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15:25 31.05.2017
Die Wartezeiten für einen Therapieplatz in Deutschland sind lang. Eine neue Richtlinie soll das Verfahren flexibler machen. Quelle: Getty Images
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Hannover

Wenn es im Bauch zwickt oder die Nase läuft, greift man zum Telefon und ruft den Hausarzt an. Denn der hat auch bei vermeintlich kleinen Problemen einen Termin frei und nimmt sich zumindest kurz Zeit für ein Gespräch. Für Menschen mit psychischen Problemen war es dagegen bisher nicht ohne Weiteres möglich, kurzfristig ambulante Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine neue Psychotherapie-Richtlinie, die am 1. April in Kraft getreten ist, soll das ändern.

„Patienten erhalten nun einen leichteren Zugang und das Versorgungsangebot insgesamt wird flexibler“, sagt Dr. Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Gesetzgeber wolle damit eine niedrigschwellige, flexible und gut erreichbare psychotherapeutische Versorgung gewährleisten und für eine Verkürzung der Wartezeiten sorgen.

Bislang war es für Betroffene oftmals schon schwierig, psychotherapeutisch tätige Ansprechpartner überhaupt zu erreichen, da diese im Gegensatz zu niedergelassenen Haus- und Fachärzten keine Sprechstunde anbieten und telefonisch nicht direkt erreichbar sein mussten. Das hat sich seit dem 1. April geändert: Ärzte und Therapeuten, deren psychotherapeutisches Angebot von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, müssen nun für die Terminkoordination insgesamt 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein und sollten nach dem Willen der KBV ihre jeweiligen Sprechzeiten auch auf dem Anrufbeantworter angeben.

Krankenkassen übernehmen mehr Termine

Zum neuen Beratungsangebot gehört auch die neu eingeführte Sprechstunde. Bislang wurden in der Regel wurden vier bis fünf Termine von den Krankenkassen übernommen. Zudem dauerte es oft sehr lange, bis die Betroffenen ihren Therapeuten überhaupt das erste Mal persönlich sprechen konnten – im Durchschnitt rund drei Monate, in ländlichen Regionen sogar noch länger. Besonders dramatisch war die Lage in Brandenburg: Hier vergingen im Schnitt 19,4 Wochen bis zu einem ersten Gespräch. Nach den neuen Bestimmungen können Erwachsene pro Krankheitsfall und Jahr bis zu sechs Termine im zeitlichen Umfang von je 25 Minuten in der Sprechstunde wahrnehmen, Kinder und Jugendliche sogar bis zu zehn Termine.

„Der Psychotherapeut ist damit ein zeitnah erreichbarer Ansprechpartner für alle psychischen Beschwerden und Krankheiten, bei denen ein Patient selbst nicht mehr weiter weiß“, sagt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BptK). In der Sprechstunde erfahren Betroffene unter anderem, wie ihre psychischen Beschwerden einzuschätzen sind, welche weiteren Beratungsangebote es gibt, welche Art der Behandlung – ambulant oder (teil)stationär – und welche Therapieform – ob einzeln oder in der Gruppe – für sie am besten geeignet ist und möglicherweise auch wie es um ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkeit bestellt ist. Ob die Sprechstunde offen organisiert ist oder nach Terminvergabe verläuft, entscheiden die Therapeuten allerdings selbst. Zum 1. April 2018 wird das Erstgespräch dann für alle Betroffenen, die bislang noch nicht in Behandlung sind, verpflichtend.

Einige Therapeuten sehen Neuerungen kritisch

Wer trotz der neuen Sprechzeiten selbst keinen Termin beim Spezialisten findet, kann sich nun auch an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Diese sind dazu verpflichtet, Betroffenen innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten anzubieten.

Neben der verbesserten Erreichbarkeit und der Möglichkeit, psychische Beschwerden kurzfristig in der Sprechstunde abklären zu lassen, gibt es weitere Neuerungen in Bezug auf das ambulante Behandlungsangebot. So können Menschen, die sich in einer akuten psychischen Krise befinden, eine Akutbehandlung im Umfang von bis zu 24 Sitzungen à 25 Minuten in Anspruch nehmen. Diese ist nicht genehmigungspflichtig; die Therapeuten müssen die Krankenkassen allerdings über die Behandlung informieren.

Aus Sicht der Bundestherapeutenkammer können diese Neuerungen jedoch nur ein erster Schritt sein. Denn insgesamt erhöhe sich die Zahl der dringend benötigten Behandlungsplätze dadurch nicht. Auch gibt es Therapeuten, die mit der neuen Richtlinie hadern. Sie kritisieren, dass ihnen die erzwungene Telefonbereitschaft nicht vergütet werde und sie aufgrund der zusätzlichen Sprechstunden weniger Zeit für ausführliche Therapiesitzungen haben.

Hier gibt es Hilfe

Die Telefonseelsorge ist unter der Rufnummer (08 00) 111 0 111
sowie (08 00) 111 0 222 oder 116 123 rund um die Uhr zu erreichen.
Beratung via Chat, Mail und vor Ort: http://www.telefonseelsorge.de/

Der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen ist telefonisch unter 116 117 zu erreichen.

Eine Online-Beratung für Kinder und Jugendliche bietet: https://www.nummergegenkummer.de/

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat ein Info-Telefon Depression eingerichtet. Erreichbar unter (08 00) 33 44 5 33 (Mo., Di. und Do. 13-17 Uhr sowie Mi. und Fr., 8.30–12.30 Uhr)

Von Lisa Stegner/RND

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