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15:10 21.02.2017
Ob in der freien Natur, Zuhause oder in einem Kursus – Qigong ist an vielen Orten möglich. Quelle: Getty Images/iStockphoto
Hannover

Wenn Jürgen Keller spricht, etwa über seine Reise nach China in ein buddhistisches Kloster und seine „Arbeit“ als Qigong-Lehrer, dann kommt man schon beim Zuhören runter. Seine Stimme hat etwas Beruhigendes, wohl auch, weil Keller über sich selbst sagt, er sei tiefenentspannt. Das wirkt wie eine willkommene Abwechslung zu all den gehetzten Menschen, die einem normalerweise über den Weg laufen – und die Betonung liegt hier tatsächlich auf laufen.

Keller scheint dieses Leben fremd zu sein. Natürlich hat er auch ein Smartphone, doch statt morgens darauf erst einmal sämtliche Mails zu checken, meditiert er eine halbe Stunde mit seiner Frau. Ehe der Praxisalltag ihn einnimmt. Danach sei er viel gelassener, sagt er.

Qigong statt Pillen

Seit 25 Jahren unterrichtet der heute 61-Jährige nun schon Qigong. Ursprünglich hat er Masseur gelernt, doch diese Arbeit allein füllte ihn seinerzeit nicht aus. Heute kombiniert er beides, auch, weil er von der Heilkraft des Qigongs überzeugt ist. Die Menschen, die zu ihm in die Praxis kommen, um diese meditative Konzentrations- und Bewegungsform zu lernen, haben unterschiedlichste gesundheitliche Probleme – Schlafstörungen, Bluthochdruck, Depressionen. Viele von ihnen haben die ersten Berührungen mit Qigong bei einem Kuraufenthalt gemacht und wollen dranbleiben – „weil sie spüren, dass es ihnen guttut“, sagt Keller. Doch Keller versteht manchmal nicht, warum so wenige seiner Patienten bereit sind, die erlernten Übungen in ihren Alltag zu integrieren: „Da schmeißen sie sich lieber eine Pille ein, um möglichst schnell wieder fit zu sein, obwohl sie kurz zuvor festgestellt haben, wie gut ihnen die Übungen tun.“

Jürgen Keller praktiziert seit vielen Jahren Qigong. Die Übungen sind dem 61-Jährigen in Fleisch und Blut übergegangen – Tiefenentspannung inklusive. Quelle: Ina Funk

Ganz anders sei das in China: „Die Chinesen üben mitunter stundenlang“, erzählt Keller. Dass die Übungen auch auf alles andere als auf „schnell, schnell“ ausgelegt sind, verraten schon ihre wunderschönen Namen: „Rudern auf einem stillen See“, „Den Himmel anheben“ oder „Die Rückkehr des Frühlings“ sind nur eine Auswahl. Keller selbst sind sie längst in Fleisch und Blut übergegangen.

Beschwerden loswerden: ja – Veränderung: nein

„Wenn du regelmäßig übst“, sagt er, „dann veränderst du dich.“ Und genau das, glaubt er, sei der Knackpunkt: Viele wollten zwar ihre Beschwerden loswerden, aber sich nicht verändern. „Sie haben regelrecht Angst vor Veränderung.“

Dabei ist die positive Wirkung des Qigongs auf die Gesundheit längst nachgewiesen. Viele Krankenkassen bezuschussen die Kurse, wenn auch nicht fortlaufend, dann doch zumindest einen pro Jahr. Was Keller trotzdem ärgert, ist, dass Qigong in den Listen sämtlicher Kassen unter dem Stichwort „Entspannungstechnik“ geführt wird: Denn Entspannung, so Keller, sei allenfalls ein „angenehmes Abfallprodukt“. Vielmehr handele es sich beim Qigong um eine Heiltherapie, die dabei helfe, die Energien im Körper, also das Chi, wieder in Fluss zu bekommen.

Keller glaubt, dass viele Menschen deutlich fitter und ausgeglichener wären, wenn sie sich mehr Zeit für die alltäglichen Dinge nehmen würden. „Alles passiert nur so nebenbei“, moniert der 61-Jährige. „Wir komplizieren die Welt, bis wir glauben, dass sie wirklich kompliziert ist.“ Die chinesische Meditationslehre kann bei dem heute oftmals hektischen Lebenswandel ein (ent)spannender Gegenpart sein. Zwar dauere es bei sehr gestressten Menschen manchmal ein wenig, bis sie sich auf die langsam ausgeführten Bewegungsformen einlassen könnten, doch sei der Punkt erst einmal überwunden, würden recht schnell Erfolgserlebnisse eintreten.

Mit „schnell, schnell“ ist es beim Qigong nicht getan

Das macht Qigong auch für viele Altersklassen möglich: Die Patienten, die zu Keller kommen, sind zwischen 35 und 88 Jahren alt. Viele der Übungen könne man sogar im Sitzen ausführen. Wenn er nur noch einen Weg finden würde, seine Patienten auch privat zum Üben zu bringen. Auch wenn es schnell erlernbar ist, mit „schnell, schnell“ ist es beim Qigong nicht getan.

Auf den nächsten Balance-Seiten gibt Jürgen Keller weitere Einblicke in die Lehre des Qigong. In unserer Rubrik „Durchatmen“ stellen wir jede Woche eine Atem-, Körper- oder Bewegungsübung vor – für ein wenig Entspannung im hektischen Alltag.

Von RND/Carolin Burchardt

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