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Wissen Depression – nicht noch einmal
Nachrichten Wissen Depression – nicht noch einmal
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11:17 01.06.2017
Zur Person: Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert an dieser Stelle regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Tröstlich jedoch ist, dass Depression eine relativ gut behandelbare Erkrankung ist. Bei leichten Verlaufsformen ist oftmals eine ambulante Psychotherapie ausreichend, bei mittelgradigen bis schweren Depressionen kommt meist eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie zum Einsatz.

Doch leider zeigt die Erfahrung, dass nahezu jeder Zweite, der eine Depression überwunden hat, einen Rückfall und danach sogar mit noch größerer Wahrscheinlichkeit erneut eine depressive Episode erleidet. Dem begegnet man dann meist wieder mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie. Doch es gibt auch alternative Möglichkeiten.

Eine sehr gut auf Wirksamkeit erprobte Methode ist die achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie, bekannt unter ‚Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT)’. Der Ausgangspunkt für dieses Verfahren war die Fragestellung: Was bedingt die Anfälligkeit für einen depressiven Rückfall? So kam man zu der Erkenntnis, dass Menschen, die wiederholt unter Depression gelitten hatten, auch in den symptomfreien Zeiten eine erhöhte Empfindsamkeit bezüglich belastender Erfahrungen wie beispielsweise Stress oder Kummer aufweisen.

Grübeln und Vermeiden von unangenehmen Erfahrungen

Das Drama nimmt seinen Lauf, wenn zwei weitere Faktoren dazukommen: Grübeln und Vermeiden von unangenehmen Erfahrungen. Grübeln ist der Versuch, sich mittels Nachdenken von seinen negativen Emotionen zu lösen, und ist geprägt von Selbstkritik und Negativität. Das Vermeiden von unangenehmen Erfahrungen ist der Versuch, die belastenden Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wegzukriegen. Diese beiden Verhaltensweisen lernt man quasi unbewusst während der akuten Phase einer Depression. Sie schlummern danach in uns und werden schon bei geringen Verstimmungen schnell aktiviert.

Mit dieser Erkenntnis war der Weg für die Entwicklung einer Rückfallprophylaxe der Depression klar. Es ist offenbar wichtig, während der symptomfreien Phase entgegenwirkende Fähigkeiten zu entwickeln. Eine grundlegende Fähigkeit ist, sich möglichst frühzeitig bewusst zu werden, dass man sich in einer gedrückten Stimmung befindet, um sich dann rechtzeitig aus den automatisch aktivierten negativen Denkmustern zu verabschieden. Generell heißt das: sich der Stimmung bewusst zu werden, lernen, aus dem Grübeln auszusteigen, und das Vorhandensein der momentanen Stimmung anzunehmen, statt dagegen zu kämpfen.

Also haben sich die Depressionsforscher Segal, Teasdale und Williams gefragt, wie man Bewusstheit und Akzeptanz dessen, was gerade ist, entwickeln kann. Bei ihren Recherchen stießen sie auf Jon Kabat-Zinn und sein Übungsprogramm ‚Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)’, also auf Achtsamkeit basierende Stressbewältigung. Diese Methode zeigte sich als hervorragend geeignet und wissenschaftlich belegt, genau die Fähigkeit von Akzeptanz des momentanen Geschehens zu entwickeln.

Wie steige ich aus dem Grübelkarussell aus?

Und wie kann man aus dem Grübelkarussell aussteigen? Zum Beispiel dadurch, dass man die Aufmerksamkeit gezielt auf den Atem und alle aktuellen Sinneserfahrungen richtet. Das lenkt vom Grübeln ab, denn unsere bewusste Aufmerksamkeit kann immer nur eine begrenzte Menge an Information verarbeiten. Auch diese Fähigkeit wird durch die Schulung von Achtsamkeit entwickelt.

Darüber hinaus geht es hier, mehr als in der konventionellen Kognitiven Verhaltenstherapie, auch darum, sich klar zu werden, dass auch schwierige Gedanken nicht immer der Realität entsprechen. Es geht also darum, die Gedanken mit einer inneren Distanziertheit einfach nur wahrzunehmen.

Ziel ist, die Verschmelzung von Gedanken und dem Selbst aufzulösen und zu erkennen, dass Gedanken nur Gedanken sind und nicht die Wirklichkeit. Man muss die unangenehmen Gedanken nicht unbedingt mögen und ihnen Glauben schenken, doch anerkennen, dass sie eben da sind.

Einen ausführlichen Überblick über die wissenschaftlichen Studien zu MBSR und MBCT findet man u.a. auf der Internetseite des MBSR-MBCT-Verbandes: www.mbsr-mbct-verband.org

Von RND/Helmut Nowak

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