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Wissen Forscher: „Klimawandel lässt mehr extreme Hurrikane entstehen“
Nachrichten Wissen Forscher: „Klimawandel lässt mehr extreme Hurrikane entstehen“
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20:03 27.09.2018
Die Satelliten-Aufnahme zeigt den Hurrikan „Harvey“, der 2017 im westlichen Golf von Mexiko tobte. Quelle: NOAA GOES Project/dpa
Hannover/Berlin

Sie hießen „Franklin“, „Gert“, „Harvey“, „Irma“ und „Maria“: Die atlantische Hurrikansaison 2017 brach sämtliche Rekorde. Es schien, als würden tropische Wirbelstürme häufiger und stärker. Spekuliert wurde, dass die globale Erwärmung dazu beiträgt. Doch ein Trend ließ sich in der kurzen Zeit noch nicht ablesen, es fehlte an Beweisen.

Einen bedeutenden Nachweis liefert jetzt ein US-Forscherteam: Oberflächentemperaturen im Atlantik und weniger Aerosole, also Schwebeteilchen in der Luft, hätten in der Hurrikansaison 2017 dazu geführt, dass sich viele Stürme zu schweren Hurrikanen entwickelt haben, schreiben sie in einem gerade veröffentlichten Bericht im Fachjournal „Science“. Die Wissenschaftler hatten die Einflüsse verschiedener Faktoren für die Entstehung der Wirbelstürme mit einem Simulationsprogramm getestet.

Atlantik-Temperatur entscheidender als La-Niña-Effekt

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Oberflächentemperatur des Atlantiks in dieser Saison eindeutig ein wichtigerer Faktor für die Häufigkeit schwerer Hurrikane war als der zur gleichen Zeit auftretende La-Niña-Effekt, heißt es in einer Zusammenfassung des Science Media Centers in Berlin. La Niña bezeichnet einen anomal kalten Zustand im östlichen äquatorialen Pazifik, El Niño einen anomal warmen. Beide beeinflussen die atmosphärischen Strömungen über dem Atlantik: La Niña begünstigt Hurrikane über dem Atlantik, El Niño unterdrückt sie. Daher galt La Niña bisher als Ursache für die Zahl der heftigen Hurrikane.

Die Forscher vermuten, dass es künftig zu einer größeren Zahl schwerer Hurrikane kommen wird, wenn die Oberflächentemperatur des Atlantiks durch Treibhausgase weiter aufgeheizt werde. Diese Entwicklung zeigt sich bereits in den aufgezeichneten Daten.

Je wärmer die Ozeane, desto stärker die Stürme

Prof. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schätzt dies ähnlich ein. „Die Physik ist klar: Wir können zwar nicht exakt berechnen, wo Hurrikane entstehen und welchen Pfad sie genau einschlagen werden. Aber wir wissen, dass sie stärker werden, wenn sie über einen wärmeren Ozean ziehen“, sagt er. „Deshalb müssen wir immer zerstörerischere Hurrikane erwarten, je mehr wir den Planeten aufheizen.“

Nun hätten Kollegen aus den USA erstmals gezeigt, dass diese physikalische Gesetzmäßigkeit schon so stark ist, dass man sie in den Daten beobachten könne. Levermann verweist auch auf die ökonomische Auswirkungen: „Abschätzungen haben gezeigt, dass die Hurrikan-Schäden schneller ansteigen als das Pro-Kopf-Einkommen in den betroffenen Gebieten der USA – ein Beispiel dafür, dass man den Wettlauf mit dem ungebremsten Klimawandel nicht gewinnen kann.“

Unbeteiligte Forscher begeistert von Studie

Prof. Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, bezeichnet die Arbeit der US-Kollegen als „ausgezeichnet“. Damit zeigten die Autoren, dass die häufigen starken Hurrikane während der Saison 2017 nicht, wie bislang angenommen, hauptsächlich durch das im Pazifik stattfindende La Niña-Phänomen begünstigt wurden, sondern durch die besonders hohen Oberflächentemperaturen im tropischen Nordatlantik. „Dass dieser Einfluss bestehen könnte, war zwar spekuliert, bislang aber nicht nachgewiesen worden“, sagt Marotzke.

Allerdings verweist der Meteorologe auch auf Einschränkungen, die ebenfalls in dem „Science“-Beitrag diskutiert werden. So wisse man beispielsweise nicht, welchen Einfluss die relative Erwärmung des tropischen Nordatlantiks und auch das Wetterphänomen El Niño mit dem Klimawandel entwickeln werde.

Einfluss auf Europa noch ungewiss

Zu einem möglichen Einfluss auf Europa macht die Studie keine Aussage. „Eine solche wäre auch sehr schwer zu treffen, denn ein Einfluss auf Europa hängt auch sehr stark von den Änderungen in den allgemeinen Strömungsverhältnissen über dem subpolaren Nordatlantik und Europa ab – und hier sind die Ungewissheiten besonders groß“, sagt Marotzke.

Von Sonja Fröhlich

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