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22:35 08.06.2017
Häufig sind Medikamente im Internet preisgünstiger. Quelle: Getty Images/iStockphoto
Berlin

Egal, ob frei verkäuflich oder auf Rezept: Wer hierzulande Medikamente kauft, muss oft trotz des finanziellen Zuschusses durch die Krankenkasse noch eine Zuzahlung leisten. Immer mehr Menschen sind darum bereit auf der Suche nach einer günstigen Alternative ins Netz zu gehen. Einer vom Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) in Auftrag gegebenen Online-Befragung zufolge kaufen bereits 57 Prozent der Internetnutzer einmal im Monat in einer Versandapotheke ein.

Gerade wer bei europäischen Versandapotheken einkauft, kann tatsächlich Geld sparen. Denn im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen sind ausländische Versandapotheken an keinen bestimmten Preis gebunden. Das hat der Europäische Gerichtshof im letzten Herbst entschieden. Darum dürfen sie auch auf rezeptpflichtige Medikamente satte Rabatte geben. Besonders chronisch Kranke, die regelmäßig auf ihre Arzneien angewiesen sind, profitieren davon, wenn sie beim Medikamentenkauf in der Internetapotheke jährlich mehrere hundert Euro sparen können. Zudem übernehmen die Versandapotheken meistens die Zuzahlung von bis zu zehn Prozent, die für jeden in Deutschland gesetzlich Versicherten gilt.

Manchmal lohnt es sich, auf Vorrat zu kaufen

Wer in der Onlineapotheke einkauft, geht genauso vor wie bei anderen Internetshops: Die gewünschte Arznei suchen, in den Warenkorb legen und anschließend online bezahlen. Bis die Bestellung ankommt, dauert es in der Regel bis zu drei Werktage. Den Versand übernehmen Onlineapotheken ab einem Bestellwert zwischen zehn und 30 Euro. Das heißt, es lohnt sich womöglich Medikamente auf Vorrat zu kaufen, um sich die Versandkosten zu sparen.

Ausschließlich vom heimischen Computer aus kann jedoch nicht jeder seine Arzneien bestellen. Für rezeptpflichtige Medikamente verlangen auch die Apotheken im Internet das Rezept im Original. Mindestens für den Gang zum nächsten Briefkasten muss man darum immer noch das Haus verlassen. Auf Anfrage schicken die Versandapotheken ihren Kunden dafür Freiumschläge zu oder stellen ein Dokument zur Verfügung, das man zu Hause ausdrucken und zum Umschlag falten kann.

Wichtig zu wissen: Wer kein Rezept verlangt, kann auch kein seriöser Anbieter sein. Gerade bei Apotheken im Netz sollte man daher mindestens auf ein vollständiges Impressum mit nachvollziehbaren Angaben achten. So stellt sich etwa der Anbieter medmarkt24.com als „ihre vertrauenswürdige Apotheke“ vor und beschreibt in fehlerhaftem Deutsch die Vorteile seiner frei verkäuflichen Potenzmittel gegenüber oftmals gefälschten Mitteln, die vor Diskotheken zum Test angeboten würden. Doch schon ein Blick ins Impressum zeigt, dass hier etwas faul ist. Weder Adresse noch Kontaktmöglichkeiten des Anbieters sind angegeben – darum besser: Finger weg.

Zoll beschlagnahmt illegale Medikamente

Gerade von solch dubiosen Onlinehändlern geht die größte Gefahr aus, statt der gewünschten Medikamente unwirksame oder im schlimmsten Fall gefährliche Mittel zu bekommen. Alleine im Jahr 2015 beschlagnahmte der Zoll bei Paketkontrollen aus dem Ausland laut Innenministerium etwa 3,9 Millionen gefälschte und illegale Tabletten. Der Versandhandel mit Medikamenten ist darum streng reglementiert.

Laut Bundesgesundheitsministerium dürfen nur Händler aus Island und Großbritannien Medikamente ohne weitere Vorgaben nach Deutschland verschicken. Versandapotheken aus den Niederlanden müssen zudem eine Präsenzapotheke unterhalten, aus Schweden dürfen nur verschreibungspflichtige Präparate verschickt werden, aus Tschechien hingegen nur die rezeptfreien. Wichtig ist, bei rezeptpflichtigen Bestellungen aus dem Ausland vorher mit der Krankenkasse abzuklären, wie die Kosten abgerechnet werden.

Nicht jede Online-Apotheke berät ausreichend

Doch wie sieht es bei den Apothekern im Netz mit der Beratung aus? Fernsehteams von „WISO“ und „Marktcheck“ haben kürzlich unabhängig voneinander mehrere Anbieter getestet und sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Bei einer Stichprobe des SWR-Teams versendeten zwei von fünf Online-Apotheken zwei zusammen bestellte Medikamente kommentarlos, die drei anderen wiesen in einem der Bestellung beigelegten Schreiben auf eine mögliche Wechselwirkung hin. Auch die Journalisten vom ZDF kauften probeweise Arzneien im Netz. Zwei von vier ausgewählten Versandapotheken erkannten bei den bestellten Wirkstoffen keine der zwei möglichen Wechselwirkungen, eine machte immerhin schriftlich auf eine Wechselwirkung aufmerksam, die vierte Online-Apotheke warnte in ihrem Schreiben vor beiden.

Dass bei der Beratung jedoch auch die Pharmazeuten vor Ort versagen können, zeigt der Vergleichstest vom SWR: Von fünf ausgewählten Apotheken berieten zwei korrekt, in drei Geschäften ließen sich beide Medikamente jedoch trotz möglicher Wechselwirkungen problemlos zusammen kaufen.

Es gilt darum abzuwägen: Wer dringend ein Medikament benötigt und nicht tagelang auf die Sendung warten kann, ist eindeutig besser beim Apotheker im Laden nebenan bedient. Auch wer sich nicht von Infofilmen im Netz oder telefonischer Beratung abspeisen lassen möchte, sondern auf das persönliche Beratungsgespräch setzt, wird künftig die Apotheke vor Ort dem Online-Shop vorziehen. Der Pillenkauf im Netz kann hingegen für diejenigen sinnvoll sein, die regelmäßig bestimmte Medikamente brauchen, für die sie gegebenenfalls auch einen Vorrat anlegen und von Rabatten profitieren können. Und auch für Menschen, die weit ab von der nächsten Apotheke leben, ist der Online-Kauf womöglich interessant.

Seriöse Online-Apotheken erkennen

Vollständiges Impressum. Online-Apotheken müssen wie andere Internethändler auch vollständige Angaben zu Adresse und Kontaktdaten machen und dazu die Aufsichtsbehörde sowie die zuständige Apothekerkammer auflisten.

Europäisches Sicherheitslogo. Wer auf das weiße Kreuz auf grünem Hintergrund klickt, kann den jeweiligen Eintrag im Register aufrufen. Ist die Apotheke registriert, öffnet sich ein Fenster mit Angaben wie Anschrift und Kontaktdaten. Wenn es sich um eine deutsche Apotheke handelt, sollte sie im Versandhandelsregister des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information aufgeführt sein.

Rezepte und Beratung. Seriöse Anbieter verlangen für verschreibungspflichtige Medikamente die Vorlage des Rezepts im Original. Genauso bieten sie Beratung durch pharmazeutisches Fachpersonal in deutscher Sprache an und haben eine Hotline, die kostenlos oder zum Ortstarif erreichbar ist.

Von Alena Hecker/RND

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