Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Forscher vermuten illegale FCKW-Produktion
Nachrichten Wissen Forscher vermuten illegale FCKW-Produktion
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 17.05.2018
Die Ozonschicht im Vergleich: 2013 (links) hat sich die Situation am Ozonloch über der Südhalbkugel im Gegensatz zu 2006 (rechts) verbessert. Quelle: dpa
Anzeige
Boulder

Amerikanische Forscher sind womöglich einem Umweltverbrechen auf der Spur. Sie fanden verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre, berichten sie in der Fachzeitschrift „Nature“. Die Stoffmenge von Trichlorfluormethan in der Atmosphäre sinkt demnach seit 2012 langsamer als nach den geltenden Umweltregelungen zu erwarten wäre. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) vermutet eine neue, illegale Quelle von Trichlorfluormethan.

Trichlorfluormethan gehört zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher unter anderem als Kühlmittel und als Treibmittel in Spraydosen verwendet wurden. In den 1970er-Jahren erkannten Wissenschaftler, dass FCKW die schützende Ozonschicht in der höheren Atmosphäre schädigen können.

Das ist die Ozonschicht

Ohne Ozonschicht gäbe es wohl kein Leben. In mehr als 15 Kilometern Höhe umhüllt sie die Erde und absorbiert einen Großteil der schädlichen UV-Sonnenstrahlung. Ozon entsteht aus Sauerstoff (O2): UV-Licht spaltet das Sauerstoff-Molekül in einzelne Atome auf, die sich dann mit anderen Sauerstoff-Molekülen zu Ozon (O3) verbinden.

1987 unterzeichneten 24 Staaten das Montrealer Protokoll. Darin verpflichteten sie sich, die Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen ozonzerstörenden Substanzen nach und nach zu stoppen. Mittlerweile sind 197 Staaten dem Montrealer Protokoll beigetreten.

FCKW fanden sich etwa in Kühlschränken oder Spraydosen. Die Moleküle sind sehr stabil und können deshalb jahrzehntelang Ozon zerstören. Deutschland beendete die Produktion von FCKW 1994. Experten hoffen, dass sich die Ozonlöcher in 50 Jahren wieder schließen werden. Ohne den FCKW-Stopp hätte die Nasa eine weitgehende Zerstörung der Ozonschicht bis 2050 erwartet.

Nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis im Jahr 1985 einigte sich die Staatengemeinschaft zwei Jahre später mit dem Montrealer Protokoll und folgenden Vereinbarungen auf eine drastische Reduzierung der FCKW. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Stoffgruppe.

Die Regelungen spiegeln sich auch in den Messdaten für Trichlorfluormethan in der Atmosphäre wider: Nach einem Stoffmengenanteil von knapp 270 Teilchen pro 1000 in der Mitte der 1990er-Jahre sank der Anteil zunächst kontinuierlich. Dass der Anteil auch nach dem Verbot der FCKW-Produktion nicht sofort auf Null sank, hat zum einen damit zu tun, dass der Abbau der Stoffe in der Atmosphäre zum Teil Jahrzehnte dauert. Zum anderen werden geringe Menge FCKW weiterhin freigesetzt, wenn etwa alte Kühlschränke verschrottet oder Gebäude abgerissen werden.

Doch etwa 2012 bekam die Trichlorfluormethan-Kurve einen Knick: Der Stoffmengenanteil sank nicht mehr wie erwartet. Dazu kamen steigende Unterschiede des Anteils auf der nördlichen und der südlichen Erdhalbkugel. Außerdem zeigt der Verlauf der Kurve innerhalb eines Jahres verdächtige Ähnlichkeiten mit dem Messkurvenverlauf zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Das lasse vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden.

Illegale Quelle in Ostasien?

Die Forscher simulierten mit verschiedenen Atmosphärenmodellen die Ausbreitung von Trichlorfluormethan anhand der vorhandenen Messwerte. Aber allein mit dem Luftaustausch in der Atmosphäre, auch wenn er ungewöhnliche Formen annehmen sollte, waren die Werte nicht zu erklären. Die Forscher um Montzka gehen deshalb davon aus, dass es eine neue Quelle für den Stoff gibt – dass er entgegen internationaler Klimaschutzvereinbarungen wieder hergestellt wird.

Als Größenordnung nennen die Wissenschaftler 13.000 Tonnen pro Jahr. Die Computersimulationen ergaben eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Quelle in Ostasien.

In einem ebenfalls in „Nature“ veröffentlichtem Kommentar bescheinigt Michaela Hegglin von der University of Reading (Großbritannien) dem Autorenteam eine sorgfältige Analyse. Sie betont die Bedeutung solcher wissenschaftlicher Untersuchungen: „Die Studie von Montzka und Kollegen zeigt einmal mehr, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind und geschützt werden müssen und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen.“

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Deutschlands Seen leiden immer mehr unter Schadstoffen und Mikroplastik, das ergibt ein Bericht des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Insgesamt 92 Prozent sind demnach bereits erheblich belastet.

16.05.2018

Wodurch zeichnet sich ein erfolgreicher Popsong aus? Diese Frage beantworten Wissenschaftler der University of California. Dafür haben sie mehr als 500.000 Songs ausgewertet.

16.05.2018

Lange dachte man, der Löffelstrandläufer sei ausgestorben. Doch von wegen! Über 100 Tiere erfreuen sich mittlerweile wieder bester Gesundheit. Und so geht es nicht wenigen Arten, deren Lage eigentlich schon hoffnungslos erschien. Das spektakulärste Comeback feiert der Mauritiusfalke.

15.05.2018
Anzeige