Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Die Geschichte vom Mann, dem Status und vielen Kindern
Nachrichten Wissen Die Geschichte vom Mann, dem Status und vielen Kindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 05.09.2016
Mann mit Einfluss: Der Status von Männern spielt in der Menschheitsgeschichte eine noch größere Rolle als gedacht. Quelle: Lukas Schulze
Anzeige
Richmond/Atlanta

Viel Macht, viele Nachkommen: Der Status von Männern spielt in der Menschheitsgeschichte einer Studie zufolge eine noch größere Rolle als gedacht. US-Forscher fanden heraus, dass ein hohes Ansehen in allen nicht-industriellen Gesellschaftsformen eine größere Nachkommenschaft fördert.

Damit widerlegen sie Annahmen, dass der Status vor allem bei sesshaften Völkern, die Nahrungsmittel anbauen oder Tiere halten, ein entscheidender Faktor ist. Heutzutage verliert das Statusprinzip Experten zufolge aber seine Wirkung.

Es gibt berühmte Beispiele für mächtige Männer mit außerordentlichem Reproduktionserfolg. So zeigen Millionen heute lebender Männer eine genetische Abstammung zu Dschingis Khan. Biologen nahmen aber bisher an, dass der Status des Mannes erst an Bedeutung gewann, als die Menschen sesshaft wurden.

Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte lebten Männer und Frauen als Jäger und Sammler. Diese Gesellschaften galten als egalitärer, da sie mehr auf Kooperation angewiesen waren, es gab weniger Besitzunterschiede und die Mitglieder der meist nomadenhaft lebenden Gruppen wechselten häufig.

Die Anthropologen Christopher von Rueden von der University of Richmond und Adrian Jaeggi von der Emory University in Atlanta analysierten 46 Studien über 33 heutige nichtindustrielle Gesellschaften, in denen ein Zusammenhang zwischen Ansehen und Reproduktionserfolg untersucht wurde. Der Status wurde dabei mit Hilfe verschiedener Kriterien gemessen - dazu zählten etwa körperliche Merkmale, Jagdfähigkeit, materieller Reichtum und politischer Einfluss.

Die Forscher aus den USA stellten fest, dass der Zusammenhang gleich groß war, egal ob die Gesellschaften vom Jagen und Sammeln oder von der Landwirtschaft oder Tierhaltung leben. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Der Reproduktionserfolg beruht zum einen auf der Fähigkeit viele Kinder zu zeugen, zum anderen auf der Fähigkeit, diese am Leben zu erhalten. Die Meta-Studie bestätigte die Vermutung, dass der Status besonders zu ersterem beiträgt. In monogamen Gesellschaften wird dies, so die Forscher, dadurch unterstützt, dass ein Mann mit hohem Status die aus biologischer Sicht bessere Partnerin bekommt - zum Beispiel eine junge Frau, die oft gebärt.

Auch in der heutigen Gesellschaft spielt der Status Experten zufolge, die nicht an der Meta-Studie beteiligt waren, eine große Rolle. Allerdings ergibt sich kaum mehr der ursprüngliche Effekt.

So meint der Humanethologe Wulf Schiefenhövel, dass in modernen industriellen Gesellschaften der Status des Mannes fast nur noch entscheidend für die Partnerwahl, nicht aber für die Anzahl der Kinder sei. Aus Sicht der Evolutionsbiologie sei das damit zu erklären, dass es nicht primär auf die Zahl der geborenen, sondern auf die Zahl der überlebenden Kinder ankomme. "Wir können heute von einem Abriss der ursprünglich sinnvollen Kopplung männlicher Status - reproduktiver Erfolg sprechen. Ob die Abkopplung evolutionär adaptiv, in anderer Weise sinnvoll, unerheblich oder ungünstig ist, wird die Zukunft zeigen", sagte der Max-Planck-Forscher.

Ulrich Kutschera vom Institut für Biologie der Universität Kassel sieht ebenfalls im Status ein wichtiges biologisches Merkmal. So gelte auch in modernen Gesellschaften das Hypergamieprinzip, nach dem Frauen die evolutionär herausgebildete Tendenz haben, ranghöhere Männer zu bevorzugen - auch Hochheiraten genannt.

Die Suche nach einem Mann mit hohem Status führe heute allerdings gerade nicht dazu, dass die Kinderzahl steige: "Eine naturwidrige Bevölkerungspolitik führt dazu, dass gebildete Frauen erst spät an Nachwuchs denken, wenn die qualifizierten Männer schon vergeben sind. Frauen eliminieren dann manchmal lieber ihr Genom über die natürliche Selektion aus dem Genpool, als sich mit einem Durchschnittstypen fortzupflanzen."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Endlich gibt es ein Foto des Mini-Labors "Philae" auf dem Kometen "Tschuri". Der Landeroboter steht eingeklemmt in einem dunklen Spalt auf dem Brocken "67P/Tschurjumow-Gerassimenko", wie die Europäische Raumfahrtagentur Esa mitteilte.

05.09.2016

Sie sind die größten Menschenaffen, leben in Gruppen und die Älteren zeigen die typischen Silberrücken. Doch der Mensch droht den Östlichen Gorillas den Garaus zu machen.

04.09.2016

Die Raumsonde "Juno" hat die ersten Bilder vom Nordpol des Planeten Jupiter zur Erde geschickt. "Er sieht völlig anders aus, als alles, was wir jemals gesehen oder uns vorgestellt haben", sagte Scott Bolton, der die Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa leitet.

04.09.2016
Anzeige