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Wissen Paula Lambert: Das Wichtigste im Bett ist Humor
Nachrichten Wissen Paula Lambert: Das Wichtigste im Bett ist Humor
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17:34 18.07.2018
„Paula kommt“ heißt das neue Buch von Sex-Expertin und Beziehungs-Coach Paula Lambert. Es trägt den Zusatztitel „Das ehrlichste Sex-Buch der Welt“. Dafür hat die Autorin zahlreiche Fragen und Antworten zusammengetragen, die besonders jungen Lesern weiterhelfen sollen, aber auch für ältere interessant sein dürften. Quelle: GU Verlag
Hannover

Patentrezept Sex-Diät: Im Interview verrät Paula Lambert ihre Therapietricks und erklärt, was Kinder über das Sex-Leben ihrer Eltern wissen sollten – und was auf keinen Fall:

Sie gelten als Sex-Expertin. Wie wird man dazu?

Nun, ein Experte ist jemand, der auf einem Gebiet alle möglichen Fehler gemacht hat und dann genau weiß, wie es gerade nicht geht. Tatsächlich ist es bei mir eine Mischung aus persönlicher Erfahrung, jahrelangem Training, Literatur und Fortbildung.

Wer fragt Sie eher um Rat, Frauen oder Männer?

Etwa zwei Drittel aller Fragen kommen von Frauen, der Rest von Männern. Wobei die Männer eher Paarfragen haben, so etwas wie „meine Frau will keinen Sex mehr“ oder „ich hab das Gefühl, ich kann meine Freundin nicht mehr befriedigen“.

„Manche Fetische kann ich nicht nachvollziehen“

Reden Sie über alles?

Ich kann über alles reden, auch wenn es Sachen gibt, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann. Das betrifft zum Beispiel bestimmte Fetische, weil ich nicht fühle, wie das jemand faszinieren kann.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, gerade wenn es um Sex geht, offen zu sein?

Weil es einfach überhaupt nicht gelernt wird, offen zu kommunizieren. Nicht in der Schule, nicht im Elternhaus und in der Partnerschaft auch nicht, weil wir uns hinter Scham, Schüchternheit und minderen Selbstwertgefühlen verstecken. Und das wird zum Problem, weil keiner genau weiß, was der andere eigentlich will. Ich verstehe, dass es zwischen Eltern und Kindern bei dem Thema schwierig ist, weil gerade Jugendliche auch Distanz wahren wollen. Ich glaube aber, es wird leichter, wenn wir in Ichgeschichten erzählen, sodass die Kinder das Gefühl haben, meine Eltern sind Menschen mit sexuellen Erfahrungen, an die kann ich mich durchaus wenden.

Aber Kinder wollen doch nicht wissen, was Eltern miteinander treiben.

Was Eltern heute treiben, tut auch nichts zur Sache. Für Jugendliche ist relevant, was Eltern erlebt haben, als sie jung waren: Wie sind sie mit einer Abfuhr umgegangen? Wann haben sie gelernt, Nein zu sagen, wenn sie etwas doch nicht gut fanden? Das kann man in Anekdoten verpacken, dann ist das nicht so peinlich. Ich würde jedem davon abraten, den Kindern zu erzählen, wie toll es Mami und Papi noch miteinander haben – bitte nicht!

„Die Freiheit, Nein zu sagen, ist das Allerwichtigste“

Abseits der typischen Aufklärung: Was sollten Eltern ihren Kindern unbedingt mitgeben zum Thema Sex?

Das Wichtigste ist tatsächlich, die eigenen Grenzen zu wahren. Nicht Sachen zu machen, weil die gerade in sind oder weil jemand sagt, dass man etwas tun muss. Die Freiheit zu haben, Nein zu sagen, ist das Allerallerwichtigste.

Und wie ist das mit langjährigen Beziehungen: Sollte man dem Partner zuliebe wenigstens alles einmal probieren oder bin ich ansonsten prüde und verklemmt?

Wenn man etwas nicht möchte, sollte man das auch so sagen. Ich finde nicht, dass irgendjemand dann das Recht hat, den anderen zu verurteilen und zu sagen, das sei spießig und verklemmt. Das Tolle am Erwachsensein ist ja, dass man Dinge nicht mehr tun muss, die man nicht will.

Was kann man tun, wenn Flaute herrscht im Bett?

Längere Pausen sind nicht schlimm, es gibt schließlich Phasen im Leben – berufliche Veränderungen, die Geburt eines Kindes, ein Todesfall in der Familie – da ist es okay, sich einfach auf sich zurückzuziehen. Ich rate da zur Entspannung. Wenn es zum Dauerzustand wird, keinen Sex zu haben, und Paare unglücklich sind, dann sollte man etwas tun. Aber sich unter Druck zu setzen bringt gar nichts. Das ist der allergrößte Lustkiller, den es gibt – für Frauen und Männer.

Wie wichtig ist Humor?

Das ist die wichtigste Technik, die man draufhaben sollte. Das ist das A und O und wirklich essenziell.

Wenn in langjährigen Beziehungen Sex nur noch nach Schema F läuft, wie kann man das aufbrechen und wiederbeleben?

Der Schlüssel zum Glück ist die klassische Kommunikation. Häufig leben Partner zusammen und wissen überhaupt nichts voneinander, weil sie sich nicht mehr mitteilen. Man muss lernen, miteinander zu sprechen. Ein anderes Problem ist, dass Beziehungen einschlafen, weil man die Wertschätzung füreinander, für das, was der andere mitbringt, verliert. Das kann man wiederbeleben, indem man sich mit dem Partner auseinandersetzt, und in den meisten Fällen kehrt dann auch die Attraktivität zurück.

So funktioniert die Sex-Diät

Sie beschreiben in Ihrem Buch eine Sexdiät. Was steckt dahinter?

Das biete ich meinen Klienten in den Coachings an und funktioniert sehr gut. Es basiert auf dem einfachen Prinzip, Menschen etwas zu verbieten – dann entwickeln sie ein Bedürfnis danach, eine Sehnsucht. Es geht weniger um den körperlichen Kontakt als vielmehr darum, dass die Leute erneut ins Gespräch kommen und sich durch das Sexverbot wieder mehr miteinander auseinandersetzen. Wer zu mir in die Beratung kommt, denkt immer, es geht um Sex, aber eigentlich führe ich ein Kommunikationstraining durch.

Und wie ist Ihre Erfolgsquote?

Die ist sehr hoch und liegt etwa bei 90 Prozent. Aber man muss schon weiter an der Beziehung arbeiten, und da fängt es an, knifflig zu werden. Ich muss leider sagen, dass viele Leute einfach zu faul sind. Viele Menschen nehmen dann lieber jemand Neues. Meist tauchen dann die gleichen Probleme auf.

Was halten Sie von Datingportalen wie Tinder? Was treibt die Menschen dahin?

Vor allem Einsamkeit und die Angst vor dem Alleinsein. Natürlich kann man dort auch die Liebe finden, aber die Chance ist sehr gering. Tinder und Co. führen eher dazu, dass wir uns wieder voneinander wegbewegen, weil sich die Es-gibt-noch-was-Besseres-Mentalität immer weiter durchsetzt, und das ist total schade, denn dabei stumpfen die Menschen sehr ab.

Wer Ihr Buch gelesen hat und jetzt mehr über Sex in der Beziehung reden und Neues ausprobieren will, läuft der nicht Gefahr, seinen Partner zu verschrecken?

Ich glaube, dass das eher zu einer Erleichterung führt. Es gibt ja nicht Schlimmeres, als das Gefühl zu haben, bestimmte Standards erfüllen zu müssen. Mein Buch ist kein wissenschaftliches Werk, sondern ein Ratgeber, der aus Erfahrungen schöpft und viel Unterhaltung bietet. Es ist mein Ziel, den Lesern die Lockerheit wiederzubringen. Wir sollten alle vergnügter und weniger gestresst sein. Stress haben wir schon genug, den brauchen wir nicht auch noch im Bett.

Paula Lambert: „Paula kommt. Das ehrlichste Sex-Buch der Welt!“ ist erschienen im GU-Verlag, 224 Seiten, 17,99 Euro.

Von Jana Brechlin

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