der Eltern prägt in dieser Phase unser persönliches Urvertrauen. Genauso entscheiden Erfahrungen mit früheren Partnern darüber mit, wie wir uns in einer aktuellen Beziehung verhalten. Ob man sich dabei von einem schlechten Erlebnis blockieren lässt oder ganz einfach daraus lernt, ist manchmal auch eine Entscheidung. Und um den einen Partner zu finden, mit dem man dauerhaft glücklich wird, braucht man dann noch etwas – ganz einfach ein bisschen Glück.

Zahlen und Daten zu Singles: https://de.statista.com/themen/60/single/

Die Wirkung der Gene

Wissenschaftler finden immer mehr darüber heraus, wie sich unsere Gene auf unsere Beziehungen auswirken. Gene bestimmen zum Beispiel darüber mit, wie stark der Körper auf bestimmte Botenstoffe reagiert und in welchen Mengen diese ausgeschüttet werden. Bei den Hormonen Oxytocin und Vasopressin ist bekannt, dass sie das menschliche Bindungsverhalten beeinflussen. Träger mit einer bestimmten Variante des 5-HT1A-Gens sind häufiger labile Persönlichkeiten und neigen stärker zu neurotischem Verhalten. Menschen mit dieser Genvariante sind häufiger Single. Die statistische Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung zu leben oder nicht, wird übrigens von vielen weiteren Faktoren beeinflusst – so etwa von der Stadt, in der man lebt. Als Singlehauptstädte gelten neben Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München zum Beispiel auch Regensburg oder Bremerhaven.

Von Irene Habich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Wissen Universitätsklinikum Frankfurt - Nach Keim-Fund: Intensivstation bleibt dicht

Noch immer ist die Gefahr am Uniklinikum Frankfurt nicht gebannt: Nach dem Fund eines multiresistenten Keims bleibt die Intensivstation weiter geschlossen. Ein externer Gutachter lobt das Vorgehen der Klinik.

04.05.2017

Manche Menschen haben eine besondere Vorliebe für Süßes. Warum ist das so? Forscher haben einen neuen Faktor ausfindig gemacht.

03.05.2017

Auf der Intensivstation des Uniklinikums in Frankfurt sind multiresistente Bakterien gefunden worden. Drei von fünf betroffenen Patienten sind inzwischen tot. „Mit höchster Wahrscheinlichkeit“ starben sie nicht am Keim, sondern an den Grunderkrankungen – das zumindest behauptet die Klinik.

01.05.2017