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11:06 24.08.2017
Christian Hemschemeier ist Paartherapeut und schildert an dieser Stelle regelmäßig Fälle aus seiner Praxis. Quelle: gpt
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Hamburg

Eine meiner wirklich interessanten Erfahrungen mit nun 18 Jahren als Paartherapeut ist, dass die Dinge, die landläufig als „unmoralisch“ gelten, häufig auch die stressigsten sind. Schon der Dalai Lama sagte mal, dass man keine Moral brauche um zu erkennen, dass zum Beispiel das Lügen meist keine gute Idee ist. Insbesondere Menschen mit schwierigen Beziehungserfahrungen empfehle ich daher die ganz normale „feste“ Beziehung mit gegenseitiger Treue – solange es eben hält. Es muss ja nicht immer alles für das ganze Leben sein.

Der Liebhaber verspricht, seine Ehe aufzugeben – tut es aber nicht

Dennoch sind wir alle nur Menschen. Gerade wenn Gefühle ins Spiel kommen, wirft man leicht bisher gültige Standards über Bord. Ich würde gern einmal die Situation der „Affäre“ beleuchten, da auch in dieser Konstellation mindestens eine Person sehr leidet: Karla kommt in meine Praxis für einen einzelnen Termin. Sie spielt in ihrer Freizeit Basketball, und sie hatte sich auf eine Affäre mit ihrem Trainer eingelassen. Eigentlich war er gar nicht ihr Typ, aber viele Komplimente und beharrliches Werben haben sie schließlich überzeugt. Das Problem war nur, dass ihr neuer Freund verheiratet und Vater zweier Kinder war. Er betonte allerdings von Anfang an, dass seine Ehe eigentlich in den letzten Zügen liege. Er wolle sich sowieso bald trennen und warte nur noch bis sein jüngstes Kind die Schule gewechselt hat. Dies alles war vor zwei Jahren – aber es ist nie zu der angekündigten Trennung gekommen. Immer wieder hatte er neue Gründe und Probleme angeführt, warum er sich doch nicht trennen könne. Immer wieder wurden neue Versprechungen gemacht – und gebrochen. Karla hingegen wünschte sich nicht nur eine offizielle Beziehung, sie wollte auch selber endlich eine Familie gründen.

Manche Geliebte wird einfach gegen die nächste ausgetauscht

Ich bespreche mit Karla, dass sich in solchen Konstellationen die Dinge selten ändern. Wenn ihr Freund sich hätte trennen wollen, hätte er es längst getan. Wahrscheinlich bekommt er alles von ihr, was er außerhalb seiner Ehe sucht und zu brauchen glaubt, das heimelige Zuhause mit seinen Kindern will er aber auch nicht aufgeben. Selbst wenn er eine offizielle Beziehung mit ihr eingehen würde, würde sie wahrscheinlich irgendwann auch betrogen werden (oft nimmt man fälschlicherweise an, man selbst wäre eine Ausnahme). Karla ist aber nicht ganz überzeugt. Sie sagt, sie hänge einfach zu sehr an ihm. Sie würde zwar sehr leiden, aber sie wollte ihm noch eine Chance geben und stärker einfordern, dass er sich jetzt endlich zu ihr bekennen sollte. Nach drei Monaten sehe ich Karla wieder, sie ist völlig am Boden zerstört. Ihr Freund wurde zusehends kühler und reagierte eher verärgert denn verständnisvoll auf ihre Wünsche. Nachdem er sich eine Weile gar nicht mehr gemeldet hatte, hatte Karla ein ganz schlechtes Bauchgefühl. Sie stellte ihn zur Rede. Schockiert stellte sie fest, dass sie inzwischen „ausgetauscht“ wurde gegen eine andere Frau, ebenfalls aus ihrem Sportverein. Von Trennung von der Ehefrau war keine Rede mehr.

Transparenz muss sein – gegenüber allen Beteiligten

Wir besprechen, dass Karla allen Kontakt abbricht und sich erstmal Zeit nimmt, zu verstehen, was passiert ist, und welche Anteile sie daran hat. Noch nie ist sie in ihrem Leben in eine ähnliche Situation gekommen. Natürlich enden nicht alle Affären so, aber dieses Muster ist erstaunlich häufig. Es hat übrigens nichts mit dem Geschlecht zu tun, Männern passiert dieses in Affären mit gebundenen Frauen genauso. Grundsätzlich empfehle ich, die eigenen Standards (die für die meisten Menschen Dreiecksbeziehungen ausschließen) nicht aufzugeben. Eigene Werte sollten idealerweise über den Gefühlen stehen. Falls man doch mal in so eine Situation gerät, sollte man möglichst schnell auf Transparenz für alle Beteiligten drängen. Notfalls darf man auch ein Ultimatum in Erwägung ziehen. Noch besser ist es allerdings, nur mit Menschen auszugehen, die ebenfalls Single und sind.

*Der Name wurde von der Redaktion geändert

Den Autor erreichen Sie unter: www.eheberatung.info

Von Christian Hemschemeier/RND

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