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Wissen Auf der triefenden Spur der Fitnesshalbwahrheiten
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18:02 17.06.2018
Professor Ingo Froböse ist Leiter des Gesundheitszentrums an der Sporthochschule Köln und gibt an dieser Stelle regelmäßig Tipps. Quelle: Monika Sandel
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Köln

Warum schwitze ich? Wie kann ich meine Fitnessübungen in den Alltag integrieren? Im Internet und vor allem auch in den sozialen Medien findet man schier unendliche Informationen, die viele Antworten auf alltägliche Fragen liefern: ob als Blog-Text, Video-Tutorial oder Podcast. Zu den am häufigsten aufgerufenen Schwerpunkten gehören Fitness und Gesundheit. Doch Vorsicht, es ist gar nicht so einfach, hier als Laie die Spreu vom Weizen zu trennen.

Halbwahrheiten und Sportirrtümer finden sich gerade zum Thema Fitness und Gesundheit in den sozialen Medien, die offenen Plattformen laden schließlich jeden dazu ein, Inhalte zu präsentieren. Eine Öffentlichkeit zu gewinnen ist zudem bei keinem anderen Medium so leicht. Deshalb bedarf es heute nicht nur eines kritischen Geists, sondern ebenso Medienkompetenz, um entsprechend Informationen, die inhaltliche oder fachliche Schwächen oder Fehler aufweisen, von seriösen Informationen zu trennen.

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept, um Halbwahrheiten und Humbug zu identifizieren

Um Fehlinformationen trotzdem zu umgehen, gibt es, allerdings ein paar Tipps. Insbesondere für den Fitnessbereich gilt es Informationen zu prüfen und Inhalte mit anderen Quellen zu vergleichen. Denn Empfehlungen und Ratschläge, die sich überschneiden, entsprechen am ehesten dem aktuellen Wissensstand. Außerdem ist es ratsam, sich den Autor etwas genauer anzuschauen. Fragen Sie sich: Ist der Autor klar erkennbar und steht offen zu dem, was er verbreitet? Ist er ein Experte in seinem Bereich? In welchen anderen Zusammenhängen ist er bisher in Erscheinung getreten? Im besten Fall finden Sie sogar etwas zu Ausbildung und Qualifikation. Ist der Urheber nicht klar erkennbar und auch nicht im Impressum nachvollziehbar, sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Wichtig ist auch, dass die Informationen transparent und nachprüfbar sind. Vielleicht werden ja sogar weitere Referenzen und Quellen aus öffentlichen Institutionen angegeben. Auch die Aktualität von Inhalten ist nicht zu unterschätzen. So können Studien von gestern heute schon an Gültigkeit verloren haben.

Als Beispiel drei häufige Fitnessmythen zum Thema Schweiß:

Wer schwitzt, ist nicht fit

Häufig wird behauptet, dass Schwitzen ein Zeichen für mangelnde Kondition ist. Dabei schwitzen gut trainierte Sportler mehr und schneller, weil sie über eine bessere Thermoregulation verfügen, ihre Muskeln und Zellen sind leistungsfähiger und geben bei hoher Belastung mehr Schweiß ab, um den Organismus zu kühlen. Außerdem reagieren sie sensibler auf eine erhöhte Körperkerntemperatur, durch die Anstrengung beim Training. Schwitzen ist also ein Zeichen des Körpers, sich auf sportliche Aktivität einzustellen, und die Lösung unseres Körpers, um die erzeugte Wärme abzutransportieren. Wer schwitzt, kann also auch fit sein.

Beim Schwitzen schwinden die Kilos

Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn wer schwitzt, verliert lediglich Wasser. Dieser Verlust macht sich natürlich auch auf der Waage bemerkbar, mit Fettverbrennung hat das allerdings nichts zu tun. Was wir verlieren, ist Wasser aus unseren Speichern. Und die müssen wir im Anschluss wieder auffüllen, allerdings nicht auf einmal! Unterschiede gibt es beim Geschlecht. Männer schwitzen oft mehr als Frauen, da sie mehr Muskelmasse besitzen und somit mehr Wärme produzieren.

Wer viel schwitzt, muss viel trinken

Dazu ein klares Jein! Denn genauso wie zu wenig trinken schlecht ist, kann auch zu viel trinken ungesund sein. Sieben bis zehn Liter Flüssigkeit am Tag können erheblichen Schaden anrichten. Vor allem wenn man die gesamte Menge auf einmal trinkt. Unser Körper kann lediglich 0,8 Liter pro Stunde verarbeiten. Bei einer zu hohen Flüssigkeitszufuhr kommen unsere Nieren nicht mehr hinterher. Die Folge: Mineralien werden ausgeschwemmt, die Natriumkonzentration im Blut sinkt, was zu Übelkeit, Desorientierung, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall zu Organversagen führen kann. Trotzdem sollte natürlich zur Aufrechterhaltung eines optimalen Flüssigkeitsniveaus das Defizit durch große Hitze, extreme Kälte, Fieber, Erbrechen, Durchfall oder vermehrte körperliche Aktivität, ausgeglichen werden. Aber eben über den Tag verteilt. Die Flüssigkeitszufuhr sollte in etwa 30 bis 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht betragen.

Von Ingo Froböse/RND

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