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Wirtschaft Diese Milliarden müssen sitzen: VW investiert in neue E-Modelle
Nachrichten Wirtschaft Diese Milliarden müssen sitzen: VW investiert in neue E-Modelle
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11:32 13.02.2019
Diesen neuen elektrischen Wagen will VW als I.D. Neo Ende nächsten Jahres bringen. Quelle: Volkswagen AG/dpa-tmn
Wolfsburg

Immer im September holt VW die Vergangenheit ein. Dann jährt sich der Ausbruch des Dieselskandals, die schwärzeste Stunde des Konzerns ist wieder präsent. 2019 wäre es das vierte Mal, und diesmal soll es anders sein: Zur Automesse IAA im September wird der Konzern die ersten Elektroautos einer neuen Generation zeigen, die das Ende der Vergangenheit markieren sollen. Vom Erfolg hängt viel für VW ab. Eigentlich hängt alles davon ab.

„Der digitale Tornado kommt“, sagt Silke Bagschik: „Man spürt schon den Wind.“ Die Marketingchefin für VWs Elektrofahrzeuge steht in einer Halle bei Wolfsburg und erklärt Autohändlern, was da auf sie zukommt: Klimawandel und Digitalisierung krempeln das Autogeschäft um, VW reagiert mit komplett neuen E-Modellen, voll vernetzt, teilautonom unterwegs. Der Wandel ist radikal, und die angemessen begeisterte Bagschik hat drauf gewartet: „Wir wollen alle für ein Unternehmen arbeiten, auf das man stolz sein kann.“

Die Botschaft ist schwierig: Alles wird anders, aber das Alte lebt weiter. Auf der Bühne steht der nächste Golf, der achte, neben dem Neo, dem Golf des E-Zeitalters. Beide haben im Herbst Premiere und sollen – staatliche E-Auto-Förderung eingerechnet – in der gleichen Preisklasse liegen. Aus VW-Sicht das Beste beider Autowelten. „Das ist wie Ostern und Weihnachten zusammen“, sagt Bagschik.

Werke Emden, Hannover und Zwickau sollen sich auf E-Autos konzentrieren

Erst 2016 hat VW konsequent mit der Entwicklung einer Elektroplattform begonnen. Im vergangenen Herbst wurde die gesamte Strategie darauf ausgerichtet. Rund 40 Milliarden Euro werden in den nächsten fünf Jahren in E-Mobilität und Vernetzung investiert. Die Werke Emden, Hannover und Zwickau sollen sich auf E-Autos konzentrieren. Kommen die Modelle nicht an, trauen sich die Kunden nicht – dann stehen Zehntausende Jobs auf dem Spiel.

Dieses Projekt dürfe nicht scheitern, sagen sie, und könne eigentlich auch nicht: Die Abgasvorschriften in Europa und Produktionsvorgaben in China erzwingen den Schwenk zum Elektroantrieb. Und neue Konkurrenten drängen ins Geschäft. Das alte Know-how der Autobauer ist im aktuellen Kampf mit Tesla, Google und den neuen chinesischen Konzernen nicht viel wert.

Ab 2020 stehen bei VW jedes Jahr neue Elektromodelle im Plan. Wir zeigen die Autos, mit denen der Konzern im Elektrozeitalter punkten will.

So werden auf der IAA Autos aus einer neuen Welt stehen, nicht nur bei VW. Teile der Pläne kennt man von BMWs E-Strategie mit den Modellen i3 und i8. Auch die eigene Marke gibt es bei VW, die Zukunft trägt das Kürzel ID. Kein Wunder: VW-Chef Herbert Diess kam von BMW.

Aber jetzt, beim Weltmarktführer, dreht er ein ungleich größeres Rad. Ab 2020 stehen jedes Jahr neue Elektromodelle im Plan. Die Serienproduktion des Neo wird im Herbst in Zwickau beginnen, eine Limousine wurde unter dem Namen Vizzion schon auf Messen gezeigt, ebenso ein kleiner E-Bulli, mit SUVs ist zu rechnen. Es wird verschiedene Batteriegrößen für Reichweiten von rund 350 bis 550 Kilometer geben. Ladepunkte bauen BMW, Daimler, Ford und der VW-Konzern gemeinsam an den Autobahnen. Bei den Autohändlern sollen Ladesäulen stehen und vor Supermärkten. VW wird für einige Hundert Euro pro Stück auch Ladeboxen verkaufen und den Ökostrom dazu.

„In Zukunft werden Autos immer online sein“

Für die Händler in der Halle sind Design und Technik der vertraute Teil, ihr Neuland ist das Ökosystem. Der Begriff hat sich bei Internetkonzernen eingebürgert, die nicht nur am einzelnen Produkt, sondern vor allem an der Vernetzung mit dem Kunden verdienen. Der wichtigste Moment im Verkaufsgespräch, erklärt Silke Bagschik den Händlern, sei künftig das Anlegen des Nutzerkontos im Internet. Es ist wie beim Smartphone: Wer alle Möglichkeiten nutzen will, muss sich registrieren.

„In Zukunft werden Autos immer online sein“, sagt Bagschik. Fehlerdiagnose und neue Navi-Software – der Hersteller hat während der Fahrt Zugriff. Und er kann verkaufen: mehr Motorleistung auf der Autobahn, Filme, Assistenzsysteme, Soundeffekte, andere Innenbeleuchtung – alles per Download aus dem konzerneigenen App-Store. „Durch Updates und Upgrades bleiben die Autos immer frisch. Mit dem ID fangen wir jetzt damit an“, sagt Bagschik.

Mit manchem fange der Konzern ein bisschen spät an, sagen einige in der Halle. Ohne den Dieselskandal wäre es wohl jetzt noch nicht so weit. Es gebe doch dieses Sprichwort, sagt jemand in der Halle: „Auf dem größten Dreckhaufen wächst die schönste Blume.“

Von Stefan Winter/RND

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