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Nachrichten Wirtschaft Was Sie bei Winterreifen beachten sollten
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11:52 26.10.2018
Im Herbst ist wieder Zeit für den Wechsel auf Winterreifen. Quelle: dpa
Hannover

Wenn die Tage kälter und kürzer werden und ungemütliches Herbstwetter aufzieht, erinnern sich viele Autofahrer daran, dass der Reifenwechsel ansteht. Doch wann ist der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen richtig? Ein Überblick:

Wann muss ich auf Winterreifen wechseln?

Autofahrer können sich laut ADAC an der sogenannten O-bis-O-Regel orientieren: Sie besagt, dass Winterreifen von Oktober bis zum Wochenende nach Ostern auf dem Auto bleiben sollen. Ab einer Profiltiefe unter vier Millimetern sollten die Reifen ausgemustert werden.

Gibt es 2018 eine Winterreifenpflicht?

Nein. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist kein genauer Zeitraum vorgeschrieben. Pflicht sind Winterreifen demnach nur bei schlechten Straßenverhältnissen, etwa Schnee, Eis und Reifglätte. Man nennt dies „situative Winterreifenpflicht“. Niemand muss jedoch mit Konsequenzen rechnen, wenn sein Auto bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen am Straßenrand geparkt steht.

Welche Reifen gelten als Winterreifen?

Durch die Veränderung der Winterreifenverordnung gelten Reifen mit einer M+S-Kennzeichnung nicht mehr als Winterreifen. Laut STVO erfüllen nur noch Reifen die Anforderungen, die das sogenannte Alpine-Symbol tragen (Berg mit Schneeflocke). Bis zum 30. September 2024 gelten laut ADAC Reifen mit M+S-Kennzeichnung als wintertauglich, wenn sie bis Ende 2017 hergestellt worden sind.

Warum sind Winterreifen so wichtig?

Bei niedrigeren Temperaturen kann das Fahrzeug mit Winterreifen besser gebremst und gefahren werden. Verhärtete Sommerreifen haften nicht mehr optimal auf der Straße. Winterreifen werden aus einer weicheren Gummimischung mit zusätzlichen Rillen und Lamellen gefertigt, in denen sich bei niedrigeren Temperaturen Schnee und Matsch gar nicht erst festsetzen und der Halt besser ist. Das macht den Unterschied zu Sommerreifen aus. Achtung: Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP ersetzen keine Winterreifen.

Mit welchen Geldbußen müssen Autofahrer rechnen?

Erwischt die Polizei einen Pkw-Fahrer bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen, werden 60 Euro fällig. Dazu kommt ein Punkt in Flensburg. Mit 80 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei müssen Autofahrer rechnen, die mit Sommerreifen unterwegs sind und andere behindern – etwa wenn sie im Straßenverkehr liegen bleiben.

Haben Autofahrer noch Versicherungsschutz ohne Winterreifen?

In aller Regel ja. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bleibt der Haftpflichtschutz für Autofahrer mit Sommerreifen in jedem Fall bestehen, wenn diese im Winter einen Unfall verursachen. Das heißt, die Versicherung zahlt dem Unfallopfer den Schaden. Anders sieht es jedoch unter Umständen beim Vollkaskoschutz aus, der den Schaden am eigenen Auto abdecken soll. Kann nachgewiesen werden, dass der Autofahrer fahrlässig mit Sommerreifen unterwegs war, kann die Versicherung die Zahlung kürzen.

Beim Anfahren drehen die Räder durch, beim Bremsen blockieren sie: Auf glatten Straßen rutschen Autos manchmal mehr als dass sie fahren. Autofahrer müssen ihren Fahrstil derzeit entsprechend anpassen.

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Der ADAC rät, dass Sommerreifen nicht älter als acht Jahre, höchstens aber 10 Jahre alt sein sollten. Danach bieten sie nicht mehr ausreichend Sicherheit. Bei Winterreifen ist sogar ratsam, die Reifen bereits nach sechs Jahren auszutauschen. Reifen, die älter als acht Jahre sind, sollten im Winter nicht mehr genutzt werden. Unabhängig vom Alter gilt aber: Bei weniger als vier Millimetern Profil taugen Winterreifen nicht mehr, bei Sommerreifen ab drei Millimetern.

Test 2018: Welche Winterreifen sind die besten?

Bei der Wahl von Winterreifen rät der ADAC, sich an eigenen Schwerpunkten im Fahrprofil zu orientieren, beispielsweise eher starke Haftung auf Eis und Schnee oder etwa der Wunsch nach weniger Verbrauch und geringem Verschleiß. Wie ein aktueller ADAC-Test zeigt, weisen selbst hochpreisige Reifen nicht generell gute Ergebnisse in allen Disziplinen auf. Der Autoclub hat insgesamt 28 Reifen für Klein- und Kompaktwagen zu mittleren Stückpreisen von 44 bis 113 Euro getestet. Dabei nahmen die Tester unter anderem das Handling auf Schnee und Eis, auf nassen und trockenen Straßen sowie Spritverbrauch und Verschleiß unter die Lupe. Bei den Kleinwagen (Dimension 175/65 R 14 T) siegten der „Continental WinterContact TS 860“ für 72 Euro mit einem „Gut“ (2,1) und der „Dunlop Winter Response 2“ (71 Euro) mit derselben Note. Bei den Kompakten (205/55 R 16 H) lagen der „Continental WinterContact TS 860“ (110 Euro, Note 2,2) und der „Goodyear UltraGrip9“ (106 Euro, Note 2,2) an der Spitze vor dem „Dunlop Winter Sport 5“ (106 Euro, Note 2,3). Insgesamt schnitten 5 „gut“ ab, 19 Reifen waren „befriedigend“. 2 Pneus bekamen ein „Ausreichend“, und zwei waren „mangelhaft“, unter anderem wegen starker Schwächen auf nassen oder schneebedeckten Straßen.

Winterreifen kaufen – das müssen Sie beachten

Beim Kauf von neuen Winterreifen sollten Käufer auch aufs Reifenalter achten. Denn älter als drei Jahre sollten die Pneus nicht sein, rät der ADAC. Speziell beim Onlinekauf sollten Kunden bei der Auftragserteilung darauf hinweisen. Ähnlich sehen das auch Gerichte. Eine allgemein gültige Rechtsvorschrift oder ein Mindesthaltbarkeitsdatum gebe es aber nicht. Frischer Reifengummi hatte bei Tests des Autoclubs die beste Haftung. Wann der Reifen hergestellt wurde, lässt sich an einem vierstelligen Zahlencode meist in einem Oval am Ende der DOT-Nummer an der Reifenflanke erkennen. Die ersten zwei Ziffern nennen die Woche, die letzten zwei Ziffern das Herstellungsjahr.

Wie werden Sommerreifen gelagert?

Sommerreifen sollten im Winter trocken, dunkel und nicht zu warm gelagert werden. Optimal ist es, die Sommerreifen auf den Felgen auf einer Palette liegend übereinander zu stapeln und abzudecken. Auch lassen sich die Reifen am Felgenloch aufhängen, um Druckstellen zu vermeiden. Reifen ohne Felge stehen dagegen besser und sollten etwa alle vier Wochen etwas gedreht werden, um Dellen zu vermeiden. Auf jeden Fall sollten Autobesitzer vor dem Abmontieren die Position am Auto mit Kreide auf den Reifen schreiben, das erleichtert die Montage im Frühjahr.

Winterreifen im Sommer fahren – geht das?

Um die Sommerreifen zu schonen, glauben einige, die Winterreifen bis zur gesetzlich vorgeschrieben Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern abfahren zu können und den Reifenwechsel damit hinauszuzögern. Ein guter Rat ist das nach Expertenmeinung jedoch nicht. Winterreifen verfügen über eine wesentlich weichere Gummimischung als ihre Sommer-Pendants. Diese ist speziell auf kältere Temperaturen abgestimmt. Hier kann der Winterreifen mit seinen Lamellen seine Vorteile ausspielen. Bei zweistelligen Plustemperaturen haben Winterreifen jedoch gravierende Nachteile gegenüber Sommerreifen. Durch die weichere Mischung erhöhen sich nicht nur der Reifenverschleiß und der Spritverbrauch. Durch das Walken der Reifen - also die Verformung beziehungsweise Instabilität des Materials bei hohen Temperaturen - verändert sich auch das Fahrverhalten des Autos. In Kurven reagiert das Fahrzeug dann schwammig. In brenzligen Situationen kann das zum Unfallrisiko werden. Außerdem haben Winterreifen im Sommer einen längeren Bremsweg.

dpa/frs/RND

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