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10:02 01.06.2018
Birk Grüling schreibt als Journalist über Familie und Bildung. Mit Frau und Kind lebt er im Hamburger Speckgürtel. Quelle: gpt
Hamburg

Während Müdigkeit und Stimmung bei meinem trotzphasenden und kräftig zahnenden Sohn im Moment schnell wechseln, berichten die Erzieherinnen fast täglich mit glückseligen Augen von Mittagessen und Schmausepausen. Kartoffelbrei mit Fisch, Tortellini mit Spinat und alle Arten von Gemüse, selbst Blumenkohl. Mit großem Hunger verputzt mein Sohn offenbar alles, was ihm vorgesetzt wird.

Fast leere Teller. Sogar ein vegetarisches Mittagessen wird in der Kita verputzt. Quelle: Symbolbild: dpa

Ein windeltragender Gourmet

Leider ist diese Lust am „Alles-Essen“ an kitafreien Tagen wie weggeblasen. Selbst gekochte Kindernudeln mit Bio-Hühnchen und Käsesahnesoße werden von ihm genauso verschmäht wie Kinderwaffeln mit Apfelmus. Egal, mit welchen Wohllauten wir gedünstete Möhren in unsere Münder schieben, egal, wie oft wir den Geschmack des Selbstgekochten anpreisen, egal ob wir mit appetitfördernden Kinderliedern füttern wollen: Der windeltragende Gourmet verschmäht konsequent unsere elterlichen Kochkünste.

Manchmal liegen wir nach einem gescheiterten Kochversuch abends im Bett und fragen uns: „Was machen wir nur falsch?“ Die Antwort: nichts. Wir kaufen frisches Gemüse, selbstverständlich alles bio und aus der Region. Sogar mithilfe von zwei Bestseller-Babykochbüchern und einem Thermomix rücken wir dem wählerischen Gaumen unseres Kindes auf die Pelle. Mit mäßigem Erfolg: Einzig die selbst gebackenen Milchbrötchen wurden mit großer Freude verputzt. Schon der Kartoffelbrei nach Kinderrezept stößt auf erbitterte Gegenwehr.

Bärchennudeln mit Tomatensoße für alle

Das war nicht immer so. Kaum ein halbes Jahr alt, verspeiste unser Sohn all unsere selbst gekochten Breikreationen – Pute und Brokkoli mit Kartoffeln oder Spinat mit Lachs. Als junge Eltern wollten wir uns schließlich nicht ganz von der Babybrei-Industrie und ihren Geschmackskreationen abhängig machen. Auch hier scheiterten wir kläglich. Heute besteht unser Sohn am Wochenende auf genau diese Breimahlzeiten als Kita-Essen-Ersatz. Doch wir geben nicht auf. Irgendwann wird auch der Nachwuchs schon unsere Kochkünste zu schätzen wissen, und solange essen meine Frau und ich eben am Wochenende regelmäßig Babywaffeln, mit Bananen gesüßt, und Bärchennudeln mit sanfter Tomatensoße.

Von Birk Grüling/RND

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