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18:50 03.10.2016
Der Medizinnobelpreis 2016 geht an den Japaner Yoshinori Ohsumi. Quelle: The Nobel Foundation
Berlin

Der Japaner Yoshinori Ohsumi bekommt den Medizin-Nobelpreis für die Entschlüsselung der lebenswichtigen Müllentsorgung in Körperzellen. Mit Hilfe der sogenannten Autophagie baut die Zelle nicht mehr benötigte Bestandteile ab und recycelt sie. Ist der Mechanismus gestört, können Parkinson, Diabetes Typ 2, Krebs und andere vor allem im Alter auftretende Leiden entstehen.

Autophagie bedeutet wörtlich „selbst essen“ und bezeichnet das Recycling-System von Zellen. Dabei entsorgt die Zelle alte, geschädigte oder überflüssige Proteine und Zellorganellen, um die Einzelteile neu zu verwenden.

Bei dem Prozess formt sich eine besondere Membran um den Zellmüll und schließt sich dann zu einem Bläschen, dem Autophagosom. Dieses verbindet sich dann mit den sogenannten Lysosomen, wo der Abbau stattfindet.

Neue Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer

Bekannt war das Prinzip schon länger, aber erst der diesjährige Medizin-Nobelpreisträger Yoshinori Ohsumi entschlüsselte in den 1990er Jahren die genetischen Grundlagen. Die weitreichende Bedeutung wurde für die Medizin immer deutlicher.

„Dieses genetische Programm bewirkt vom Einzeller Hefe bis zu uns Menschen die kontinuierliche Erneuerung der Zellen“, sagt Tassula Proikas-Cezanne von der Universität Tübingen. „Wenn der Mechanismus gestört ist, spiegelt sich das in vielen Erkrankungen wieder.“ Dazu zählen Krebs, neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Parkinson bis hin zu Diabetes und Autoimmun-Erkrankungen.

Bislang sind mehr als 35 Gene bekannt, die den Prozess der Autophagie steuern – Ohsumi entdeckte die ersten von ihnen und analysierte ihre Funktionsweise. Diese Erkenntnisse sind inzwischen eingeflossen in klinische Studien. Dabei sollen Wirkstoffe die Autophagie entweder bei degenerativen Erkrankungen stärken oder aber – im Fall von Krebszellen – blockieren.

„Wir wissen, dass Autophagie bei sehr vielen Krankheiten eine Rolle spielt. Wir können Krankheiten bekommen, wenn Autophagie nicht richtig funktioniert, aber wir können Autophagie auch nutzen, um Schäden zu beheben“, erklärte die Nobeljurorin und Genetik-Professorin Anna Wedell. „Der nächste Schritt ist, herauszufinden, wie wir Krankheiten beeinflussen und ihnen entgegenwirken können. Das ist ein ganz neues Forschungsfeld. Das war nicht möglich, bis Ohsumi uns dieses Wissen und diese Werkzeuge gegeben hat.“

Von dpa/RND

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