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Wissen Was tun gegen Alzheimer und Demenz?
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06:00 18.03.2019
Bei Demenz-Betroffenen funktioniert das Gedächtnis nicht mehr richtig. Quelle: Fotolia
Hannover

Professor Matthias Maschke ist Chefarzt der Abteilung Neurologie und Neurophysiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier sowie Vorsitzender des Demenzzentrums in Trier. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, mit einem vielfältigen Angebot Menschen mit Demenz gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und Angehörigen beratend zur Seite zu stehen.

Im Interview erklärt Maschke, woran man eine Demenz erkennt, welche Risikofaktoren es gibt und wie man am besten vorbeugen kann.

Herr Professor Maschke, Vergesslichkeit kann viele Ursachen haben. Bis zu welchem Grad ist sie unbedenklich?

Manch einer hat von Natur aus ein schlechteres Namensgedächtnis als andere. Wenn es um entfernte Bekannte oder irgendwelche Prominente geht, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Jeder hat auch schon mal erlebt, dass er beispielsweise in den Keller geht, um etwas zu holen, sich dann aber fragt: Was wollte ich hier eigentlich? Kommen solche Situationen gelegentlich vor, ist das normal. Bedenklich wird es, wenn mir plötzlich die Namen der nächsten Angehörigen entfallen oder auch die Erinnerung an das komplette vergangene Wochenende ausgelöscht ist. Das können durchaus Anzeichen von Demenz sein.

Wie erfolgt die medizinische Abklärung?

Der erste Schritt wäre ein Gespräch mit dem Hausarzt. Dieser sollte abklären, ob der Patient gerade stark unter Stress steht, unter Schlafmangel leidet oder was er für Medikamente einnimmt. Das sind alles Faktoren, die zu Aufmerksamkeitsstörungen führen können, aber noch keine Demenz begründen. Körperliche Untersuchungen und Laborwerte liefern weitere Hinweise, ob bestimmte andere Krankheiten auszuschließen sind. Besteht nach allem der Verdacht, dass das Nachlassen der Merkfähigkeit oder auch der Orientierung auf eine Demenz zurückzuführen ist, folgen neurologische Untersuchungen.

Zur Feststellung von Demenz werden auch psychologische Onlinetests angeboten. Was ist davon zu halten?

Solche Tests sind in höchstem Maße unzuverlässig. Der erste Weg sollte immer zu einem Arzt führen.

Professor Matthias Maschke ist Chefarzt der Abteilung Neurologie und Neurophysiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier sowie Vorsitzender des Demenzentrums in Trier.  Quelle: Screenshot

Viele Menschen haben Angst vor der Diagnose, meiden daher den Arzt und spielen aus Scham auch vor Angehörigen ihre Vergesslichkeit herunter. Lässt sich Demenz durch eine frühzeitige Behandlung aufhalten?

Es gibt behandelbare Formen. So kann etwa ein Mangel an Schilddrüsenhormonen Defizite im Gedächtnis und bei der Aufmerksamkeit fördern. Außerdem gibt es Zusammenhänge mit Vitaminmangel, einer Neuroborreliose oder auch einer versteckten Depression.

Inwiefern hängen depressive Störungen mit Demenz zusammen, sind sie Ursache oder Folge?

Depressionen lösen keine Demenz aus, können aber das Risiko dafür erhöhen. Andererseits kann eine Depression durchaus Frühsymptom einer Demenz sein. Vor allem wenn der Betroffene vorher nicht depressiv war.

Was sind weitere Risikofaktoren für eine Demenz?

Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, zu viel Alkohol oder aber auch ein Schädel-Hirn-Trauma.

Wie lässt sich andererseits das Risiko mindern?

Durch geistige und körperliche Aktivität: Lesen, Karten- oder Brettspiele spielen, Spaziergänge, tanzen und singen sind gute Methoden. Wichtig sind soziale Kontakte und auch die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle.

Wie kann denn eine optimale Ernährung aussehen, um Demenz vorzubeugen?

Es gibt Studien, die belegen, dass sich die sogenannte mediterrane Diät positiv auf die Hirnleistung auswirkt. Dazu gehört Olivenöl, viel frisches Obst, Gemüse, Fisch – und wenig rotes Fleisch.

Wer ist stärker von Altersdemenz betroffen, Männer oder Frauen?

Den Begriff Altersdemenz gibt es nicht! Es gibt vielmehr die normale Vergesslichkeit, die mit der Hirnleistung im Alter zu tun hat, und es gibt Formen von Demenz. Die häufigsten Formen sind die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre, also gefäßbedingte Demenz. Frauen leiden mehr an Alzheimer, was offenbar mit der höheren Lebenserwartung gegenüber Männern zusammenhängt. Diese sind häufiger von der vaskulären Demenz betroffen, bei der es infolge von Durchblutungsstörungen zum Absterben von Nervenzellen kommt. Bluthochdruck ist hier der wichtigste Risikofaktor.

Alzheimer, eine besonders schwere Form der Demenz, kann erblich bedingt sein. Unter welchen Voraussetzungen?

Direkt erblich ist die Alzheimer-Krankheit in den allermeisten Fällen nicht. Es besteht aber ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken, wenn diese Form der Demenz verstärkt in der Familie aufgetreten ist und insbesondere bei einem Elternteil.

Es gibt mittlerweile ein Gentestverfahren, um das Risiko zu ermitteln. Würden sie kognitiv gesunden Angehörigen dazu raten?

Der Test hat so lange keine Konsequenz, bis es ein Medikament gibt, das den Ausbruch verhindern oder zumindest verzögern kann. Nach dem jetzigen Stand der Forschung in der Humangenetik ist damit aber frühestens in zwei Jahren zu rechnen.

Wie verträglich sind Medikamente, die schon jetzt auf dem Markt sind und das Fortschreiten der Krankheit eindämmen?

Medikamente, die den alzheimerbedingten Abbau des Botenstoffes Acetylcholin im Gehirn verhindern, sind seit rund zwanzig Jahren auf dem Markt und in der Regel gut verträglich. Tatsächlich tragen sie auch zur Stärkung des Erinnerungsvermögens bei.

Welche Aktivitäten wirken sich positiv auf unsere Gedächtnisleistung aus? Und wie können wir durch Ernährung der Vergesslichkeit vorbeugen? In unserer Bildergalerie finden Sie die besten Strategien zur Vorbeugung von Alzheimer und Demenz.

Was ist mit pflanzlichen Mitteln wie Ginkgopräparaten?

Hier ist die Studienlage widersprüchlich. Es gibt keine verlässlichen Belege dafür, dass Ginkgo einen nachhaltigen Effekt hat.

Einen Demenzkranken zu Hause zu pflegen bringt viele Angehörige an ihre körperliche und psychische Belastungsgrenze.

Was sollte sich die Familie im Vorhinein unbedingt klarmachen, wenn sie sich für ein häusliches Pflegemodell entscheidet?

Man sollte sich möglichst früh beraten und sich im Umgang mit Demenzkranken schulen lassen – auch, um sich die unterschiedlichen Stadien einer Demenz bewusst zu machen. Nächtliche Unruhe, Inkontinenz und Weglauftendenzen sowie aggressives Verhalten machen Angehörigen am meisten zu schaffen. Hier ist es wichtig, sich Atempausen und Freiräume zu schaffen, beispielsweise, indem man zwischendurch auf eine Tagespflegeeinrichtung setzt. Außerdem können Selbsthilfegruppen sehr unterstützend wirken.

Was sind denn wichtige Schulungsinhalte im Umgang mit dementen Menschen?

Zum Beispiel validierendes Verhalten. Das bedeutet etwa im Falle ständiger Wiederholungen, einen Demenzkranken nicht zu korrigieren, sondern ihn zu akzeptieren und zu respektieren. Das gibt ihm das Gefühl, verstanden zu werden und nicht ausgeschlossen zu sein. Er wird ruhiger. Hinzu kommen Strategien zur Deeskalation, um auch selbst nicht aggressiv zu reagieren.

Im Alltag Demenzkranker kommt es oft zu tragikomischen Situationen. Als Angehöriger schwankt man oft zwischen Lachen und Weinen. Sollte man seinen Gefühlen freien Lauf lassen oder vor dem Kranken besser immer neutral bleiben?

Man darf mit jemandem lachen, aber nicht über ihn. Man darf auch weinen. Aber man sollte es vermeiden, dem Kranken das Gefühl zu geben, er sei ausgeschlossen oder schuld an irgendwas. Er kann kein Streitpartner mehr sein.

Was macht eine gute Demenzstation in einem Pflegeheim aus?

Es sollten genügend gerontopsychiatrische Fachkräfte dort arbeiten. Wichtig ist zudem, dass die Räumlichkeiten speziell ausgestattet sind mit Möbeln und Gegenständen aus einer Zeit, in der die Patienten jünger waren. Nostalgie weckt Erinnerungen und trägt zum Wohlfühlen bei.

Rund 80 Prozent aller Demenzkranken werden von Angehörigen gepflegt – eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Hilfe und Unterstützung bietet beispielsweise die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. unter anderem mit einem Beratungstelefon an.

Von RND/Kerstin Hergt

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