Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Beziehung und Lebensmitte
Nachrichten Wissen Beziehung und Lebensmitte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:46 25.04.2018
Regelmäßig schildert Paartherapeut Christian Hemschemeier Fälle aus seiner Praxis. Quelle: gpt
Anzeige
Hamburg

Das „Standardpaar“ ist in den Vierzigern, hat Kinder in der Pubertät, ist maximal eingespannt im Beruf, hat vielleicht schon Eltern, die Hilfe brauchen. Eigentlich scheint alles tipptopp zu sein, es gibt vielleicht eine schöne Wohnung, man kommt über die Runden, kann mal Urlaub machen, schaut zurück auf 15 Jahre Beziehung … und dann geht jemand fremd. Scheinbar ohne große Vorwarnung. Und da sind wir schon beim etwas „ausgetretenen“ Begriff der Midlife-Crisis.

Midlife-Crisis ist eine wichtige Lebensphase

Gibt es die überhaupt? Ja, es gibt sie, und es ist eine sehr wichtige Lebensphase. Männer scheinen mit der „Krise“ etwas mehr zu tun zu haben, diese liegt etwa irgendwo im Alter zwischen 42 und 52 Jahren. Es ist eine Rückschau auf das Leben. Man hat oft einige Ziele erreicht, und zieht nun Bilanz. War es gut? Hatte ich die richtigen Ziele? Bin ich glücklich damit? Und vor allem: Möchte ich so weitermachen?

Man hat vielleicht schon den einen oder anderen Freund mit Krankheiten und spürt zum ersten Mal so richtig das Älterwerden und dass die Zeit endlich ist, die man hat. Viele Männer wollen sich dann gern verbinden mit Vitalität, sich jung fühlen. Häufig werden neue Sportarten gesucht, Statussymbole angeschafft, und man ist auch anfällig für „Neues“, was den Beziehungsbereich angeht.

Die Zeit der zweiten Pubertät

Man kann diese Zeit durchaus wie eine zweite Pubertät im positiven Sinne sehen. Man probiert sich neu aus, ist teilweise extrem risikobereit und sieht sich starken emotionalen Höhen und Tiefen ausgesetzt. Es ist sehr wichtig, diese Themen nicht zu unterdrücken, sondern durch sie durchzugehen. Problematisch wird es immer dann, wenn man vorhandene Partner nicht ehrlich miteinbezieht, dass für sich allein zu lösen versucht oder hinter dem Rücken des Partners ein Parallelleben führt.

Frauen können eine ähnliche Thematik in der Zeitspanne haben. Für viele Frauen liegt die „Krise“ aber zehn Jahre früher, insbesondere wenn sie eine lange Beziehung hatten, die schon im frühen Erwachsenenalter begann oder aber Anfang 30 keine aussichtsreichen Beziehungen haben.

Will ich mein Leben so weiterführen?

Ähnlich wie bei Männern geht es um das Thema: Will ich mein Leben so weiterführen? Will und kann ich eine Familie beziehungsweise Kinder haben? Will ich mit diesem Partner Kinder? Wenn man lange Zeit bestimmte Bedürfnisse in seinem Leben oder in seinen Beziehungen vernachlässigt hat – ob bewusst oder unbewusst –, kann man sehr anfällig sein für andere Menschen außerhalb der bestehenden Beziehung, die scheinbar genau das liefern.

Dabei geht es häufig um Verstandenwerden und Wertschätzung – Sex und Körperlichkeit sind meist gar nicht der Start, sondern entstehen dann erst in der Folge. Leider sind die dabei entstehenden Verliebtheiten oft extrem intensiv – aber sie sind in vielen Fällen wie ein Strohfeuer, das kurz heiß brennt, aber dann mangels Masse schnell wieder ausgeht. Ein anderer Partner wird einen definitiv nicht aus den Wirrungen einer Midlife-Crisis retten.

In der Midlife-Crisis muss man sich entscheiden

Deshalb sollte man sich Zeit geben, bevor man auf dieser Basis Entscheidungen trifft, die man nicht mehr ungeschehen machen kann. In der Midlife-Crisis will man oft alles – muss aber einsehen, dass man eben doch nicht in der ersten Pubertät ist und alles relativ gefahrlos ausprobieren kann. Man hat nicht mehr alle Optionen offen – wenn man sich für eine entscheidet, stirbt automatisch eine andere. Dieser Realität muss man sich stellen. Man hat mehr Verantwortung und kann diese auch nicht einfach loswerden.

Dennoch gibt es keinen allgemein richtigen Ausgang dieser Lebensphase. Für den einen ist vielleicht Trennung (von was auch immer) das Richtige, der andere stellt fest, dass das Gras woanders definitiv nicht immer grüner ist – und dass man es doch ziemlich gut hat mit dem Bekannten, bei dem man jetzt bereit ist, sich noch mehr einzulassen.

________________________

Der Autor ist unter www.liebeschip.de zu erreichen.

Von Christian Hemschemeier/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Plastik ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Und es ist mittlerweile überall zu finden: Selbst in der Arktis haben Forscher eine hohe Konzentration winziger Plastikteilchen entdeckt. Die Folgen für die Mensch, Tier und Umwelt sind noch nicht absehbar.

24.04.2018

Manche Kinder kommen beim Toben und Spielen oft einfach nicht aus der Puste. Obwohl sie viel kürzere Beine haben, rennen sie vielen Erwachsenen davon. Dass der Nachwuchs oft viel fitter ist, beweist eine neue Studie.

24.04.2018
Wissen Durchbruch in der Diagnostik - Wie Hunde bei der Krebs-Diagnose helfen

Wer krank ist, riecht anders. Menschen nehmen das oft nicht wahr. Wohl aber Hunde und sogenannte Elektronische Nasen: Sie könnten in Zukunft die Diagnostik von Krebs, Alzheimer oder auch Parkinson erleichtern.

22.04.2018
Anzeige