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Wissen Der Fahrradhelm: Eine überschätzte Sicherheitsmaßnahme?
Nachrichten Wissen Der Fahrradhelm: Eine überschätzte Sicherheitsmaßnahme?
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20:18 12.04.2019
Bei Kindern ist der Helm beliebter: 82 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen trugen im vergangenen Jahr einen Fahrradhelm. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hannover

Mit einem einfachen Klick sitzt er auf dem Kopf und kann im Notfall Leben retten: der Fahrradhelm. Dennoch ist seine Benutzung umstritten: Gegner des Helms argumentieren, ein Helm könne keinen Unfall verhindern und Radfahrer würden sich bei Benutzung im Straßenverkehr riskanter verhalten. Ist es womöglich sicherer, ohne Helm zu fahren?

Vorteile eines Fahrradhelms

Im Jahr 2018 trugen laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) über alle Altersgruppen hinweg im Durchschnitt 18 Prozent der Fahrradfahrer einen Schutzhelm. Ein Wert, der hauptsächlich wegen der erwachsenen Radler so niedrig ausfällt – denn bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren betrug die Quote stolze 82 Prozent. In der Theorie gibt es viele gute Gründe, einen Helm zu tragen:

• Ein Helm kann dabei helfen, Kopfverletzungen mit schwerwiegenden Folgen zu verhindern.

• Die glatte Schale sorgt beim Sturz für ein Abgleiten über den Untergrund, das Hartschaumpolster nimmt Aufprallenergie auf.

• Ein Helm kann die Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer verbessern, wenn er mit Rücklicht oder Reflexstreifen versehen ist.

• Mit einem Helm auf dem Kopf sind erwachsene Radler ein gutes Vorbild für Kinder.

• Ein Helm kann auch als Regenschutz genutzt werden.

Was macht einen guten Helm aus?

Grundsätzlich dürfen Fahrradhelme hierzulande nur in den Handel gelangen, wenn sie der EU-Norm (DIN EN 1078 CE) entsprechen. Seine Schutzfunktion kann der Helm allerdings nur dann erfüllen, wenn er richtig passt – er darf weder zu klein sein und damit zu hoch sitzen, noch zu groß und damit wackeln. „Wichtig ist außerdem, dass die Befestigungsgurte vor und hinter dem Ohr verlaufen“, erklärt Julia Frohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Außerdem sollten am Kinn zwei Zentimeter Platz gelassen werden.

Immer mehr Unsicherheit im Verkehr

In Deutschland ist man nicht dazu verpflichtet, einen Helm zu tragen. Die Expertenorganisation Dekra rät dennoch dazu – denn Radfahrer fühlen sich Umfragen zufolge immer unsicherer. Besonders ältere Menschen, bei denen das Risiko auf dem Fahrrad ums Leben zu kommen um ein Mehrfaches höher liegt als bei jüngeren, sollten Acht geben. Oft sind Verkehrsunfälle mit Radlern nicht zwingend von den eigenen Fähigkeiten abhängig: In drei von vier Fällen ist der Unfallgegner ein Auto, das zu schnell fährt oder zu wenig Abstand hält.

Wieso ist der Helm dennoch umstritten?

In dem Normtest der EU geht man von einer Geschwindigkeit von 20 km/h aus. Dabei wird ein Helm so auf eine Fläche fallen gelassen, dass nur der obere Kopfbereich erfasst wird – tiefere Schläfen- und Stirnbereiche werden nicht erfasst. Das kritisiert eine Studie der Universität München, bei der drei Jahre lang untersucht wurde, wie gut Fahrradhelme tatsächlich schützen. Demnach würden sich die Forscher eine Optimierung wünschen.

Außerdem argumentieren Gegner des Helms häufig, dass er nicht vor einem Unfall schützt. „Damit haben sie auch recht. Allerdings mildert der Helm die Folgen eines Unfalls, insbesondere von Kopfverletzungen, ab“, so Frohmann.

Helmpflicht – ja oder nein?

Wie die Menschen auf eine Helmpflicht reagieren würden, lässt sich anhand vergangener Kampagnen erahnen: In Kopenhagen führte eine Aktion für das Tragen von Helmen dazu, dass Zehntausende weniger mit dem Fahrrad durch die Stadt fuhren. Der Grund: Das Radfahren erschien den Bürgern plötzlich gefährlicher, als es wirklich ist. Darüber hinaus argumentieren viele bei der Helmpflicht, jeder müsse in Eigenverantwortung entscheiden, ob er einen Helm im Straßenverkehr tragen wolle oder nicht.

Wie sinnvoll sind Helmalternativen?

Weil die herkömmlichen Modelle, etwa Hartschalen-, Mikroschalen- oder Twinshell-Helme für viele als zu unpraktisch, gefährlich oder gar hässlich gelten, bietet der Markt seit einiger Zeit zahlreiche Helmalternativen – sie werden auch vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat ausdrücklich begrüßt. Dazu zählen zum Beispiel der Helm-Airbag, der wie ein Schal um den Hals gelegt und mit einem Reißverschluss befestigt wird oder der Basecap-Helm, der nach Angaben der Hersteller fester auf dem Kopf sitzen soll als Schaumstoffhelme. So soll er dreimal so viele Stöße absorbieren können.

Lesen Sie auch: Das Fahrrad fit für den Frühling machen

Von Jessica Orlowicz/RND

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